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Energieversorgung in Sauerlach:Biomasse statt Geothermie

Sauerlach, Geothermieanlage

Die Tiefengeothermie ist eine Technik mit Risiken. Die Anlage der Stadtwerke München in Sauerlach kämpft mit ähnlichen Problemen wie andere Anlagen im Landkreis. Zum Jahreswechsel fiel eine Pumpe aus.

(Foto: Angelika Bardehle)

Weil die Pumpe der Stadtwerke München immer wieder ausfällt, müssen die Sauerlacher oftmals mit Fernwärme aus dem gemeindeeigenen Heizwerk auskommen. Der Ausbau des Netzes stockt.

Von Michael Morosow, Sauerlach

Die im Geothermie-Kraftwerk der Stadtwerke München (SWM) in Sauerlach erzeugte Wärmemenge ist für die Gemeinde zu einer unkalkulierbaren Größe geworden. Wie Rathauschefin Barbara Bogner (UBV) in der Bürgerversammlung am Dienstag berichtete, stocke regelmäßig die Wärmelieferung aufgrund technischer Probleme mit der Tiefenpumpe und müsse weiterhin mit längeren Ausfällen gerechnet werden.

Für die gemeindeeigene Zukunfts-Energie-Sauerlach GmbH (ZES) hat dies zur Folge, dass sie in ihr 28 Kilometer langes Fernwärmenetz ausschließlich im Biomasse-Heizkraftwerk generierte Wärme einspeisen kann.

Ohne Geothermiewärme sei die ZES mit den derzeitigen Erzeugeranlagen und einer Abdeckung in Sauerlach von circa 45 Prozent mit ihrer Kapazität nahezu am Ende, sagte Bogner.

Zum Jahreswechsel gab es ein technisches Problem

Michael Solić, Pressereferent der SWM, erklärte auf Anfrage, dass es zum Jahreswechsel ein technisches Problem gegeben habe, seit Januar aber die Pumpe pausenlos laufe. Zu den Ausfällen davor nahm er nicht Stellung. Nach Darstellung der Bürgermeisterin ist aber vor allem 2015 das Problem mit der Geothermie deutlich zu Tage getreten. "Einen Monat läuft alles reibungslos, und dann, von einer Sekunde auf die andere, nicht mehr", sagte die Bürgermeisterin am Mittwoch zur SZ.

ZES-Geschäftsführer Rudolf Schilcher hatte den Stadtwerken eine Liste der Ausfallzeiten für das Jahr 2015 vorgelegt. Die Stadtwerke hätten auf technische Probleme verwiesen, die sie noch nicht in den Griff bekommen hätten. Problem sei, dass die Zusammensetzung des Thermalwassers und auch die hohe Temperatur von 140 Grad in Sauerlach anders sei als in der Umgebung. "Aber sie wollen mit allen Mitteln das Problem in den Griff bekommen. Die Stadtwerke tun was, die leiden doch selbst darunter", sagte Schilcher. Auf ein Angebot der SWM, ersatzweise die Gemeinde mit Wärme aus einem Blockheizwerk zu versorgen, habe man aber verzichtet, weil es sich um fossile Energie handele. "Das entspricht nicht unserer Ideologie", sagte Schilcher.

Das Biomasse-Kraftwerk versorgt 568 Gebäude

2015 hat die ZES, einschließlich der Wärmelieferung durch die SWM, 25 000 Megawattstunden Wärme produziert und 2900 Megawatt Strom erzeugt. Das Biomasse-Heizkraftwerk der ZES GmbH versorgt zurzeit 568 Gebäude, vom Einfamilienhaus bis zum großen Gewerbeobjekt, mit umweltfreundlicher Nahwärme. Diese Versorgung sei auch ohne Geothermie weiter gesichert, betonte die Bürgermeisterin. Jedoch müsse ZES-Geschäftsführer Schilcher nunmehr zum ersten Mal potenziellen Fernwärmeabnehmern mitteilen, dass er sie nicht mehr versorgen könne. Handlungsunfähig sei man nicht, sagte Schilcher, kleinere Sachen wie Netzverdichtungen können man noch leisten, aber für Straßenzüge oder ganze Viertel reiche es nicht mehr.

"Im Sinne unserer Umwelt, des erforderlichen Energiewandels und den ehrgeizigen, hochgesteckten Zielen bei der Energievision des Landkreises München wäre ein weiterer Ausbau der Fernwärme äußerst sinnvoll und wünschenswert", sagte Bürgermeisterin Bogner auf der Bürgerversammlung. Dafür aber müssten entweder die Energieerzeugeranlagen aufgerüstet oder ein zweites Heizkraftwerk errichtet werden, was die ZES aber nicht alleine stemmen könne und was deshalb auch für die Gemeinde als Gesellschafterin mit hohen Investitionen verbunden wäre.

Die Gemeinde hofft jetzt auf Zuschüsse

In der Gemeinde und im Gemeinderat werde nun darüber beraten, wie die zukünftige Entwicklung der ZES aussehen solle. Weil Sauerlach keine reiche Gemeinde sei, werde maßgeblich entscheidend sein, welche Fördermittel dafür zur Verfügung gestellt werden könnten.

Anders als in der Geothermie-Anlage läuft der Betrieb im Heizkraftwerk ohne große Störungen. Nach elfjähriger Laufzeit musste im Juni 2015 eine circa 2,5 Tonnen schwere Turbine ausgebaut und zur Revision geschickt. Es war seit der Inbetriebnahme das erste Mal. "Wir hatten aber nie einen Wärmeausfall", sagte Bürgermeisterin Barbara Bogner.

© SZ vom 21.04.2016

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