Eine Brauerei für Oberhaching Das Bier läuft

Die Oberhachinger sind offenbar sehr angetan von der Idee, ihr eigenes Bier zu bekommen. Mehr als 300 Besucher eines Info-Abends zeichnen Anteile an der Genossenschaft. Das Geld wird benötigt, um die Brauproduktion in größerem Stil auszubauen.

Von Iris Hilberth, Oberhaching

Die Oberhachinger sind dafür bekannt, Dinge einfach selbst in die Hand zu nehmen. Gerne verweist Bürgermeister Stefan Schelle auf das Naturbad in Furth, um das die Bürger sich seit Jahren kümmern. Oder das alte Wagnerhaus, das es zu erhalten gilt. Nun also auch Bier.

In Eigenregie gebraut, zum Selbertrinken in Oberhaching. Eine Idee, die offenbar ganz nach dem Geschmack der Oberhachinger ist. Dicht drängten sich die Besucher am Freitagabend beim Gründungsfest der Brauereigenossenschaft Oberhaching im Bürgersaal beim Forstner. Gut 500 werden es schon gewesen sein, die sich das Kellerbier einschenken ließen und zugleich so überzeugt von der Vorstellung waren, bald sagen zu dürfen: "Das ist unser Bier". Die Genossenschaft war allein an diesem fröhlichen Abend von 29 auf 308 Mitglieder angewachsen.

Schlangestehen für die Gemeinschaft

Wie viele Anteil zu je 250 Euro die neuen Mitglieder gezeichnet haben, konnte der Vorstand noch nicht genau beziffern. Zu groß ist der Stapel der eingesammelten Abbuchungsbestätigungen. Geduldig hatten die Leute in einer langen Schlagen gewartet, um Mitglied der seit vergangenen November bestehenden Genossenschaft zu werden. Denn das Fest war die erste Gelegenheit, mit der Unterschrift das Dabeisein zu besiegeln. Vorstandsmitglied Florian Schärpf sprach von einem großen Erfolg, "wir sind wirklich sehr zufrieden".

Dabei sind noch nicht einmal Gewinne zu erwarten, wenn das Bier dann mal regelmäßig in die Krüge und Gläser läuft. Denn zunächst soll das Geld in den Aufbau der Brauerei fließen, später können die Dividenden in Naturalien ausbezahlt werden. Doch darum geht es laut Bürgermeister Schelle bei dieser Genossenschaft gar nicht in erster Linie. Schließlich wolle man keine Konkurrenz zu den großen Brauereien werden. "Es ist ein toller Tag für die Gemeinschaft", sagte er, die Menschen aus den unterschiedlichsten Schichten in dem Ort zeigten eine Begeisterung für die Sache. Und welcher andere Tag als der Jahrestag von 500 Jahren Reinheitsgebot sei besser geeignet, eine eigene Brauerei zu gründen, meinte Schelle.

Heimat braucht auch Bier, findet Bürgermeister Schelle

"Bier braucht Heimat", sagte er, "aber braucht die Heimat auch ein eigenes Bier?", fragte er die Gäste, um sich gleich selbst die Antwort zu geben: "Schon!", rief er in den Saal und erntete großen Applaus. "Es ist schön, zu sehen, wie eine neue Gemeinschaft entsteht", freute sich der Bürgermeister über die doch erstaunliche Resonanz auf eine Idee, die vor gut zwei Jahren recht spontan in die Welt gesetzt wurde. Damals hatte der CSU-Bürgermeister Schelle mitten im Wahlkampf für das Gemeindeblatt ein Vorwort schreiben müssen, das kurz vor dem Wahltag allerdings keine politischen Aussagen haben durfte. Und so fiel ihm die Sache mit der Brauereigenossenschaft wieder ein, die er schon ein paar Mal - noch nicht ganz ausgegoren - mit einigen Weggefährten diskutiert hatte.

Er brachte also dieses Ansinnen in den Kyberg-Nachrichten erstmals unter die Leute und erntete große Zustimmung. Inzwischen gibt es eine kleine Braueule, einen provisorischen Standort im alten Heizkraftwerk und 3000 Liter Bier in Flaschen mit eigenem Logo. Dieses echte Oberhachinger Bier kann beim Getränkemarkt Tremmel gekauft werden.

Es gab viel Lob für das Gebräu mit 5,8 Prozent

Mit unfiltriertem, trübem Kellerbier hat Braumeister Wolfgang Lex erst einmal angefangen. "Ein bisschen müssen wir noch am Schaum arbeiten", meint er selbstkritisch, bekam von den Festbesuchern aber jede Menge Lob für sein Gebräu mit 5,8 Prozent Alkohol. "Süffig", urteilten viele. Auch ein Weißbier wurde bereits ausgeschenkt, um an die Oberhachinger Tradition anzuknüpfen. 2009 hatte Weißbräu seine Produktion eingestellt. Noch ist Lex nicht vollends zufrieden mit seinem Resultat, sagt aber: "Wir nähern uns dem idealen Weißbier an."

Derzeit können die Genossen selbst nur 30 Liter in ihrer Braueule herstellen, die nächsten Ziele sind eine größere Anlage und ein fester Standort zum Brauen nebst Stüberl. Einige Vorschläge notierten die Oberhachinger schon auf einer Tafel im Foyer des Gemeindesaals: das Bahnhofsgebäude etwa, das die Gemeinde vor zwei Jahren gekauft hat, die ehemalige Post oder ein alter Bauernhof. Das Prinzip der Genossenschaft, wie Aufsichtsrat Berno Breitruck es erläuterte, scheint zu funktionieren: "Aktiv mitwirken".