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Ende des Ramadan:Vorfreude aufs Zuckerfest

Zehra Sert ist das Fasten im Ramadan wichtig.

(Foto: Catherina Hess)

Der Ramadan ist zu Ende. Von diesem Montag an genießen Muslime wie die Ottobrunner Studentin Zehra Sert das Essen ganz besonders.

"In vielen Hinsichten bin ich überhaupt nicht muslimisch", sagt Zehra Sert, "ich bete nicht fünfmal am Tag oder so, obwohl es sogar einen Gebetsraum in meiner Uni gibt." Trotzdem ist der 25-jährigen Studentin aus Ottobrunn der Ramadan sehr wichtig, und so gut es geht, fastet sie auch. Viele der 11 500 Muslime im Landkreis München tun es ihr noch bis zu diesem Montag gleich, jeder auf seine Weise.

Sert zog mit ihrer Familie nach Ottobrunn, als sie 14 Jahre alt war. Geboren ist sie im Wedding in Berlin. Die Umstellung war nicht leicht, aus einem sehr multikulturellen Umfeld kam sie nach Ottobrunn, wo sie, wie sie selbst sagt, plötzlich die "einzige Ausländerin" in ihrer Klasse war. Auch in Bezug auf das Fasten merkte sie den Unterschied: In Berlin fasteten viele ihrer Mitschüler und die, die es nicht taten, waren zumindest an den Umstand gewöhnt. In Ottobrunn wurde sie geärgert, andere Jugendliche aßen mit Absicht vor ihrer Nase und hielten ihr Essen hin. Auch manche Lehrer reagierten verständnislos.

Manche Kommilitonen bewundern Sert, andere haben kein Verständnis

Doch das war einmal. "Jetzt passiert so etwas nicht mehr, man wird halt erwachsen", sagt Sert. Auch wenn manche Kommilitonen Serts Willen zur mehrwöchigen Askese nicht nachvollziehen können, bewundern andere sie sogar dafür, vor allem gläubige Christen. Die würden sie sogar beneiden um so ein klares Bekenntnis und Aufopferung für ihren Gott. Es sei nämlich schon anstrengend, das Fasten. Jetzt im Sommer, wenn die Tage so lang sind, müssen fastende Muslime von 4 Uhr morgens bis 21.30 Uhr abends ohne Nahrung und auch ohne Wasser auskommen. Der Durst sei das Schlimmste, meint Sert.

Doch Ausnahmen sind möglich. Die oberste Regel sei nämlich, dem Körper nicht zu schaden, erklärt die Studentin. Während der Menstruation oder wenn jemand krank sei, könne ein paar Tage pausiert werden. Man sollte dann einfach zu einem späteren Zeitpunkt "nachfasten". Man müsse nur unbedingt vermeiden, tagsüber aufzugeben, wenn man vor dem Morgengrauen die Absicht erklärt habe, im Namen Allahs zu fasten. Diese Art Schwur oder Versprechen heißt auf Türkisch "Niyet" und wer dagegen verstößt, muss 61 Tage lang "Straffasten", um das Vergehen wieder gut zu machen. "Wenn, dann richtig", sagt Sert, aber von vornherein einen Tag auszusetzen, stelle kein Problem dar.

"Jeder muss selbst beurteilen, ob er fasten kann oder nicht"

Ob an einem Tag gefastet wird oder nicht, ist im Islam eine individuelle Entscheidung. Der Vorsitzende des Deutsch-Islamischen Kulturkreises Ottobrunn, Husein Durmic, findet es wichtig, die Wege der einzelnen Menschen zu respektieren. "Wir betreiben kein Fingerpointing. Jeder muss selbst beurteilen, ob er fasten kann oder nicht." Die Mitglieder des Vereins trafen sich vergangenes Wochenende zum gemeinsamen Fastenbrechen. Dabei kamen Menschen mit syrischem, ägyptischem, bosnischem und türkischem Hintergrund zusammen und trotz der kulturellen Unterschiede im Ablauf der Gebete sei ein bestimmter Teil bei allen identisch, so Durmic. So könne das Ritual gemeinsam begangen werden.

Traditionell wird das Abendmahl nach Sonnenuntergang mit einer Dattel und Wasser begonnen. Weil aber viele nach einer Dattel schon satt wären, würden sie nur abbeißen und sich dann erst mal den anderen Speisen zuwenden, erzählt Zehra Sert. Jetzt in der Prüfungszeit bleibe sie auch oft einfach bis zum Sonnenaufgang wach, erzählt die Studentin, um zu lernen und zu essen und dann bis 11 Uhr zu schlafen. Berufstätige könnten natürlich nicht so verfahren.

"Bald hast du es geschafft"

Menschen, die nicht einmal im Jahr einen Monat lang aufs Essen verzichten, könnte der Ramadan als eine ganz schöne Tortur erscheinen. So reagierten auch Durmics Kollegen, sie munterten ihn auf: "Bald hast du es geschafft!". Durmic selbst empfindet das Fasten jedoch überhaupt nicht als Qual, sondern als "Glückseligkeit". Auch Sert erzählt, dass sich die meisten Muslime, die den Ramadan praktizieren, sich auch darauf freuten. Das Fasten lasse einen wieder bewusster essen. "Man kann sich danach in Menschen hineinversetzen, die nichts zu essen haben, sich nicht an jedem Fast-Food-Stand etwas kaufen können, wenn sie Lust haben", sagt die Studentin. Es sei auch Tradition, dass in Moscheen während des Ramadan einen Monat lang kostenlos Essen an Arme abgegeben werde.

Der Ramadan ist also für Muslime nicht nur eine Zeit des Verzichts, sondern vor allem auch der Geselligkeit und der Hilfe für andere Menschen. Es wird sich viel besucht, gemeinsam das Fasten gebrochen und jetzt am Ende des Ramadan, beim Zuckerfest, kommen alle Freunde und die Familie in großem Stil zusammen. "Wir essen dann immer ganz viel Süßes und trinken Chai", erzählt Sert. Das Verbot, nicht zu essen, sei dann zwar noch im Kopf, doch genau das helfe einem, was man habe, wieder mehr zu schätzen.