Es werden Smartphones gezückt und die Aufnahmen schnell mit zwei Fingern vergrößert. Schließlich sollen die Bilder auch dem besonderen Anlass entsprechen. Die Schüler, die sich an diesem Mittwochvormittag mit ihren Eltern im Festsaal des Landratsamtes in München versammeln, haben sich eigens dafür herausgeputzt. Die Mädchen tragen Kleider oder Dirndl, die Jungen Anzüge. Sie sind stolz, aber auch ein bisschen nervös in Erwartung des Moments, da sie von Ernst Weidenbusch (CSU), dem stellvertretenden Landrat, sowie den Schulamtsdirektorinnen Karin Olesch und Sigrid Binder Glückwünsche und Präsente erhalten
Die 55 Schüler, die hier geehrt werden, sind die Prüfungsbesten der 15 Mittelschulen im Landkreis München. 23 von ihnen werden für herausragende Leistungen im mittleren Schulabschluss (M10) geehrt, 32 Absolventen erzielten besonders gute Leistungen im qualifizierenden Mittelschulabschluss. Sieben von ihnen erhalten für ihre besonders guten Leistungen Preise von der Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg. Gemeinsam mit ihnen freut sich die fachliche Leiterin des Schulamts, Karin Olesch. Für sie seien diese Absolventen der Beweis dafür, dass sich Mittelschule noch lohne, sagt Olesch. Anerkennend spricht auch Vize-Landrat Weidenbusch zu den Prüfungsbesten: "Sie sind Sieger!"
Stellvertretend für seine Altersgenossen erinnert Schülersprecher Philipp Wittmann daran, dass der Weg zum erfolgreichen Abschluss für Schüler und Eltern nicht immer einfach gewesen sei. "Wir sind öfters mal verzweifelt", so der scheidende Schüler lachend.
Für die Absolventen beginnt mit dem Ende der Schulzeit ein neuer Lebensabschnitt. Mit ihren ausgezeichneten Abschlüssen sollten sie keine Mühe haben, einen Ausbildungsplatz im Landkreis zu finden, zeigt sich Schulamtsdirektorin Olesch zuversichtlich. Allein im Landkreis steht für die Abgänger eine große Anzahl von Ausbildungsplätzen in verschiedenen Branchen zur Wahl. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern berichtet von 1058 Ausbildungsplätzen, für die aktuell mehr als 550 Bewerber fehlten. Doch unter den Mittelschulabgängern, die am Mittwoch ausgezeichnet wurden, dürften die Firmen kaum fündig werden. Unter den 55 Anwesenden zeichnete sich klar die Tendenz ab, die Fachoberschule zu besuchen, um ihr Wissensfundament zu stärken. Ob Ausbildungsplätze im Landkreis deshalb unbesetzt bleiben? Schulamtsdirektorin Binder verneint und erklärt, dass der Trend zu einer erweiterten fundierten Schulbildung gehe und so nur ein kleinerer Teil der Mittelschulabsolventen direkt eine Berufsausbildung beginne. Auch die Eltern einer ausgezeichneten Schülerin erzählen, dass ihre Tochter fortan die Fachoberschule besuchen wird. Sie sei motiviert weiter zu lernen - auch für ein Fachabitur.
Die Urkunde, welche die Prüfungsbesten in ihren Händen halten, kann ihnen niemand mehr nehmen. Damit sie auch die nächsten Stufen erreichen, ruft Weidenbusch den schon jetzt entschlossenen Schüler zu: "Schultern zurück, Brust raus, Kopf hoch - Sieger sein."
