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Einkaufsmeile:Fußgängerzone spaltet Unterschleißheim

Gemeinde lichtet Schilderwald

Shared Space: Anderswo, etwa in Bohmte, Landkreis Osnabrück wurden alle Ampeln und Schilder abgebaut. Fußgänger, Radfahrer und Autos teilen sich den Verkehrsraum.

(Foto: dpa)

Während SPD, Grüne und ÖDP am Samstag für einen Shared Space in der Bezirksstraße werben wollen, protestieren die Geschäftsinhaber gegen Einschränkungen für den Autoverkehr.

Für die einen ist es ein Modell der Zukunft, die anderen befürchten einen "Todesstoß für Läden und Geschäfte": Die Rede ist vom sogenannten Shared Space in Innenstädten. Dabei handelt es sich um Straßenabschnitte, die alle Verkehrsteilnehmer, egal, ob Autofahrer, Radler und Fußgänger, gleichberechtigt und sicher nutzen können sollen. An diesem Samstag von 9 bis 13 Uhr wollen SPD, Grüne und ÖDP die Unterschleißheimer Bezirksstraße zu einem geteilten Raum machen, um der Bevölkerung die Vorteile solcher Zonen zu verdeutlichen. Bei den Geschäftsleuten an der betroffenen Straße ruft die Veranstaltung massiven Widerstand hervor. Sie warten ihrerseits mit einer großen Protestaktion auf, wie die Werbegemeinschaft Bezirksstraße ankündigt.

Nach den Worten von Sprecherin Petra Sonntag lehnen die Ladenbesitzer Pläne für eine solche Zone in der Geschäftsstraße unisono ab. Man habe bereits in vorangegangen Diskussionen und in vielen Gesprächen deutlich gemacht, dass diese Form der Verkehrsberuhigung für die meist inhabergeführten Geschäfte das Ende bedeuten würde, so Sonntag. "Das sind erfahrungsgemäß tote Zonen", sagt die Sprecherin und verweist auf den Erfahrungsaustausch mit Geschäftsleuten aus anderen Städten.

Am Ende würden diese Bereiche komplett autofrei, es gebe keine Stellplätze mehr. Für die Läden an der Bezirksstraße hätte das enorme Folgen, warnt die Geschäftsfrau: "Viele unserer Kunden stammen aus Oberschleißheim, Haimhausen oder Fahrenzhausen, und die kommen eben mit dem Auto." Der Handel habe in den vergangenen Jahren durch die Konkurrenz aus dem Internet enorm gelitten.

Bereits in der Vergangenheit hat sich die Werbegemeinschaft Bezirksstraße immer wieder zur Wehr gesetzt, allerdings vergeblich: So verkehrt seit Dezember 2018 ein Bus in der Straße, den die Geschäftsleute abgelehnt haben, und im Sommer hätten die Ladenbetreiber wochenlange Bauarbeiten an den Bürgersteigen ertragen müssen, wie ihre Sprecherin sagt.

Eine "gefühlte Fußgängerzone", die durch die Einrichtung eines geteilten Raums entstehen würde, "wäre der Todesstoß" für die Läden, davon ist Sonntag überzeugt. "Die Stadt weiß, dass wir das nicht wollen." Dass nun am Samstag eine groß angelegte Shared-Space-Aktion stattfinden soll, ist für die Geschäftsleute unverständlich. Noch dazu habe man davon erst sehr kurzfristig erfahren. Unkommentiert werden die Lohhofer Geschäftsleute die Veranstaltung nicht lassen. Sie wollen ihren Unwillen öffentlichwirksam kundtun.

In Garching und Freising funktionieren geteilte Zonen

SPD, Grüne und ÖDP werben unterdessen für den Shared Space am Samstag: So sei diese Aktion aus einer gut besuchten Veranstaltung im Mai hervorgegangen, bei der es um die Frage ging, wie die Bezirksstraße attraktiver und sicherer werden könnte, heißt es in der von Grünen-Fraktionschef Jürgen Radtke verbreiteten Einladung der Parteien. "Dieses Teilen des öffentlichen Raumes, so erhoffen wir Organisatoren uns, bringt einen anderen Charakter und auch neue Qualität in die beliebteste Einkaufsstraße Unterschleißheims."

Auf Schautafeln ist zu sehen, wie solche Zonen in anderen Orten umgesetzt wurden, zum Beispiel in Garching oder Freising. Gekennzeichnet sind die Bereiche in der Regel durch ein Tempolimit von 20 Stundenkilometern und einen augenfälligen Straßenbelag, meist durch Verlegung von Platten oder glatt geschliffenem Pflaster, sowie durch eine räumliche Gestaltung mit Sitzflächen, Parkzonen und Pflanzen, wie es von SPD, Grünen und ÖDP heißt. Besucher sollen sich am Samstag an Diskussionstischen informieren und ihre Meinung sagen. Ob die Geschäftsleute der Bezirksstraße Lust zum Reden haben? Es sei bekannt, dass Shared Space "nicht unser Wunsch ist", sagt Petra Sonntag.