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Erinnerungskultur:Es geht auch anders

Nach Max Mannheimer (†) wird eine Straße benannt.

(Foto: Claus Schunk)

Mehrere Orte ehren Widerstandskämpfer und Holocaust-Überlebende

Den Befehl gibt Adolf Hitler selbst - per Führererlass. Am 9. April 1945 wird Dietrich Bonhoeffer im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet. Er gehört zu jenen Gegnern des Nazi-Regimes, die als Beteiligte am Attentat vom 20. Juli 1944 ermordet werden. Der maßgebliche Akteur des Attentats auf Adolf Hitler, Claus Schenk Graf von Stauffenberg, wird am 20. oder 21. Juli 1944 im Hof des Bendlerblocks in Berlin erschossen. Die Nazis gehen mit aller Härte gegen die Beteiligten des Anschlags auf Hitler und der "Operation Walküre" vor.

In der Gemeinde Ismaning sind die beiden Widerstandskämpfer - der Theologe Bonhoeffer und der Offizier Stauffenberg - stets präsent und sichtbar. Zwei Straßen sind dort nach ihnen benannt. Nach einem anderen Widerstandskämpfer, Christoph Probst, soll bald das Zentralinstitut des Sanitätsdienst der Bundeswehr in Garching benannt werden. Der Sanitäts-Feldwebel und Widerstandskämpfer gehörte mit den Geschwistern Sophie und Hans Scholl zur "Weißen Rose" und wurde 1943 von den Nationalsozialisten ermordet.

Den Nazis entkommen ist Max Mannheimer, der unvergessene Mahner und Überlebende der Shoa. Nach dem am 23. September 2016 verstorbenen Holocaust-Überlebenden wird in seinem Heimatort Haar eine Straße benannt - der Max-Mannheimer-Ring. Die Hoheit über die Benennung von Straßen obliegt den Kommunen. Sie entscheiden, ob eine Straße nach einer Person benannt wird, und ihre Gremien haben dabei weitgehend Gestaltungsfreiheit. Und es muss nicht immer der Klassiker sein wie etwa die Beethoven-, Veilchen- oder Karwendelstraße.

"Es ist schön, wenn diese Ehre einer Person zuteil wird, die diese auch wirklich verdient", sagt Feldkirchens Bürgermeister Werner van der Weck (SPD) und nennt in diesem Zusammenhang als "wirklich positives Beispiel" die Regina-Ullmann-Straße. Die Schriftstellerin wurde 1884 als Tochter eines jüdischen Kaufmanns geboren, 1936 von den Nationalsozialisten aus dem Schutzverband Deutscher Schriftsteller ausgeschlossen, obwohl sie bereits 1911 zum Katholizismus konvertiert war, und musste Deutschland verlassen. Nach dem Krieg kehrte sie zurück, erfuhr Aufmerksamkeit als Autorin und verbrachte viele Jahre in Feldkirchen. Dort liegt sie auch begraben.

Freilich erinnern die Kommunen auch gerne an verdiente Lokalpolitiker und vor allem Bürgermeister. Oder gar an den Gründer einer Gemeinde wie Clemens Schöpf, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts die "Waldcolonie" ins Leben rief - einige Villen, die als Ursprung des heutigen Ottobrunn gelten.