Bayerisches Restaurant Schlachthofviertel "Ennstaler Stubn" Wie bei Großmutter

Traditionell und gemütlich: Wie im heimischen Esszimmer kann man in der Ennstaler Stubn speisen. Es gibt Hausmannsküche mit steirischem Einschlag und selbstgebrannten Marillenschnaps.

Von Von K.-H. Peffekoven

Wir haben an dieser Stelle gelegentlich das Verschwinden guter alter Einkehren und ehrlicher Wirtshäuser beklagt und damit den Trend der Zeit, das Traditionelle durch den schönen Schein zu ersetzen. Wo früher, so wurde an lamentablen Fallbeispielen dargestellt, die Biergläser kreisten, gibt es nun Weißwein in kaum erkennbaren Kleinstmengen ab 5,90 Euro aufwärts, dafür sind die Wände in psychedelischen Farben gestrichen. Dieser Tage aber erging es Peffekoven wie dem finnischen Lyriker und Kneipen-Experten M. A. Numminen, der ein wenig geschätztes In-Lokal seiner Nachbarschaft jählings durch eine ansprechende Bierhalle ersetzt fand und zufrieden feststellte: "Es geht also auch anders herum."

In der Ennstaler Stubn werden Arbeiter vom Großmarkt mit dem Vornamen begrüßt und die Nachbarn treffen sich zum Schafkopf-Spielen.

(Foto: sz.lokales)

Ja, es geht auch anders herum. Ein schöner Beweis ist die Ennstaler Stubn in der Adlzreiterstraße, also grob gesprochen gelegen zwischen dem Münchner Schlachthof und der Hühnerbraterei Lindwurmstüberl und somit nicht in einem Quartier, das kulinarisch auffällig wäre. Glücklose Pächter hatten mit dem Lokal dies versucht und jenes, bis vor wenigen Jahren Christine Schrempf kam, ehedem Wirtin der seinerzeit berühmten Friedenseiche in der Thalkirchner Straße. Seitdem kocht sie hier Hausmannsküche mit stark steirischem Einschlag.

Die gemütliche und nicht zu kleine Stube mit den Holzbänken und dem filmreifen Tresen wirkt, als seien Wirtin und Gäste seit Jahrzehnten hier: Arbeiter von Großmarkt und Schlachthof werden mit Vornamen begrüßt, Nachbarn spielen Schafkopf, und die Kinder einer Familie werden von der überaus herzlichen Serviererin mit kleinen hölzernen Geschicklichkeitsspielen versorgt und somit über die Zeit gebracht, die man in Kauf nehmen muss. Hier wird alles frisch zubereitet und gekocht, das dauert ein paar Minuten länger.

Dafür ist die Freude um so größer. Um Missverständnissen vorzubeugen: Die Ennstaler Stubn ist ein einfaches Lokal, etwa das, was man in Österreich im guten Sinne als Beisl bezeichnet, als Wirtshaus mit grundanständigem Essen. Um mit dem Guten zu beginnen, waren die hausgemachten Suppen phänomenal. Es gab, je nach Tageskarte, eine richtige Hühnersuppe mit Nudeln wie bei Großmutter, eine würzige Maultaschensuppe mit pikanter Fleischfüllung, oder eine köstlich-derbe Frittatensuppe: geschnittener Palatschinken in Fleischsuppe mit Schnittlauch. Sie alle waren frisch und selbstredend ohne Geschmacksverstärker zubereitet.

Auch die Hauptspeisen kamen geradeheraus daher. Das Szegediner Gulasch machte seinem Namen alle Ehre. Sauerkraut, Zwiebeln und Fleisch waren wunderbar durchgegart, die feine Schärfe war Mit Gewürz wurde nicht gespart, aber auch nicht übereifrig verfahren, das Resultat war eine feine Schärfe, aufgefangen von traditionellem Sauerrahm aufgefangen. Dazu wurden passenderweise Kartoffeln gereicht, nicht zu fest und nicht zu weich. Eine schöne Sache war der sehr feine Rahm-Hackbraten mit Petersilienkartoffeln und frischem Wirsinggemüse. Hendl gab es natürlich auch, mit krosser und knuspriger Haut.

Sehr fein und mild lag die Spanferkelleber in Butter und Püree. Zu den Klassikern gehören, ein Liebling der Stammkundschaft, das Wiener Schnitzel XXL, das trotz seines wenig vertrauenerweckenden Namens schön mürb auf den Teller kam, die Panade ließ sich locker abheben, wie es sich gehört. Dazu passte ein mit Brühe hausgemachter, schön feuchter Kartoffelsalat. Optimierungspotenzial, wie man neudeutsch sagt, gab es nur bei den Salaten, die hier eher eine Nebensache sind, trotz des guten dunkelgrünen steirischen Kürbiskernöls. Der mit diesem bereitete Salat mit Hendlbrustfilet erwies sich als sehr viel Huhn an etwas Salat.

Das Weinangebot ist winzig, offeriert wird Zechwein wie der unvermeidliche Grüne Veltliner, ordentlich trinkbar, nicht mehr, nicht weniger. Eine steirische Besonderheit ist der herb-trockene, rosig schimmernde Schilcher. In Graz sagt man, zu viel Schilcher könne den Zecher "bös machen". Aber bös war in der Ennstaler Stubn nie jemand, am wenigsten das sehr freundliche Personal. Gut sind auch die Schnäpse, vor allem der selbstgebrannte Marillenschnaps vom Ennstaler Bergbauernhof ist herrlich weich und aromatisch, mit vollem Aprikosengeschmack. Ach, einen nehmen wir noch. Man sitzt hier wie in einem gemütlichen Esszimmer und mag gar nicht mehr weg. Noch ein Pluspunkt: Bei Sonne kann man vor dem Haus sitzen. Fußball gucken kann man übrigens auch!

Die Preise: sehr günstiges Preis-Leistungsverhältnis. Hauptgerichte 4,80 bis 10 Euro, selten mehr; Suppen ab 1,80 Euro.