Ehrenamt Der Organisator fehlt

Nach dem Tod von Stefan Seizl kann der Pfarrverband Kirchheim-Heimstetten seine Kinderhilfe Weißrussland nicht fortführen

Von Anna Majid, Kirchheim

Die Kirche hat immer größere Schwierigkeiten neue Ehrenamtliche zu finden. Der Pfarrverband Kirchheim-Heimstetten musste nun die jahrelang engagierte Kinderhilfe Weißrussland auflösen. Nach dem Tod von Organisator Stefan Seizl im August 2018 habe man trotz intensiver Suche keinen Nachfolger gefunden, sagte Pfarrer Werner Kienle. Die Leitung der Kinderhilfe sei zudem ein besonders zeitintensives und aufwendiges Ehrenamt gewesen: Pro Jahr wurden drei Lastwagen mit Sachspenden nach Weißrussland gefahren. Eingeladen wurden sie von Helfern und Seizl selbst, der einige Male auf eigene Kosten mitgereist sei, sagte Kienle.

Vor zwei Jahren wurden noch viele Pakete von Kirchheim nach Weißrussland geschickt.

(Foto: Claus Schunk)

Dieser Zeitaufwand sei oft nicht mit einem Vollzeitberuf vereinbar, stellt der Geistliche fest. In der eigenen Gemeinde gebe es noch einige Engagierte, jedoch sei ein deutlicher Trend zu erkennen: Die Ehrenamtlichen seien meist ältere Leute, neue und jüngere gebe es weniger. "Diese Tendenz wird auch unser Ehrenamt und unsere Gemeindetätigkeit schrumpfen lassen", prophezeit Pfarrer Kienle. Eine weitere Hürde für ehrenamtliches Engagement sei der bürokratische Aufwand: Umsatzsteuer, Datenschutz, da schrecke so mancher zurück, sagt Kienle. Die Kinderhilfe habe früher neben zahlreichen Privatspenden beispielsweise auch medizinische Spenden der Pharmaindustrie erhalten und an Krankenhäuser in Weißrussland verteilt. Heute sei dies nicht mehr möglich: Die Firmen müssten für ihre Sachspenden Mehrwertsteuer zahlen, dadurch sei sogar das Vernichten dieser Artikel günstiger, sagt Kienle. "Steuergerechtigkeit wird zur Ungerechtigkeit für Menschen in Not", klagt der Geistliche.

Stefan Seizls Tod hinterlässt eine Lücke, die der Pfarrverband Kirchheim-Heimstetten nicht füllen kann.

(Foto: Claus Schunk)

Und dennoch: "Die Leute helfen gerne", sagt Kienle. In der eigenen Gemeinde könne man das Projekt nicht weiterführen. "Wir schaffen das logistisch nicht mehr", bedauert der Pfarrer. Nicht nur Seizl mit seinen persönlichen Kontakten nach Weißrussland fehle. Auch müsse man nun aufgrund von Zollvorschriften alle Pakete öffnen und deren Inhalt beschreiben, bevor man sie losschicke.

Eine Lösung für das Problem hat man bereits gefunden: Der Verein Ost-Europa-Hilfe nimmt von sofort an Geld- und sortenrein in Kartons gepackte Sachspenden an. Termine hierzu können mit Lisa Demm telefonisch unter 0151/501 45 659 vereinbart werden. Die Spenden werden für verschiedene Projekte eingesetzt, unter anderem in Gomel im Südosten Weißrusslands, einer Stadt die immer noch unter den Folgen der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl im Jahr 1986 leidet.