Ehrung:Ein Traum in Rot-Weiß-Rot

Ehrung: Das Warten hat ein Ende: Erika Ide mit dem Goldenen Verdienstzeichen der Republik Österreich, das ihr mit mehr als einem Jahr Verspätung durch Generalkonsul Josef Saiger überreicht wurde.

Das Warten hat ein Ende: Erika Ide mit dem Goldenen Verdienstzeichen der Republik Österreich, das ihr mit mehr als einem Jahr Verspätung durch Generalkonsul Josef Saiger überreicht wurde.

(Foto: Claus Schunk)

Die Wahl-Putzbrunnerin Erika Ide wird für ihre Verdienste um Landsleute in Bayern vom österreichischen Bundespräsident Alexander Van der Bellen ausgezeichnet

Von Stefan Galler, Putzbrunn

Lange hat Erika Ide auf diese Auszeichnung warten müssen, denn die Corona-Pandemie machte auch für die Gründerin und Präsidentin des Altbayerisch-schwäbischen Vereins der Österreicher keine Ausnahme. Und so dauerte es über ein Jahr, bis die Wahl-Putzbrunnerin zuletzt in der Residenz des Generalkonsuls endlich das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich in Empfang nehmen konnte. Schon im Mai 2020 hatte sie davon erfahren, dass sie diese bedeutende Ehrung inklusive der von Bundespräsident Alexander Van der Bellen unterzeichneten Urkunde erhalten würde, nun konnte die Veranstaltung also unter Einhaltung der Corona-Regeln stattfinden.

Vielleicht lag es an einem heraufziehenden Gewitter, Erika Ide konnte es jedenfalls kaum erwarten, bis ihr der Generalkonsul für Bayern und Baden-Württemberg, Josef Saiger, das Kreuz mit dem österreichischen Bundesadler am rot-weiß-roten Bande überreichte, sie stand nämlich schon während seiner Rede aufgeregt neben dem Sprecherpult. "Ich wollte noch sagen, bitte kommen Sie nach vorn', aber Sie sind schon da", sagte Saiger am Ende seines Vortrags und sorgte damit für Heiterkeit im Publikum. Die Verleihung war eine seiner letzten Amtshandlungen in München, er wird mit sofortiger Wirkung Generalkonsul in Istanbul.

In ihrer anschließenden Dankesrede erläuterte Ide auch, wie sie vor über elf Jahren überhaupt in ihre ehrenamtliche Rolle als Vereinsgründerin rückte: Sie selbst ist seit über 30 Jahren Mitglied im Weltbund der Auslandsösterreicher. Diese Vereinigung verfolgt das Ziel, den im Ausland lebenden Österreichern Hilfestellung bei der Verbindung mit der Heimat zu bieten und sie an ihren neuen Wohnorten zu unterstützen. Mehr als 400 Klubs gehören zu diesem "Weltbund", Vertretungen gibt es etwa in Russland, Kanada, in London, Washington und New York, sogar in Asien und Australien.

Bei der Dachverbandssitzung in Berlin 2010 entstand die Idee, auch in Südbayern eine solche "Dependance" aufzubauen, immerhin leben alleine im Freistaat weit mehr als 80 000 österreichische Staatsbürger und darüber hinaus zahlreiche weitere, die ihren österreichischen Pass inzwischen gegen einen deutschen eingetauscht haben. Werner Götz, Vizepräsident des Weltbundes, der bei der Ordensverleihung die Laudatio hielt, überredete die gebürtige Grazerin damals, diesen Verein zu gründen. "Mir wurde sofort klar, welche Herausforderungen auf mich zukommen, da es in München schon einen Österreicher-Verein und andere österreichische Gruppierungen gibt", sagte Ide bei ihrer Dankesrede in der Residenz. "Ich hatte keine Mitglieder, keine Beziehungen und kein Geld. Um in dieser Region erfolgreich zu sein, musste ich alles anders machen als die anderen."

Ihr Mann Egbert unterstützte sie bei der Realisierung eines Internetauftritts (www.asvoe.de), sie selbst ging als ehemalige Florettfechterin die Aufgabe sportlich an, suchte ganz aktiv nach Österreichern, organisierte ein Gründungsfest und konnte bei einem österreichischen Wirtsehepaar in Vaterstetten monatliche Stammtische etablieren. "Durch Mundpropaganda bekam ich neue Mitglieder. Der Verein wurde im Auslandsösterreicher-Weltbund aufgenommen. So hatte ich die Möglichkeit, im Magazin Rotweißrot den Verein bekannt zu machen".

Der Erfolg stellte sich schnell ein, mittlerweile zählt der Klub viele Mitglieder und Unterstützer, die meisten aus dem Großraum München, einige auch von ein bisschen weiter weg. Und nicht alle sind Österreicher, manche schlossen sich vor allem deshalb an, weil sie das Land oder die Leute mögen. Darunter auch das Volksmusik-Duo Marianne und Michael Hartl, sie Münchnerin, er wie Erika Ide aus der Steiermark. Auch die beiden ließen es sich nicht nehmen, der Vereinspräsidentin bei der Ehrung in der Residenz des Generalkonsuls Gesellschaft zu leisten.

© SZ vom 21.07.2021
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