Energiekrise:Kosten, die sich gewaschen haben

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Energiekrise: Die Wäscherei Aschenbrenner ist hochmodern aufgestellt. Dennoch: Ohne Personal und ohne Gas steht der Betrieb still.

Die Wäscherei Aschenbrenner ist hochmodern aufgestellt. Dennoch: Ohne Personal und ohne Gas steht der Betrieb still.

(Foto: Robert Haas)

Die Wäscherei Aschenbrenner in Aschheim ist massiv abhängig von Gas und Strom und leidet daher besonders unter den stark steigenden Preisen. Ein Ausfall des Betriebs hätte Auswirkungen auf Hotels, Heime und Kliniken.

Von Bernhard Lohr, Aschheim

Eine Operation wird abgesagt, weil der Arzt nicht gut mit einem blutbespritzten Kittel an den OP-Tisch treten kann. Bis vor Kurzem war ein solcher Fall ebenso wenig vorstellbar wie das Szenario, dass beim Bäcker und Metzger die Auslage leer bleibt. Doch die Energiekrise bringt gerade viele kleine und mittelständische Unternehmen, die als grundsolide und vorbildlich galten, in Nöte. So wie die Wäscherei Aschenbrenner. Von außen ein unscheinbarer Betrieb im Gewerbegebiet Aschheim-Süd. Doch innen zeigt sich ein hochmodernes, auf Effizienz getrimmtes Unternehmen, bei dem allerdings alles an einer bezahlbaren und sicheren Versorgung mit Gas hängt. Ein Ausfall hätte Folgen bis weit in die Wirtschaft und Gesellschaft hinein: Hotels, Kindergärten, Seniorenheime und Kliniken sind auf den Betrieb an der Theodor-Fontane-Straße angewiesen.

Energiekrise: Bernhard Aschenbrenner (Mitte) zeigt, wie in seinem Betrieb gearbeitet wird. Mit dabei (von links): Bäcker-Obermeister Heinrich Traublinger jun., EU-Abgeordnete Angelika Niebler, der Präsident des bayerischen Textilreinigungsverbands Richard Sterr, Handwerkspräsident Franz Xaver Peteranderl und Metzger-Obermeister Konrad Ammon.

Bernhard Aschenbrenner (Mitte) zeigt, wie in seinem Betrieb gearbeitet wird. Mit dabei (von links): Bäcker-Obermeister Heinrich Traublinger jun., EU-Abgeordnete Angelika Niebler, der Präsident des bayerischen Textilreinigungsverbands Richard Sterr, Handwerkspräsident Franz Xaver Peteranderl und Metzger-Obermeister Konrad Ammon.

(Foto: Robert Haas)

Am Freitag bewegt sich eine 15-köpfige Gruppe in weißen Reinkitteln durch den Betrieb. Vorneweg geht die CSU-Europaabgeordnete Angelika Niebler neben Firmenchef Bernhard Aschenbrenner und lässt sich Schritt für Schritt erklären, wie OP-Kittel, Handtücher, Bettlaken und alles, was man sich sonst in einem gut sortierten Wäscheschrank vorstellen kann, durch den Betrieb läuft. Die Dreckwäsche kommt in großen Säcken an, viele Teile sind direkt mit QR-Codes versehen, damit verfolgt werden kann, was mit dem einzelnen Wäschestück passiert. Es wird sortiert, gewaschen, getrocknet, gefaltet und wieder zu den Kunden gebracht. 15 Tonnen Wäsche am Tag, der Energieaufwand entspricht dem von 1000 Haushalten. 80 Prozent des Betriebs laufen mit Gas. "Blut oder Rotwein ist für uns kein Thema", sagt Aschenbrenner. Damit werde man leicht fertig.

Der Handwerkspräsident fordert ein "Belastungsmoratorium"

Mehr als die Flecken bringen die steigenden Gaspreise den innovativen Unternehmer an seine Grenzen. Aschenbrenner hat seinen Standort erst 2019 nach neuestem Standard eröffnet. Ihm folgen bei dem Gang durch die Gänge vorbei an Wäschecontainern, Industriemaschinen und Bügelvollautomaten der Landesinnungsmeister der Bäcker, Heinrich Traublinger, der Landesinnungsmeister der Metzger, Konrad Ammon, und auch Handwerkspräsident Franz Xaver Peteranderl, der ein "Belastungsmoratorium" für die Betriebe fordert. Schließlich geht es im Gespräch immer wieder auch um Arbeitskräftemangel und Bürokratie sowie um mehr staatliche Fördermittel, die man sich für neue Technik und Digitalisierung im Betrieb wünschen würde.

