Beratungsangebot:Unerfüllter Kinderwunsch ist kein Tabuthema mehr

Lesezeit: 2 min

Beratungsangebot: Die Corona-Pandemie hat auch die Beratung von Donum Vitae verändert.

Die Corona-Pandemie hat auch die Beratung von Donum Vitae verändert.

(Foto: Marijan Murat/dpa)

Die Arbeit von Donum Vitae in Haar hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt. Statt um ungewollte geht es häufiger um ausbleibende Schwangerschaften.

Von Irmengard Gnau, Haar

Die Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen des Vereins Donum Vitae in Haar baut ihr Angebot aus. Seit Juni bietet die staatlich anerkannte Beratungsstelle zusätzlich zu ihrem bisherigen Angebot eine kostenfreie Elternsprechstunde sowie digitale Elternabende, in denen sich Mütter und Väter Unterstützung holen können, wenn ihr Baby oder Kleinkind etwa Schwierigkeiten beim Einschlafen oder Essen hat, auffällig oft weint oder trotzt. Neben der Hauptstelle in Haar und der bestehenden Außensprechstunde in Poing wollen die Experten 2022 zudem eine feste Außensprechstunde in Taufkirchen einrichten.

Donum Vitae werde immer noch vor allem mit der Schwangerenkonfliktberatung assoziiert, sagt der Leiter der Haarer Beratungsstelle Albert Fierlbeck. Dabei zeigen die Zahlen, dass sich der Fokus der Beratung inzwischen verschoben hat. 2021 berieten die Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen in Haar in 804 Fällen Klientinnen und Klienten. Die meisten Anfragen entfielen dabei auf die allgemeine Schwangerenberatung sowie die Begleitung von Eltern nach der Geburt eines Kindes bis zu dessen drittem Lebensjahr.

Eine spürbare Zunahme an Anfragen verzeichnet die Beratungsstelle beim Thema Kinderwunsch. Seit 2014 berät das Team von Donum Vitae Paare, die ungewollt kinderlos sind. "Das Thema ist in den vergangenen Jahren aus der Tabuzone herausgekommen", sagt Claudia Nasahl, stellvertretende Leiterin der Haarer Beratungsstelle. Ergänzend zum medizinischen Fokus bei Fachärzten oder in Kinderwunschzentren konzentrieren sich Nasahl und ihre Kolleginnen auf die psychosoziale Beratung und Begleitung, oft über längere Zeit hin. "Die Phase, bis klar ist, ob eine Schwangerschaft klappt, ist hochbelastend. Da ist die Begleitung sehr, sehr wichtig", sagt Nasahl. Die Expertin bietet sowohl Einzelberatungen wie auch die Möglichkeit zum Austausch mit anderen an.

Während der Pandemie ist eine Video-Beratung eingerichtet worden

Auch die Nutzung und Möglichkeiten von Pränataldiagnostik haben in den vergangenen Jahren zugenommen. Auch dieses Thema kann mit Fragen, Sorgen und Ängsten einhergehen - was tun, wenn beim ungeborenen Kind eine schwere Behinderung diagnostiziert wird? Auch hier bietet Donum Vitae Begleitung und Beratung an, ebenso wie in der schmerzlichen Situation, ein Kind vor oder kurz nach der Geburt zu verlieren.

Während der Corona-Pandemie hat die Beratungsstelle ihre Methoden ausgeweitet und insbesondere um Videoformate ergänzt. Diese wolle man weiterhin beibehalten, sagt Fierlbeck, um es etwa Müttern mit mehreren Kindern leichter zu machen, einen persönlichen Beratungstermin wahrzunehmen. Insgesamt stellen auch die Berater fest, wie stark die Pandemie insbesondere Familien belastet hat und immer noch belastet. "Wir beobachten Verzögerungen auf allen Ebenen durch Quarantäne und Personalmangel in den Ämtern", sagt Fierlbeck. Das sei fatal. Die Beratungsstelle will dem in ihren Möglichkeiten mit ergänzenden Angeboten entgegenwirken, auch Gruppenangebote sind beispielsweise verstärkt über digitale Kanäle geplant. So können Interessierte unabhängig von ihrem Aufenthaltsort auch an Vorträgen oder Kursen aus anderen der 20 bayerischen Hauptberatungsstellen von Donum Vitae teilnehmen.

Die Beratungsstelle von Donum Vitae befindet sich in der Bahnhofstraße 4a in Haar, Telefon 089/32 70 84 60. Alle Beratungen sind kostenlos und unabhängig von Konfession und Herkunft. Weitere Informationen und Öffnungszeiten unter https://haar.donum-vitae-bayern.de.

Zur SZ-Startseite

SZ PlusWohnen in München
:"Eine Verdopplung der Heizkosten ist das Mindeste, wovon ich ausgehe"

Der Verband Haus und Grund warnt vor Nachzahlungen in vierstelliger Höhe und befürchtet, dass viele Menschen das Problem noch nicht ernst genug nehmen. Ungewohnter Beistand kommt vom Mieterverein.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB