Die letzten Refugien für echte Jungs:Männerträume

Keine Arbeit, keine Kinder, nicht mal der Grill wird für die Familie angeschmissen: Der Vatertag ist vielen Männern heilig. Acht Refugien, wo man(n) meist unter seinesgleichen ist.

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Die letzten Refugien für echte Jungs:Große Schaufel

Bombenfund auf der Oberbaumbrücke

Quelle: dpa

Eine familiäre Umfrage ergab, dass mindestens ein Familienmitglied im Laufe seines Lebens in eine Baugrube gefallen ist. Manche Männer fühlen sich von Baustellen einfach magisch angezogen, wie der Werwolf dem Mond entgegen, schleichen sie zu Monsterbaggern und Riesenkränen. Wehmütig hoffen sie dort auf eine Verwandlung: in einen echten Mann. Einer, der im Führerhäuschen des Baggers den Hebel umlegt und stärker ist als die Natur. Einer, der Erdmassen verschiebt. Einer, der den ganzen Tag in einer Männerwelt weilt, abends nach Hause kommt, die Beine auf den Tisch legt - und dessen Frau dann nichts lieber macht, als ihm ein kühles Bier zu servieren. In Bad Tölz kann man sich diesen Traum erfüllen, jeden Samstag für 109 Euro je Stunde.

Tanja Schwarzenbach

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Die letzten Refugien für echte Jungs:Farbklekser

Underclassmen At In The Naval Academy Are Put Through 'Sea Trials'

Quelle: AFP

Jungs verkleiden sich gerne als Cowboy, als Polizist oder Ritter. Das Motto ist eigentlich egal, nie darf aber die Waffe fehlen. Als Beschützer will Mann schließlich gegen das Böse in der Welt kämpfen. Als Erwachsener tut er sich, vom Fasching mal abgesehen, da schon schwerer. Zum Glück aber gibt es Paintball, zum Beispiel bei MV Paintball in Garching bei München. Es ist das Duell Mann gegen Mann, das die Sportart ausmacht: Zwei Mannschaften stehen sich gegenüber. Für 15 Euro am Tag bekommt jeder eine Waffe mit Farbmunition. Wer getroffen wird, scheidet aus. Als Schutz gibt es ist nur einen Helm. Nicht ganz so harte Kerle können sich einen Brustpanzer ausleihen. Das Spielen in Tarnkleidung ist aber verboten.

Melanie Staudinger

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Die letzten Refugien für echte Jungs:Bunny-Quote

Hope Dworaczyk

Quelle: AP

Der Ort, an dem die fesselnden Reportagen und tiefgründigen Interviews entstehen, ist recht öde. Vor dem Bürogebäude des Playboy in der Arabellastraße liegen nicht etwa Sexshops und Villen mit Pool, sondern eine kleine Parkanlage und ein Imbiss, der sich "Zum kleinen Hunger" nennt. Im Inneren: In den meisten Büros hängen dann doch Fotos von unbekleideten Damen. "Bei mir auch", erzählt Textchef Philip Wolff. Und dann meint er noch: Er habe gerade den Prosecco kalt gestellt, gleich wird angestoßen. Denn 40 Prozent der Mitarbeiter seien Frauen. Doch kein Refugium.

Lisa Sonnabend

Im Bild: Hope Dworaczyk, Playmate of the year 2010

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Die letzten Refugien für echte Jungs:Selbstlos dienen

500 Zigarrenraucher stellen Rekord auf

Quelle: ddp

Die Selbstbeschreibung klingt gut: Rotary International ist eine weltweite Vereinigung von Männern und Frauen, die sich unter dem Motto "Selbstlos dienen" in Clubs zusammengefunden haben. Männer und Frauen? Überall? Wär ja noch schöner. In Grünwald bleiben die Herren im Rotarier Club nach wie vor hübsch unter sich, 55 an der Zahl. Man trifft sich montags in der feinen Grünwalder Einkehr. Und betreibt dann nach Vortrag und Abendessen - zeitgemäßes Networking? Ach wo, wehrt der Pressesprecher ab. Die Rotarier seien doch ein sozialer Club. Aber gerade im sozialen Bereich sind doch sonst Frauen ...? Ja, ja, die schließe man auch gar nicht grundsätzlich aus, versichert der Sprecher. Aber es habe halt in den letzten 20 Jahren noch keine einzige Dame um Aufnahme nachgesucht. Tja. Zu einigen Anlässen dürfen Ehefrauen und Lebensgefährtinnen ihre sozial engagierten Männer gern begleiten. Wer dazugehören will, braucht für den Beitritt mindestens einen Fürsprecher und einen Beruf, der noch nicht im Club vertreten ist.

