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Engagierte Garchingerin:Zurück aus Lesbos

Martina Hanuschik engagiert sich für Flüchtlinge.

(Foto: Robert Haas)

Martina Hanuschik schildert ihre Eindrücke aus dem Flüchtlingslager

Von Gudrun PAssarge, Garching

Als Martina Hanuschik vor kurzem Lesbos besuchte, gab es Grund zu feiern. In dem Dorf, in dem ihr Vater lebt, war die griechische Staatspräsidentin Katerina Sakellaropoulou zu Gast. Es gebe ein ganz bekanntes Bild von 2015, das drei alte Frauen zeige, die ein Baby im Arm halten und füttern, erzählt Hanuschik. Zwei der Frauen leben noch in dem Fischerdorf, sie wurden jetzt wegen ihrer Verdienste für die Flüchtlinge von Sakellaropoulou geehrt. Soweit die positive Geschichte. Denn die Staatspräsidentin wollte danach ein von den Niederlanden gesponsertes Medical Center einweihen, doch die Zeremonie musste unterbrochen werden, weil "Rechtsextremisten" die Veranstaltung störten. Laut Hanuschik war es das erste Mal, dass die Polizei durchgriff. "Sie hatten vorher immer freie Handlungsfähigkeit."

Hanuschik reiste nach Garching zurück, bevor das Feuer das Lager Moria verschlang. Ob nun Leute gezündelt hatten, die die Flüchtlinge vertreiben wollen, oder aber die Flüchtlinge selbst - das weiß die Garchingerin nicht. Sie findet, es sei auch egal. Wichtig sei vielmehr, dass die Welt jetzt hinschaue. Hanuschik kennt das Lager von Anfang an und organisiert seit Jahren schon Hilfslieferungen für die Flüchtlinge, die über das Künstlerehepaar Kempson verteilt werden. Jedes Jahr aufs Neue gab sie ihrem Erschrecken Ausdruck, wenn sie vom Lager erzählte. Es wurde immer voller, mehr als 12 000 Menschen waren es zuletzt. "Einfach katastrophal", nennt sie die Zustände dort und hadert damit, kein Wort zu finden, das eine Steigerung ausdrücken würde, weil es immer noch schlechter wurde.

Jetzt habe sie die Hoffnung, dass sich etwas verändert. "Aber es macht mich traurig und wütend, wie jetzt gefeilscht wird, wer wie viele Flüchtlinge übernehmen könnte." Momentan lebten viele von ihnen buchstäblich auf der Straße oder sie schliefen in den Olivenhainen. Andere kampierten in der Nähe des kleinen Lagers Kara Tepe, einer städtischen Einrichtung, in der circa 1200 Menschen leben, hauptsächlich Familien. Hanuschik lobt dieses Lager, es sei sehr gut geführt, habe Struktur, die Kinder gingen zur Schule. Aber auch dort habe es mehrere Male schon in der Nähe gebrannt. "Die Menschen dort haben große Angst."

Die Zustände momentan sind laut Augenzeugenberichten sehr chaotisch. Die Kempsons versuchen, den Flüchtlingen Hilfsmittel zu bringen, doch teilweise werden sie zurückgewiesen von der Polizei. Da diese aber nicht überall sein kann, gelingt es manchmal, Essen und Trinken zu verteilen oder auch Hygieneartikel. "Das läuft aber sehr chaotisch ab", schildert Hanuschik. "Die Menschen drängeln und versuchen, etwas zu ergattern. Unterstützung gibt es von offizieller Seite auch hier nicht." Hanuschik plant auch in diesem Jahr noch eine Hilfslieferung. Sie will allerdings erst sichergehen, dass die Verteilung auch gewährleistet ist, und sie will genau wissen, was gebraucht wird. Auf jeden Fall benötigt sie für ihre Sammlung einen großen Raum in Garching. Angebote wie immer an die Nachbarschaftshilfe Garching.

© SZ vom 19.09.2020

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