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Energiewende:Geothermie-Kritiker sind verstummt

Grüne und FDP haben sich mit Expansionskurs der Erdwärme Grünwald abgefunden

Von Claudia Wessel, Grünwald

Das Thema Geothermie ist offenbar in Grünwald kein Aufreger mehr. Bei der Präsentation der Wirtschaftspläne für die Erdwärme Grünwald und die Geothermie Unterhaching durch Geschäftsführer Andreas Lederle im Gemeinderat gab es nicht einen einzigen Kommentar und keine kritische Nachfrage so wie einst. "Die Diskussion war ja schon im Geothermie-Ausschuss", erklärt Ingrid Reinhart von den Grünen, die früher zu den intensiven Fragestellerinnen gehörte. Dort seien aber alle Fragen zu ihrer Zufriedenheit beantwortet worden. Das waren aber nur Kleinigkeiten, versichert sie, "nichts Grundsätzliches".

Früher war das Grundsätzliche, dass die Unterhachinger Geothermiegesellschaft von Grünwald überhaupt gekauft worden war - zu teuer, nach Meinung der Kritiker und zu schnell, um die Meinung der Gemeinderäte einzuholen. Eine Diskussion hatte damals kaum stattfinden können. Das jedenfalls fand Ingrid Reinhart seinerzeit. Über 22 Millionen Euro hatte das Projekt gekostet, mehr als sechs Millionen Euro musste man noch mal hineinstecken, unter anderem, um das defekte Kalina-Kraftwerk abzubauen, wie Michael Ritz (FDP), ebenfalls seinerzeit ein großer Kritiker, in Erinnerung bringt. Inzwischen bemängelt er nur noch, dass es zwei Personalien zu viel gibt, nämlich einen zweiten Geschäftsführer und einen Prokuristen, die beide Angestellte der Gemeinde sind.

Insgesamt aber ist es wohl so, wie Ingrid Reinhart sagt: "Es hat sich schon gedreht, wegen des Klimawandels. Es wird ja auch Gewinn gemacht, inzwischen auch in Unterhaching", sagt sie. "Ich hatte daher keine bösen Fragen mehr." Sehr erholsam für Lederle und Bürgermeister Jan Neusiedl (CSU), die damit eine ruhige letzte Sitzung vor der Sommerpause hatten.

Geschäftsführer Andreas Lederle hatte auch nur Erfolgsmeldungen vorzutragen: Die Investition in die Geothermie sei eine vorausschauende Entscheidung der Gemeinde für eine eigenständige, CO₂-neutrale Wärmeversorgung gewesen, seit 2011 habe die Erdwärme Grünwald 133 933 Tonnen CO₂ eingespart. Sie hat derzeit 1300 Kunden. Die finanzielle Situation sei stabil. Im laufenden Jahr habe man bereits 72 neue Hausanschlüsse in Grünwald gewonnen, das Ziel pro Jahr seien 80. Auch bei der Geothermie Unterhaching sei die Ergebnisentwicklung sehr erfreulich. "Hier beginnen bereits die auslaufenden Abschreibungen zu besserem Jahresergebnis zu führen", sagte Lederle.

Insgesamt aber gibt es natürlich noch hohe Abschreibungen. "Unsere Gebäude werden über 50 Jahre abgeschrieben, die Netze über Jahrzehnte", so Lederle. "Wir alle hier werden wohl das Ende nicht mehr erleben", sagte er. Spätere Generationen aber haben dann klimafreundliche Energie.

© SZ vom 23.07.2020

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