Manuela Warkocz

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Die letzten Refugien für echte Jungs:Dübel, Schrauben, Nägel

Büchsenmacherei Niedermeier in München, 2011

Quelle: Alessandra Schellnegger

Männer sind Heimwerker. Sie bauen Häuser - oder wenn es eine Nummer kleiner sein soll, einen Hasenstall, einen Sandkasten oder ein Baumhaus für die Kinder. Männer können einfach mit Brettern und Nägeln umgehen. Und sie lieben es offenbar im eigenen Schweiß in der Sonne zu brüten und irgendetwas herzustellen. Doch was passiert, wenn einmal nur Baumstämme und eine Motorsäge zur Verfügung stehen? Ein richtiger Mann wird nicht aufgeben, dann baut er halt ein Blockhaus. Wer das nicht beherrscht, ist in der katholischen Landesvolkshochschule am Petersberg in Erdweg (Landkreis Dachau) genau richtig. Dort findet von Donnerstag bis Samstag der Kurs "Einführung in den Blockhausbau" statt: Stamm für Stamm soll ein kleines Haus entstehen, als Gruppenerlebnis quasi. Und damit staunende Frauen erst gar nicht stören, sind nur Männer zugelassen.

Melanie Staudinger

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Die letzten Refugien für echte Jungs:Muskelspiele

Bodybuilders From Around The World Vie For The Title Of Mr Universe

Quelle: Getty Images

Männer, überlegt es Euch! Oberschenkel, die so durchtrainiert sind, dass sich die Jeans wie eine zweite Haut über die Muskeln legt und dieser Oberkörper: Durchgeädert und gestählt bis unter den Haaransatz. Männer, wenn Ihr Euer Ego frisch polieren wollt, bitte sehr. Geht in das älteste Hardcore-Gym-Studio Münchens zu Ercan Demir. Vor kurzem hat er bei der Weltmeisterschaft in der Kategorie "Männer über 40" wieder ordentlich die Muskeln spielen lassen und wurde Vizeweltmeister. Im Studio in der Ehrengutstraße 1a, das noch immer den Style der Siebziger Jahre förmlich ausdünstet, wird täglich geschwitzt! Ach, ja! Allerdings ist die Männerbastion ins Wanken geraten. Bei Ercan trainieren auch Frauen. Eine 38-jährige Mutter von drei Kindern zum Beispiel. Also Männer: carpe diem. Die Frauen sind Euch auf den Fersen!

Nicole Graner

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Die letzten Refugien für echte Jungs:Spirituelle Abenteuer

Fusswallfahrt nach Altoetting

Quelle: dapd

Es gibt ihn noch, den Ort, an dem die Rollen klar verteilt sind: Sie schmückt den Altar mit Blumen, er steht dort der Heiligen Messe vor. Trotz dieser klaren Präferenz für den männlichen Teil der Menschheit ist das Verhältnis zwischen Mann und katholischer Kirche ein bröckelndes. Sie erreicht noch manch junge Mutter, doch zum jungen Vater, dem Single, dem Berufstätigen mittleren Alters hat Kirche bestenfalls dann noch Kontakt, wenn eine Beerdigung ansteht. Dabei sind auch Männer auf der Suche nach Sinn, weiß die Kirche - und hat spezielle Angebote entwickelt: eine "Auflade-Woche" am Ligurischen Meer zum Beispiel, mit "Lustwandeln im Park". Man kann beim Pilgern über den Jakobsweg im Stroh übernachten, sich zum "meditativen Bogenschießen" anmelden oder mit seinem Sohn ein Höhlenabenteuer buchen. Die Männerseelsorge macht's möglich. Ein bisschen Spiritualität, ein bisschen Abenteuer, die richtige Mischung für Ihn. Sogar einen Männer-Beauftragten hat die Bischofskonferenz, den Bamberger Erzbischof Ludwig Schick. Der fordert: "Männer müssen weg von alten Klischees wie Herr im Haus, Brotverdiener. Wir brauchen mehr Männer in Familie und Haushalt und mehr Frauen in Führungspositionen." Ach ja, Kirche? Darauf warten wir bei dir schon zu lange.

Monika Maier-Albang

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Die letzten Refugien für echte Jungs:Benzingespräche

Verkehrsexperten nehmen Motorradfahrer in die Pflicht

Quelle: dapd

Es ist ein wenig wie in der Kneipe an der Ecke: Männer treffen sich, verbringen viel Zeit miteinander und reden über ihr liebstes Hobby - zum Beispiel das Motorradfahren. Benzingespräche nennt man das. Doch die Zeiten, in denen Mann Gleichgesinnte vor allem am Tresen trifft, sind längt vorbei. Schließlich gibt es im Internet jede Menge Motorradforen - für jeden Zweiradtyp findet sich im Netz das passende Forum. Die Teilnehmer dort geben sich so wohlklingende Pseudonyme wie Coolrider oder Dragstar-Joe und tauschen Tipps für ihre "Möppel" aus. Da werden Männer, die sonst weite Bogen um jede Form von Wischlappen machen, zu wahren Putzexperten: wie die Chromteile am besten poliert werden können - oder welches Hausmittel die Lederkombi am besten pflegt. Doch beim Chat im Netz bleibt es meist nicht. Denn der Biker will vor allem eins: fahren. Und warum nicht auch mit den neuen Freunden aus dem Forum. So wird aus dem Chat am Ende doch wieder eine ganz normale Männerrunde. Denn am Ende einer Tour steht meist - wie sollte es anders sein - das gemeinsame Bier. Fast wie früher in der Eckkneipe.

Birgit Kruse

© SZ vom 01.06.2011/infu
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