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Erdwärme Grünwald:Endlich sprudeln die Einnahmen

Die Investitionen in die Geothermie tragen Früchte

Das heiße Tiefenwasser fließt, die Einnahmen sprudeln - der Geschäftsführer der Erdwärme Grünwald GmbH (EWG) und der Geothermie Unterhaching Produktions GmbH & Co. KG (GUHP), Andreas Lederle, sieht beide Gesellschaften auf Kurs. Im Geothermieausschuss am Mittwoch im Grünwalder Rathaus stellte Lederle die Jahresergebnisse für 2018 vor, die in seinen Augen hervorragend sind. "Wir ernten jetzt die Früchte unserer langfristigen Unternehmenspolitik", sagte der Geschäftsführer. Mit einem operativen Ergebnis vor Abschreibung in Höhe von 5,2 Millionen Euro liege die EWG deutlich über den Erwartungen. Die aktuelle EWG-Rendite betrage 3,1 Prozent, zusammen mit der GUHP sogar 3,6 Prozent, was in Zeiten der Null-Zins-Politik ein gutes Ergebnis sei. Lederle erntete für seinen Bericht auf breiter Front Lob. "Das erste Mal seit acht Jahren habe ich erlebt, dass die Ausschussmitglieder am Ende auf den Tisch geklopft haben", sagte der Geschäftsführer am Donnerstag zur SZ.

Gerade die Unterhachinger Zahlen für 2018 gefallen den Erdwärmebetreibern, zumal sie schwarz geschrieben werden und nicht tiefrot wie für 2017. Damals hatten viele Reparaturen und hohe Abschreibungen bei der Geothermie Unterhaching Produktions GmbH zu einem Verlust von 8,1 Millionen Euro und zu lautem Aufschreien und teils heftigen Auseinandersetzungen im Gemeinderat geführt. Oliver Schmidt (Parteifreie Bürger, PBG) etwa warf Bürgermeister Jan Neusiedl (CSU) und EWG-Geschäftsführer Andreas Lederle vor, mit der Beteiligung der EWG mit fast 95 Prozent an der GUHP die Gemeinde in ein finanzielles Fiasko hineingeritten zu haben. "Diese Beteiligung ist inzwischen auch wirtschaftlich attraktiv", sagte Lederle am Mittwoch im Geothermie-Ausschuss. So etwa habe das operative Ergebnis vor Abschreibungen der GUHP knapp zwei Millionen Euro betragen, nach Abschreibungen immerhin noch 508 000 Euro. Es sei eine entspanntere Bilanz als in den Jahren davor, sagte Michael Ritz (FDP), erinnerte aber an eine weitere Kapitaleinlage in Höhe von sechs Millionen, die unter anderem zu diesem Ergebnis geführt habe.

Die Finanzkraft der Gemeinde Grünwald und der EWG ermögliche eine erhebliche Effizienzsteigerung der Unterhachinger Anlagen, sagte Lederle. "So übertragen wir jetzt unter Federführung der EWG unseren hohen Qualitätsanspruch auf die GUHP." Beispielsweise werde die GUHP seit Herbst 2018 über die EWG-Leittechnik gesteuert, und zudem habe man umfassende Umbaumaßnahmen im Geothermie-Heizwerk in Unterhaching begonnen, um die Qualität der technischen Anlagen signifikant auf das EWG-Niveau zu erhöhen, erklärte Lederle. Die Kalina-Stromerzeugungsanlage in Unterhaching sei inzwischen stillgelegt worden, der EWG entstünden daraus zukünftig keine weiteren finanziellen Belastungen mehr.

170 Millionen Euro hat die EWG seit zehn Jahren in die Nutzung der Tiefengeothermiequelle in Laufzorn investiert, wobei alleine in den Ausbau des Fernwärmenetzes 100 Millionen Euro flossen. 29,6 Millionen Euro hat die hundertprozentige Tochter der Gemeinde Grünwald für ihre Anteile an der Unterhachinger Geothermie bezahlt, zusammengerechnet hat die Gemeinde also fast 200 Millionen Euro dafür hingelegt, um saubere und sichere Energie zu fördern und damit Haushalte und Gewerbe im Ort zu versorgen. Um eine hohe Anschlussquote zu erreichen, hat die EWG aber auch an der Preisschraube gedreht. Laut Lederle zahlen Fernwärmekunden in Deutschland im Durchschnitt 80 Euro pro Megawattstunde, in Grünwald nur 58 Euro.