Die Automatisierung in der 1956 von den Großeltern gegründeten Wäscherei ist weit fortgeschritten. 60 Beschäftige gibt es trotzdem. Die Abläufe greifen Hand in Hand, die Mitarbeiter bedienen wie am Fließband die Maschinen. Alles muss flott gehen. Bernhard Aschenbrenner schildert, was los ist, wenn einmal eine Lieferung von Wäsche verspätet an eine Klinik geht. Dann klingle sofort das Telefon, weil man zum Beispiel auf saubere Kittel warte, ohne die eine Operation nicht beginnen könne. Er warnt vor einer "Kettenreaktion", wenn sein Betrieb in akute Energienot gerät, auch mit Folgen für Hotels, Kindertagesstätten und Seniorenheime.

Gerade beim Energieverbrauch hat Aschenbrenner nahezu jede Neuerung schon ausgeschöpft. Der Betrieb arbeitet mit einem Blockheizkraftwerk und Wärmerückgewinnung, um die Restwärme des Waschwassers zu nutzen, damit dann nur noch ausgehend von 45 bis 50 Grad das Frischwasser wieder erhitzt werden muss, wie Aschenbrenner erzählt. Matthias Heidorn steht der Firma als Fachberater für Energiefragen zur Seite und berichtet an der mit Gas betriebenen Großtrockenanlage, dass dort noch ein Wärmetauscher eingebaut werde. Der Gasbedarf sei gerade dort hoch. 1,1 Kilowattstunden benötige man für einen Liter Restwasser in der gepressten Wäsche. Beim Gasverbrauch sei mehr an Einsparung nicht mehr möglich. Aber eine Photovoltaikanlage mit einem 250-Kilowatt-Peak werde noch installiert. "Die Module liegen schon hinter dem Haus."

Energiekrise: Die Arbeit läuft wie am Fließband. Die saubere Wäsche muss schnell zurück zu den Kunden.

Die Arbeit läuft wie am Fließband. Die saubere Wäsche muss schnell zurück zu den Kunden.

(Foto: Robert Haas)

Der Bund übernimmt den Dezember-Abschlag beim Gas und die Gaspreisbremse wird ebenso kommen wie die beim Strom. Doch auch unter den Verbandsvertretern der Bäcker, Metzger und bei Bernhard Aschenbrenner herrscht Verunsicherung, wie das alles ausgestaltet wird. Jeder Betrieb hat andere Verträge mit unterschiedlichen Versorgern. Manche sind schon ausgelaufen, viele enden am 31. Dezember, wodurch ohne Deckelung massive Preiserhöhungen drohen. Alleine die Wäscherei in Aschheim erwartet Heidorn zufolge Mehrkosten bei der Energie in Höhe von insgesamt 350 000 Euro, und das trotz einer relativ guten Vertragssituation mit dem Versorger. Aber die Wäscherei ist vertraglich auch an ihre Kunden wie etwa Kliniken gebunden. Firmenchef Aschenbrenner sagt, er könne seine Mehrkosten deshalb gar nicht weitergeben. Sein größter Wunsch sei "Stabilität", sprich ein "stabiler Gaspreis".

Die EU-Abgeordnete Angelika Niebler sagt, sie wolle "nichts schönreden, aber auch keine Panik machen". Es werde gerade viel an Hilfe angeschoben. Wichtig sind aus ihrer Sicht ein EU-weit koordinierter Gaseinkauf und ein neuer Mechanismus für die Strompreisgestaltung, damit nicht das teuerste Kraftwerk den Preis diktiert. Und die Abgeordnete des EU-Parlaments, dem oft vorgeworfen wird, die Bürokratie aufzublähen, fordert genau dort einen "Stopp". Jede weitere Belastung der Betriebe sei jetzt zu viel.

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