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Effnerplatz:Mae West, eiskalt

Rost und Frost: Nach 24 Stunden Arbeit musste der Aufbau der Großskulptur Mae West zunächst unterbrochen werden. Ist die Vereinigung der beiden Bauteile am Sonntagabend gelungen?

Der Abbruch kam am Sonntagmorgen kurz nach sechs. Eigentlich wollte das Baureferat da die Großskulptur "Mae West" am Effnerplatz schon seit ein paar Stunden zusammengesetzt haben. Ein Großkran sollte das Oberteil auf den Sockel des Kunstwerks setzen - die 52 Meter hohe Skulptur aus Karbonrohren wäre endlich fertig gewesen. Doch dann machte der Frost den Ingenieuren zu schaffen. Das Protokoll zweier langer (und sehr kalten) Nächte:

Großskulptur: Mae West

Aufbau mit Hindernissen

Samstag, 18.33 Uhr

Erste Schaulustige finden sich am Effnerplatz ein. Kameras werden gezückt, Fotos geschossen. Bereits seit Freitag können die Autofahrer nicht mehr über den nördlichen Kreisel des Effnerplatzes fahren. Lange Staus hatten sich gebildet.

Sonntag, 1.30 Uhr

Es geht los. In einem weißen Zelt nördlich des Effnerplatzes informiert das Baureferat die Presse. Die Künstlerin Rita McBride ist da, Erfinderin von "Mae West", auch Radio- und TV-Sender. Auf einem Klapptisch steht eine Torte, heiße Getränke werden gereicht, ein Heizstrahler sorgt für etwas Wärme im Zelt. Draußen hat es zehn Grad minus.

Sonntag, 1.37 Uhr

Die Schranken vor dem Effnertunnel gehen runter, die Polizei sperrt die Röhre und den Richard-Strauss-Tunnel in südlicher Richtung; die Autos werden an der Ifflandstraße abgeleitet. In nördlicher Richtung machen die Ordnungskräfte die Röhren eine Stunde später dicht. Eigentlich waren die Sperrungen erst viel später geplant, aber: "Schaulustige queren südlich des Effnertunnels die Fahrbahn des Mittleren Rings", sagt ein Polizist. "Das ist zu gefährlich."

Sonntag, 1.52 Uhr

Die TV-Sender machen Interviews. Rita McBride, die Künstlerin, sagt, es freue sie, dass über die Skulptur diskutiert wird - "Hauptsache, es wird diskutiert". Projektleiter Johann Wittmann vom Baureferat spricht mit stoischer Ruhe immer wieder dieselben Zahlen in die Mikrophone: 72 Tonnen schwer ist Mae West; das Tragegerüst, an dem die Skulptur später hängen und herumgeschwenkt werden soll, wiegt 23 Tonnen.

Sonntag, 2.16 Uhr

Normalerweise macht die Pizzeria Il Galeone am Effnerplatz gegen 23 Uhr zu - nur heute nicht. Das Restaurant ist gut gefüllt. "Viele Stammgäste haben gefragt, ob wir heute länger aufmachen", erzählt Kellner Bahri Hajdari. 100 Plätze bietet der Gastraum. Sie sind fast alle besetzt.

Sonntag, 3.10 Uhr

An der Trambahnwendeschleife stehen zwei Notfallmanager der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG). Dem Zeitplan nach hätten sie vor zehn Minuten den Strom in der Oberleitung abschalten sollen - "aus Sicherheitsgründen", hatte Projektleiter Wittmann erklärt. Doch es tut sich nichts. "Verschoben auf vier Uhr", sagt einer der MVGler, und Wittmann erklärt am Pressezelt die Verzögerung: Einzelne Schrauben waren festgerostet und mussten erst gelöst werden.

Sonntag, 3.21 Uhr

Ein junger Mann informiert die Gäste in der Pizzeria Il Galeone: "Es tut sich was." Auf dem kleinen Platz vor dem Restaurant sammeln sich die Zuschauer. Tatsächlich hebt der Riesenkran einen Teil der Hilfskonstruktion aus dem Inneren der Skulptur. An dem Stahlgerüst hatten die Arbeiter in den vergangenen Wochen die einzelnen Karbonrohre angelehnt und zusammengefügt.

Großskulptur: Mae West

Aufbau mit Hindernissen