bedeckt München
vgwortpixel

Erfinder im Landkreis:Klare Kante auf dem Wasser

Firmengründer Stefan Klare hat mit Tripstix nun ein neues Patent für besondere Boards entwickelt.

(Foto: Claus Schunk)

Das Unternehmen Tripstix aus Oberhaching hat ein faltbares Board für Stand-up-Paddler entwickelt, das auch bei sportlichen Ambitionen geeignet ist. In Südkorea sollen die ersten 150 Exemplare hergestellt werden.

Einst haben sich nur polynesische Fischer in ihr Kanu gestellt, um so über das Wasser zu gleiten. Und auf Hawaii, wo bekanntlich das Surfen erfunden wurde, war es allein Sache des Königs, in dieser aufrechten Haltung per Paddel mit dem Board Fahrt aufzunehmen. Inzwischen gibt es wohl keinen Badestrand der Welt, der ohne Stand-up-Paddler (Sup) auskommt, keinen Bootsverleih, der nicht auch die Ausrüstung für das Stehpaddeln im Sortiment führt. Keine Frage: Für Freizeitsportler mit Affinität zum Wasser gehören die von Wind und Wellen unabhängigen, gemütlichen Bretter längst zum Standardprogramm. Schließlich gibt es die Dinger inzwischen auch aufblasbar. Und doch hat das kleine Start-up-Unternehmen Tripstix aus Oberhaching in diesem Segment noch eine Marktlücke entdeckt und ein Patent entwickelt, das den Jung-Unternehmern schon manchen Innovationspreis einbrachte.

Die Boards lassen sich auf 80 mal 50 mal 30 Zentimeter zusammenklappen

Aufblasbare Boote sind ja prinzipiell eine praktische Sache. Der Transport ist wesentlich einfacher, und auch für die Lagerung eines Boards wird sich sicherlich ein Plätzchen finden, wenn man aus dem Sportgerät einfach die Luft rauslassen kann. Nur wirklich optimal sind die bislang auf dem Markt erhältlichen Bretter laut Stefan Klare nicht, will man das Surfen sportlicher angehen und sich nicht nur mit der Familie auf ruhigen Gewässern dahintreiben lassen.

"Diesen Boards fehlt die schmale Kante und die notwendige Festigkeit, um in die Wellen reinzugehen", sagt der Gründer und Entwickler von Tripstix. Daher hätten echte Surfer bislang doch lieber auf Hardboards aus Carbon oder Glasfaser zurückgegriffen - was wiederum sehr unpraktisch ist. Klare hat nun ein System entwickelt, mit dem er ein kleines Transportmaß von 80 mal 50 mal 30 Zentimeter und größtmögliche Festigkeit vereinen will: "Die Idee war: Keine Kompromisse."

Um zu verstehen, warum Board nicht gleich Board ist und was Stefan Klare mit seinen Kollegen in dem flachen Bau gegenüber dem Sportplatz des FC Deisenhofen austüftelt, muss man einen Blick ins Innere eines solchen Wassersportgeräts werfen. In den handelsüblichen aufblasbaren Sup-Boards befindet sich ein sogenanntes Dropstitch-Gewebe, das den Abstand zwischen den Außenhäuten bestimmt und dafür sorgt, dass das Board die richtige Form erhält. Allerdings seien diese Bretter komplett flach und hätten über die gesamte Länge und Breite die gleiche Dicke. Das Tripstix-Board hingegen sei vorne, hinten und an den Rändern deutlich schmaler, was das Ding wesentlich manövrierfähiger machen soll.

Carsten Kurmis, Stehpaddler (hinten) mit zwei Kollegen an der Isar (er möchte nicht, dass der Ort genannt wird)

Ob auf der Isar oder auf Badeseen, Stand-up-Paddler gehören mittlerweile zum Sommerbild.

(Foto: Florian Peljak)

Klare hat ein Board entwickelt, das je aus einer Luft- und einer Vakuumkammer besteht. Die Luftkammer funktioniert dabei genauso wie bei jedem anderen Sup-Board, in der zweiten Kammer befindet sich ein spezielles Granulat. Diesem Teil des Bretts wird mit einer Pumpe Luft entzogen, die Vakuumierung soll die Stabilität und Steifigkeit des gesamten Boards erhöhen. "Das funktioniert ähnlich wie bei einer Packung Kaffee", sagt Klare, "es ist der gleiche physikalische Effekt".

Board-Erfinder Klare hat in Robotik promoviert

Ein weiteren Vorteil seiner Boards im Vergleich zu den bisher üblichen sei die Sicherheit, sagt der Firmengründer. Sollte der einen Kammer mal die Luft ausgehen, so reiche die Vakuumkammer mit dem Granulat noch immer aus, um nicht unterzugehen, sagt er. "Man kann es sogar zusammengefaltet ins Wasser schmeißen und sich daran festhalten", verspricht Klare, der an der TU München Elektrotechnik studiert und in Robotik promoviert hat.

Den ersten Prototypen seines Tripstix-Surfboards hat er noch der WG-Küche zusammengeklebt. Sechs Jahre ist das her, sagt der heute 35-Jährige, der 2004 in Australien mit dem Surfen begann und seither häufig am Eisbach anzutreffen ist, wo er auch sein erstes selbst entwickeltes Board testete. Dass er nun versucht im Sup-Bereich mit seiner Idee Fuß zu fassen, liegt allein daran, dass die Nachfrage nach den Stand-up-Paddles derzeit so hoch ist. Gestartet ist Klare mit seinen Partnern mit Hilfe des "Exist-Stipendiums" und des "Flügge-Stipendiums". 2016 gewann Tripstix dann den Brandnew Award Hardware Summer auf der Sportmesse Ispo, in diesem Jahr wurde das junge Unternehmen in den USA beim Erfinderwettbewerb Edison Award Outdoor Sports mit der Silbermedaille ausgezeichnet.

Die ersten 150 Bretter finanzierte Tripstix über eine Kickstarter-Kampagne

Nun steht Tripstix kurz davor, auf den Markt zu gehen. Viel Tüftelei und jede Menge Tests waren dem vorausgegangen, um die optimalen Komponenten und das bestmögliche Material so zusammenzubauen, dass man damit in Serien gehen kann. Mit einer Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter, einer Finanzierungsplattform für innovative Projekte, hat Tripstix das notwendige Geld zusammenbekommen, um beim Produzenten in Südkorea die ersten 150 Boards in Auftrag zu geben, "Allrounder", wie Klare sagt. Bis nächstes Jahr hofft Klare so weit zu sein, dass man die Bretter auch online bei Tripstix bestellen kann.