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Energiewende:Wärme aus Holz

Das Rathaus und das angrenzende Pfarrheim erhalten bereits eine klimafreundliche Heizung. Nun sollen weitere gemeindliche Gebäude folgen.

(Foto: Claus Schunk)

Hohenbrunn will weitere gemeindeeigene Gebäude klimafreundlich heizen. Dabei setzt die Mehrheit nicht auf einen Geothermieanschluss, sondern auf ein eigenes Biomassekraftwerk

Von Stefan Galler, Hohenbrunn

Hohenbrunn setzt das nächste Zeichen für den Klimaschutz: Da etwa die Hälfte des Energieverbrauchs in der Kommune fürs Heizen aufgewendet wird, soll nun für weitere gemeindeeigene Liegenschaften eine klimafreundlichere Versorgung realisiert werden. Bislang werden bereits die Grundschule Riemerling, die Carl-Steinmeier-Mittelschule, das neue Schwimmbad, der Bauhof und die Kaiserstiftung mit Fern- oder Nahwärme geheizt. Zudem werden derzeit Rathaus und Pfarrheim sowie das neue Wohngebiet "Am Hölzl" angeschlossen.

Wie der Umweltausschuss des Gemeinderats beschloss, sollen nun auch die Liegenschaften im Bereich um die Dorfstraße, die Grundschule Hohenbrunn, das Lehrerwohnhaus, die Kindertagesstätte "Kinderwelt" und die Freiwillige Feuerwehr eine neue Wärmeversorgung bekommen. Inwiefern auch Privathaushalte an der Straße "Am Schulgarten" die Möglichkeit bekommen, sich ans Netz anzuschließen, muss ebenso wie weitere Details erst noch geprüft werden.

Bei der Versorgung wird man laut Mehrheitsbeschluss auf ein Konzept mit Nahwärme setzen. So könnte auf dem Areal der Grundschule an der Siegertsbrunner Straße eine Heizzentrale entstehen, von der aus die öffentlichen Einrichtungen mit Energie gespeist werden. Die Wärme wiederum würde von einem Biomassekraftwerk kommen, das - dafür sprach sich eine Mehrheit der Ausschussmitglieder aus - von einem externen Partner betrieben werden soll. Eine solche Contracting-Lösung sei die wirtschaftlichste, weil man sich neben den Anschlusskosten ans Fernwärmenetz der Stadtwerke München (SWM) in Höhe von 210 000 bis 370 000 Euro rund eine halbe Million an Baukosten spare, legte Philipp Rinne von der Energieagentur Ebersberg-München bei seinem Vortrag dar.

Benno Maier (CSU) hatte vorgeschlagen, dass die Gemeinde selbst als Eigentümer der Anlage auftreten solle und zum Beispiel ein Hackschnitzelwerk am Bauhof "ohne großen Aufwand betreiben" könnte, schließlich habe man je genug Holz. Dagegen sprach sich Bürgermeister Stefan Straßmair (CSU) klar für eine externe Lösung aus, um einen reibungslosen Service zu bekommen. Schließlich müsse man immer gewährleisten, dass die Schule beheizt werde. "Und wenn dann bei einem Anwohner an Weihnachten die Heizung ausfällt, klingelt bei mir das Telefon", so Straßmair.

Die Grünen zeigten sich mit der "Nahwärme-Lösung" nicht zufrieden. "Ich plädiere langfristig für eine Wärmeversorgung durch Geothermie", sagte etwa Wolfgang Schmidhuber. Und sein Fraktionskollege Rolf Kersten ärgerte sich, dass man sich wegen der höheren Kosten gegen den Fernwärmeanschluss entschieden habe, obwohl dies die deutlich ökologischere Variante sei. Philipp Rinne von der Energieagentur musste ihm zumindest dahingehend zustimmen, als der Transport der Holz-Hackschnitzel eine höhere Belastung bringe als ein einfacher Anschluss ans Fernwärmenetz. Die Bedenken Schmidhubers, dass womöglich gar nicht genug Holz zur Verfügung stehen würde, um so ein Biomassekraftwerk zu speisen, konnte Rinne dagegen zerstreuen: "Wir haben für die nächsten 15 bis 20 Jahre sehr viel Holz. Und den Vorteil, dass wir im Gegensatz zu den meisten Privathaushalten keine Pellets verheizen müssen." Dadurch falle ein beträchtlicher Teil der Betriebskosten weg.

Sollte der Gemeinderat zustimmen, wird die Verwaltung nun eine Contracting-Lösung für ein Nahwärmenetz untersuchen. Für eine mögliche Erweiterung des Netzes soll eine Interessensabfrage bei den Anliegern erfolgen.

© SZ vom 10.02.2021
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