Energieeinsparung:Ottobrunn will warm-weiß leuchten

Energieeinsparung: Vor dem Ayinger Bahnhof leuchten bereits seit Jahren LED-Lichter, Ottobrunn will nun nachziehen.

Vor dem Ayinger Bahnhof leuchten bereits seit Jahren LED-Lichter, Ottobrunn will nun nachziehen.

(Foto: Claus Schunk)

Gemeinde plant, die Beleuchtung im öffentlichen Raum auf LED-Technik umzustellen

Von Martin Mühlfenzl, Ottobrunn

"Krass" entfährt es Gemeinderätin Ute Kister von den Grünen, als Dominik Böhlein die nächste Folie seiner Präsentation im Ratsaal des Ottobrunner Wolf-Ferrari-Hauses zeigt. Darauf zu sehen sind zwei Fotos einer fränkischen Kleinstadt jeweils nachts: Das obere zeigt hell erleuchtete Straßenzüge und Häuser, das untere denselben Ort in ein warm-weißes Licht getüncht. Der Kontrast ist tatsächlich krass und könnte bald auch in Ottobrunn Realität werden, denn der Gemeinderat plant, die komplette Beleuchtung im öffentlichen Raum auf die LED-Technik umzustellen.

Böhlein, Geschäftsführer der Energievision Franken, ist Experte für die Umrüstung auf die moderne Technik und hat diese etwa in den Gemeinden Poing, Neufahrn und Vaterstetten bereits erfolgreich vorangetrieben. Am Montagabend warb er im Bauausschuss des Ottobrunner Gemeinderats eindringlich für die Umstellung auf LED - und zwar "aus ökologischer und ökonomischer Sicht", wie er sagte. Er machte aber auch deutlich, dass sich das Gremium, das sich dem Thema eines entsprechenden Antrags der Fraktion der Grünen wegen annähert, ohnehin zwangsläufig in nicht allzu ferner Zukunft damit hätte befassen müssen. Denn, so der Energieexperte, die sogenannten Ausphasungen würden dazu führen, dass letztlich nur noch modernste und umweltverträgliche Technik zugelassen werde; anders ausgedrückt: Die Europäische Union verbannt immer mehr veraltete Leuchtmittel wie in diesem Jahr etwa die Kompaktleuchtmittel. Letztlich, so Böhlein, wolle die EU überhaupt keine anderen Leuchtmittel mehr auf dem Markt als jene mit LED-Technik.

Die Energievision Franken hat im Auftrag der Gemeindeverwaltung bereits einen Großteil der Ottobrunner Straßenbeleuchtung in Augenschein genommen, um in Erfahrung zu bringen, wie groß der Aufwand für eine komplette Umrüstung wäre. Laut Böhlein ist diese in ein bis eineinhalb Jahren zu realisieren; einige wenige Straßenzüge in der Gemeinde wurden bereits im Zuge von Sanierungen oder Umbauten umgerüstet. In Ottobrunn müssten laut Angaben der Energievision etwas mehr als 2300 der mehr als 2500 Leuchten im öffentlichen Raum ausgetauscht werden; der Einspareffekt wäre den Berechnungen zufolge aber enorm: von derzeit etwa 535 000 Kilowattstunden im Jahr auf nur noch etwas mehr als 160 000. Dies wäre eine Reduzierung von etwa 67 Prozent der umzurüstenden Leuchten. Verstärkt werde dieser Effekt dadurch, sagte Böhlein, dass LED-Leuchten eine deutlich längere Lebenserwartung als etwa Leuchtstoffröhren hätten, mit denen noch etwa 40 Prozent der Ottobrunner Leuchten ausgerüstet sind. Kämen die Leuchtstoffröhren nur auf eine Lebensdauer von etwa vier Jahren, liege diese bei modernen LED-Leuchten mittlerweile bei 20 Jahren, so Böhlein. Hier habe bei der Entwicklung ein "gigantischer Quantensprung" stattgefunden. Zudem könnten die LED-Leuchten in der Nacht gedimmt werden und würden anders als herkömmliche Leuchten bei individueller Einstellung Hauswände nicht direkt anstrahlen, was zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität führe.

Bürgermeister Thomas Loderer (CSU) sprach von einem doppelten Vorteil bei der Wirtschaftlichkeit, schließlich bestehe einerseits eine Förderfähigkeit sowohl durch den Bund als auch den Freistaat, wie auch eine ökonomische und ökologische Sinnhaftigkeit. Loderer warb zudem für eine Kreditfinanzierung des Projektes. "Es wäre ungewöhnlich, Eigenmittel zu verwenden", sagte Loderer auch mit Blick auf die angespannte Haushaltslage der Kommune, die sich durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie noch einmal verschlechtern könnte.

Geprüft werden soll zudem, ob eine Rekommunalisierung des Netzes und der Masten in Betracht gezogen werden kann; derzeit befindet sich die Ottobrunner Straßenbeleuchtung im Besitz der Bayernwerke. Experte Böhlein wollte dem nicht vorgreifen und sagte nur, dies sei eine politische Entscheidung. Loderer indes sprach sich klar dagegen aus; ein Übergang des Netzes in den Besitz der Gemeinde habe schon beim Stromnetz keinen Sinn ergeben, so der Rathauschef. "Ich muss nicht der Netzbetreiber sein. Ich sehe darin auch keinerlei Vorteil und wir müssten in der Verwaltung personell noch einmal aufrüsten", so Loderer.

Gut möglich indes, dass Ottobrunn künftig nicht nur warm-weiß erstrahlt, sondern die Leuchtmasten auch anderweitig genutzt werden: als intelligente Straßenlaternen, die als Informationspunkte, 5 G-Hotspots oder Ladesäulen für Elektrofahrzeuge genutzt werden können. Letzteres, schätzte Böhlein, käme theoretisch bei etwa zehn Prozent der Ottobrunner Masten infrage, sei aber technisch nicht immer einfach umzusetzen, weil oft die notwendigen Leitungen fehlten.

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