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Aying:SPD-Ortsverein löst sich auf

Bei der Wahl 2020 trat Erich Leiter noch für die SPD als Bürgermeisterkandidat an. Jetzt ist er ausgetreten.

(Foto: Claus Schunk)

Der Austritt des Vorsitzenden und ehemaligen Bürgermeisterkandidaten Erich Leiter besiegelt das Ende der Partei in Aying.

Von Michael Morosow, Aying

Die Geschichte des SPD-Ortsvereins Aying geht mit einem Kracher zu Ende. Aus Enttäuschung über parteiinterne Querelen auf Bundes- und Landesebene sowie die aktuelle Politik der Sozialdemokraten hat der Ortsvereinsvorsitzende Erich Leiter hingeworfen und wird sein Parteibuch zum 30. April abgeben.

Sein Gemeinderatsmandat behält er, künftig wird der bisherige rote Einzelkämpfer als Parteiloser im Gremium sitzen. Sein krasser Schritt hat nun aber auch gravierende Folgen für den SPD-Ortsverein, für den Erich Leiter zuletzt die Fäden zusammengehalten hatte. Der Ortsverein hat sich aufgelöst, die Ayinger Sozialdemokraten werden sich wohl dem SPD-Ortsverein Höhenkirchen-Siegertsbrunn anschließen, die Kassenübergabe hat laut Leitner bereits stattgefunden. Die rote Fahne in Aying hängt auf Halbmast.

"Es ist nicht mehr meine SPD", sagt der gelernte Flussmeister Leiter, der noch im vergangenen Jahr als Bürgermeisterkandidat für die Sozialdemokraten angetreten war. Sein Entschluss, der Partei den Rücken zu kehren, sei in der Zeit gefallen, da der innerparteiliche Streit zwischen der SPD-Vorsitzenden Saskia Esken und dem früheren Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse getobt habe. Ein unwürdiges Schauspiel haben seiner Meinung nach aber auch Florian Post und Bela Bach aufgeführt, nachdem sie beim Bezirksparteitag keine vorderen Listenplätze bekommen hatten. Diese Rangeleien führten dazu, dass nur noch die Streitereien von der Öffentlichkeit wahrgenommen würden und nicht die Vorhaben der SPD.

Defizite bei Umwelt- und Klimaschutz

Die Sozialdemokraten, so sein hartes Urteil, beschäftigten sich weniger mit dem politischen Gegner als mit sich selbst und vernachlässigten dabei für den Menschen wichtige Thematiken wie Umwelt- und Klimaschutz. Um sein Unverständnis darüber auszudrücken, bemüht Erich Leiter den früheren Bundeskanzler Willy Brandt, der einst sagte: "Es soll sich die Politik zum Teufel scheren, die - um welcher Prinzipien auch immer - den Menschen das Leben nicht leichter zu machen sucht."

Es sei für ihn, der mit Leib und Seele Sozialdemokrat sei, ein schwerer Schritt gewesen, sagt Leiter, der die SPD Aying vor drei Jahren vor der Auflösung gerettet hat. Damals stand der Ortsvereins schon einmal vor dem Aus, weil sich nicht ausreichend Bewerber für die Vorstandschaft finden ließen. Es sei ihm dann gelungen, "den Patienten von der Intensivstation aufs Krankenbett zu verlegen, jetzt sei dieser in der Aussegnungshalle", beschreibt Leiter die damalige und heutige Situation der Sozialdemokraten in Aying.

Ob er wieder zurückfinden könnte zu seiner alten Liebe, der SPD? "Ja", sagt er, "aber nur, wenn die SPD wieder Politik für die Leute macht und sich nicht mehr nur mit sich selbst beschäftigt."

© SZ vom 14.04.2021/belo
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