Effnerplatz:"Blick auf den Effnerplatz, bitte"

Sonntag, 3.42 Uhr

Montage des Kunstwerkes 'Mae West'

Montage des Kunstwerkes "Mae West": Ein Kran hebt das Oberteil des Kunstwerks 'Mae West' der US-amerikanischen Kuenstlerin Rita McBride ueber das Unterteil.

(Foto: dapd)

An der Rezeption des Westin-Grand-Hotels fragt ein Pärchen nach einem Zimmer. "Mit Blick auf den Effnerplatz", sagt der Mann. Koffer haben sie keine dabei. "Uns ist es einfach zu kalt da draußen." Seit 20 Uhr etwa, sagt der Hotelportier, fragen Gäste nach Zimmern mit bestem Blick auf Mae West. "Die Übernachtung", sagt er, sei heute "gar nicht so teuer". Aha? "129 Euro ohne Frühstück."

Sonntag, 3.56 Uhr

Kleine Grüppchen von Neugierigen stehen an dem Bauzaun, den Arbeiter rund um den Effnerplatz aufgestellt haben. Gerüchte machen die Runde. "Jetzt heißt es, dass sie mit der Aktion erst um sieben beginnen", sagt eine Frau. Ihr dauert das zu lange. "Wir wohnen gleich ums Eck", sagt sie. "Vielleicht schauen wir vor dem Frühstück noch mal vorbei - wenn wir Semmeln holen."

Sonntag, 4.02 Uhr

Die Arbeiter bräuchten immer wieder "Wärmepausen", sagt Projektleiter Wittmann, anders sei der Aufbau bei der Kälte nicht zu stemmen. Das verzögere den Aufbau zusätzlich zu den festgefrorenen Schrauben an der Hilfskonstruktion, die man erst erhitzen müsse.

Sonntag, 5.34 Uhr

Ein großes Tragegerippe hängt am Kran und baumelt über der Großskulptur; mit zwei kleineren Kränen befestigen Arbeiter Stahlseile an dem Tragegerüst und an Mae West selbst. "Jetzt kann es doch nicht mehr lange dauern", sagt einer der wenigen verbliebenen Zuschauer. Viele sind schon gegangen.

Sonntag, 6.04 Uhr

Projektleiter Wittmann, ein Vertreter der Polizei, der Baufirma, der Kranfirma - sie alle stehen in einem Kreis am Fuße der Skulptur. Es wird diskutiert, gestikuliert. Per Funkgerät kommt die Anweisung an die Arbeiter: Sperre aufheben, Fahrbahnen wieder freigeben - die Aktion wird abgebrochen.

Sonntag, 6.13 Uhr

Wieder wird Wittmann von Kamerateams umringt, wieder bleibt er ruhig. "Die Leute arbeiten seit Samstag um 6 Uhr - mehr als 24 Stunden." Weiterzuarbeiten ohne Pause sei nicht zu verantworten. Am Sonntagabend um 20 Uhr soll die Aktion fortgesetzt werden. Zusätzliche Kosten? "Entstehen uns nicht", antwortet Wittmann. Die Stadt habe einen Pauschalvertrag mit dem Unternehmer, der die Großskulptur errichtet. Das Risiko liegt also bei ihm.

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