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Die Band "Frittenbude" zieht um:"Berlin hat mehr Freiräume"

Die Münchner Elektropunk-Band "Frittenbude" zieht nach Berlin. Warum die erfolgreichen Musiker Bayern verlassen, erzählt der Gitarrist der Band Martin Steer.

Rita Argauer

Jetzt gehen sie dorthin, wo sie vom Bandnamen schon immer hinpassen: Frittenbude zieht von München nach Berlin, dort werden sie mit ihrem Elektropunk auf eine sehr lebendige Musikszene treffen. Welche Gründe für den Umzug ausschlaggebend waren, wollte Rita Argauer von Martin Steer, dem Gitarristen der Band, wissen.

The Sound of Munich

Die Band Frittenbude zieht von München nach Berlin. Der Gitarrist der Band Martin Steer (rechts) erzählt im SZ Interview warum.

(Foto: oh)

SZ: Der Auftritt diesen Samstag beim "Sound of Munich now"-Festival ist euer letztes Konzert als "Münchner Band". Seid ihr wehmütig?

Martin Steer: Nicht wirklich. Ich habe uns nie wirklich als Münchner Band gesehen, wir haben auch nicht aktiv an der Musikszene hier teilgenommen. In München waren wichtige erste Auftritte, wir hatten und haben eine gute Zeit hier, wofür wir sehr dankbar sind.

SZ: Warum verlasst ihr München ausgerechnet jetzt, wo ihr Erfolg habt und euch München leisten könntet?

Steer: Sich München leisten können - ein gutes Stichwort. Natürlich sind die Mieten und das Leben hier zu teuer, Berlin ist nach wie vor billiger. Und wir sind jetzt nicht sonderlich reich, wie fälschlicherweise oft angenommen wird. München ist in vielerlei Hinsicht eine tolle Stadt. Aber für mich als Musiker ist es in Berlin angenehmer und leichter.

SZ: Warum?

Steer: Berlin ist finanzierbarer, da bleibt mehr übrig, um neue Projekte realisieren zu können. Und man hat mehr Freiräume und Netzwerke, um sich als Künstler freier weiterzuentwickeln.

SZ: Diese Entwicklung funktioniert in München nicht?

Steer: Städte sind ja immer wie ein Versprechen, man kann dort genauso scheitern. Es kann für Bands in München genauso gut funktionieren, aber ich glaube, in Berlin sind einfach derzeit noch bessere Voraussetzungen für uns gegeben.

SZ: Du wohnst, anders als deine Bandkollegen, zurzeit noch in München. Warum bist du vorerst hier geblieben?

Steer: Das sind private Gründe - und ich habe noch eine andere Band, pandoras.box aus Geisenhausen, von der Ende des Jahres das neue Album erscheint. Es ist schon so, dass man abseits der Pop-Metropolen weniger abgelenkt ist, und unter Umständen erst dadurch interessante, neue Musik entsteht. Das hat seine Vor- und Nachteile und ist nicht zu pauschalisieren.

SZ: Ihr kommt ursprünglich aus der Nähe von Landshut. Warum seid ihr nach München gezogen? Ist das wie die Entwicklung der Band: Je größer die Band wird, desto größer wird die Stadt?

Steer: Das ist der Arsch der Welt, wo wir herkommen, da kann man gar nicht bleiben. Wobei diese Tristesse der Provinz auch unheimlich inspirierend war. Wir hatten dann Jobs und Praktika in München und sind hergezogen. Die Stadtgröße steht aber natürlich nicht zwangsweise in Relation mit der Entwicklung der Band. Wir wollen einfach was Neues, Veränderung.

SZ: Passt die Musik von Frittenbude nach München?

Steer: Ich denke schon. Früher war es anders. Als wir das erste Mal in der Registratur gespielt haben, standen die Leute noch mehr auf coolen Minimal-Techno. Unsere Musik erfüllt aber nicht so diese schicken Coolheits-Kriterien. Elektropunk funktionierte anderswo früher. Aber abgesehen davon hat es dann später in München immer wunderbar funktioniert.

© SZ vom 22.10.2010/mar
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