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Elektromobilität:Ladesäulen für die Autos der Zukunft

Bisher gibt es nur vereinzelt Lademöglichkeiten für Elektroautos. Im Bild eine Stromtankstelle in Taufkirchen.

(Foto: Claus Schunk)

Noch gibt es nur 400 E-Autos im Landkreis. Doch wenn sich diese Technik durchsetzt, reicht die bestehende Infrastruktur bald nicht mehr aus. Ein Konzept soll dem vorbeugen.

Alle reden von der Verkehrswende. Das gilt gerade für den Landkreis München, wo sich an der TU in Garching und an der Bundeswehruniversität in Neubiberg viele mit dem Thema beschäftigen. Innovative Unternehmen suchen nach Lösungen, um das Fahren ohne Verbrennungsmotor möglich zu machen. Doch gerade einmal 400 Elektroautos sind im Landkreis zugelassen. Dazu kommen 1300 Hybridfahrzeuge. Und wer sein Elektroauto laden will, kann in den Städten und Gemeinden im Landkreis böse Überraschungen erleben. Nun lässt der Landkreis München ein Konzept erstellen, das Grundlage für den Aufbau eines Netzes von Ladestationen bilden soll.

Derzeit sind die Lücken in der Versorgung in etwa so groß wie das Durcheinander bei den Betreibermodellen. Vor Rathäusern im Landkreis gibt es die im Volksmund als Bürgermeister-Ladesäulen bezeichneten Stationen der Bayernwerk AG. Aldi-Süd bietet in manchen Orten Ladestationen an. Eine Karte weist vereinzelte Standorte von BMW, Innogy und der TU in Garching aus. Nachdem in der Vergangenheit vieles dem Zufall überlassen wurde, ist nun koordiniertes Vorgehen angesagt.

Die Untersuchung durch das Büro Gevas Humberg & Partner soll zeigen, wie viele Ladestationen an welchen Orten in den Kommunen sinnvoll sind. In Frage kommen vor allem Bahnhöfe und Verkehrsknotenpunkte, wobei sich schnell Fragen nach passenden Grundstücken stellen werden. Die Studie soll Aussagen über geeignete Ladetechniken sowie über Zugangs- und Abrechnungssysteme treffen. Schließlich sollen die Gemeinden einen Leitfaden an die Hand bekommen.

Marcus Gerstenberger, Projektleiter bei Gevas Humberg, sagt, man wolle ein abgestimmtes Vorgehen in den Kommunen hinbekommen. Darüberhinaus solle aufgezeigt werden, "wie man Elektromobilität fördern kann". So will man auch das Potenzial ermitteln, das sich bietet, kommunale und privatwirtschaftliche Fahrzeugflotten zu elektrifizieren. "Wo kann man was tun, wo kann man was bewegen?", auch darum werde es gehen, sagt Gerstacker. Es gebe viele Berührungsängste gegenüber der neuen Technologie.

Die Arbeit an der Studie begleitet Klaus Bogenberger vom Lehrstuhl für Verkehrstechnik an der Bundeswehruniversität in Neubiberg. Er hat in einem Forschungsprojekt für München ein Modell entwickelt, nach dem man ein Ladestationennetz konzipieren kann. Er spricht von einem komplexen Prozess und warnt bei all den guten Ansätzen auch davor "zu überdrehen".

"Wir wissen heute noch überhaupt nicht, wie die Technik in 30 Jahren aussieht"

Klaus Bogenberger glaubt wie Landrat Christoph Göbel (CSU) daran, mit dem Aufbau einer guten Infrastruktur an Ladestationen Impulse setzen zu können, um die Elektromobilität zu fördern. Doch er empfiehlt, "auf Sicht zu fahren". Das ist einerseits beim aktuellen Stand von 400 elektrisch betriebenen Fahrzeugen im Landkreis leicht nachzuvollziehen. Doch Bogenberger meint das andererseits auch mit Blick auf die Zukunft. Die Technologie ändere sich schnell. Akkus würden leistungsfähiger und Ladevorgänge verkürzten sich. Bogenberger warnt vor Überkapazitäten. "Wir wissen heute noch überhaupt nicht, wie die Technik in 30 Jahren aussieht."

In den Kommunen muss man daher seiner Ansicht nach die Nachfrage im Blick haben und zeitnah am Ladesäulennetz stricken. Wobei etwa vollkommen offen ist, was für eine Rolle die Gemeinden spielen sollen. Wer soll die Ladesäulen aufstellen, wer soll sie betreiben? Wer soll in die Verkehrswende investieren und wer soll an dieser verdienen?

Oberhachings Bürgermeister Stefan Schelle (CSU) sieht jedenfalls viele Anzeichen, die dafür sprechen, dass die Bürgermeister-Ladesäule vor dem Rathaus bald nicht mehr reicht. Er begrüßt das Gutachten, sagt aber auch gleich, dass der Betrieb von Ladesäulen "nicht zum Kerngeschäft der Kommunen" gehört.

Schelle erhofft sich Klarheit über Betreiberkonzepte, um etwa zu verhindern, dass der Besitzer eines Elektrofahrzeugs ein ganzes Bündel an Abrechnungskarten mit sich herumtragen muss, weil er es je nach Gemeinde mit zig unterschiedlichen Betreibern zu tun hat. Sinnvoll könnte es Schelle zufolge sein, wenn in den fünf Gemeinden im Hachinger Tal alles in einer Hand liegen würde. Auch warnt er davor, alternative Antriebstechniken außer Acht zu lassen. Die Brennstoffzelle, der Wasserstoff- und auch der Gasmotor hätten eine Zukunft. Es könnte auf eine Vielfalt an Antriebsarten hinauslaufen.

Kürzlich kamen Bürgermeister und Umweltreferenten aus den Rathäusern im Landratsamt zusammen, um über den Beginn der Arbeiten an der Studie zu sprechen. Jetzt sind alle gefragt, um Standorte und anderes zu klären. Noch im Lauf des Novembers sollen in allen interessierten Kommunen Workshops stattfinden. Im Juni kommenden Jahres soll der Leitfaden vorliegen. Die Studie bezuschusst der Bund über die Förderrichtlinie "Elektromobilität vor Ort".

© SZ vom 04.10.2017/wkr

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