Deutscher Engagementpreis:Anleitung zum Eingreifen

Lesezeit: 2 min

Deutscher Engagementpreis: Der Verein "Zivilcourage für alle" veranstaltet Workshops, in denen die Teilnehmer das richtige Verhalten in Konfliktsituationen lernen.

Der Verein "Zivilcourage für alle" veranstaltet Workshops, in denen die Teilnehmer das richtige Verhalten in Konfliktsituationen lernen.

(Foto: privat)

Der Brunnthaler Verein "Zivilcourage für alle" will Menschen die Angst davor nehmen, in brenzligen Situationen dazwischenzugehen. Dafür ist er jetzt ausgezeichnet worden.

Von Angela Boschert, Brunnthal

Große Überraschung und Riesenfreude herrscht beim Verein "Zivilcourage für alle" aus Brunnthal: Am Donnerstagabend wurden die aktuell 45 Mitglieder bei einer Gala in Berlin mit dem Deutschen Engagementpreis ausgezeichnet. Sie erhielten diesen "Dachpreis für freiwilliges Engagement in Deutschland" in der Kategorie "Demokratie stärken".

Der festlichen Preisverleihung für die insgesamt fünf geehrten Initiativen aus ganz Deutschland, die von einer Fachjury ausgewählt worden waren, durften im Deutschen Theater Berlin nur 50 statt der üblicherweise etwa 600 Gäste beiwohnen. "Zivilcourage für alle" erhielt die Auszeichnung, weil es dem Verein gelungen sei, ein Angebot zu schaffen, welches Bürger befähigt, für persönliche und öffentliche Freiräume einzutreten. Das sei aus Sicht der Jury ein beispielhaftes Engagement.

In ihrer Laudatio für den 2010 gegründeten Verein erinnerte Nursemin Sönmez, die Leiterin des bundesweit agierenden Kompetenznetzwerks "Zusammenleben in der Einwanderungsgesellschaft", an das bekannte Bild der drei Affen, die nichts sehen, nichts hören und auch nichts sagen. Dem Verein sei es gelungen, ein niederschwelliges Angebot zu entwickeln und nicht nur die schon Überzeugten zu erreichen. Sönmez endete mit den Worten: "Sie wahren Freiheit und Sicherheit im öffentlichen Raum. Sie verteidigen Respekt und Würde - damit wir voreinander nicht die Augen verschließen wie die Affen, sondern uns gerade in die Augen schauen können."

"Wir vermitteln, wie in Notsituationen gehandelt werden kann, ohne sich selbst zu gefährden"

Der nach dem gewaltsamen Tod von Dominik Brunner in München gegründete Verein bietet Trainings und Workshops, etwa bei der Volkhochschule Haar, und Vorträge an, um Bürger über Zivilcourage aufzuklären. "Wir vermitteln, wie in Notsituationen gehandelt werden kann, ohne sich selbst zu gefährden", sagt Karen Schnieders, die für den Verein die Öffentlichkeitsarbeit macht. Denn es sei oft weniger die Unsicherheit, was man tun könne, wenn jemand in der Öffentlichkeit beleidigt, verbal oder gar tätlich angegriffen werde. Es sei vor allem die Angst davor, sich selbst in Gefahr zu bringen. Und genau das sollen zivilcouragierte Menschen nicht tun. Vielmehr erlernen sie in den Workshops Methoden, wie sie in Notsituation eingreifen können und kompetent handeln, ohne sich selbst zu gefährden. Denn "wenn die Fäuste schon fliegen, ist es nicht ratsam, dazwischenzugehen", warnt auch die Vereinsvorsitzende und Psychologin Verena Berthold.

Schon in ganz alltäglichen Situationen stehe man vor der Frage "Soll ich eingreifen?", so Schnieders. Etwa in der U-Bahn, wenn ein Fahrgast seine Schutzmaske "auf Halbmast", also nur über dem Mund oder gar darunter hängen hat. Soll man jetzt etwas sagen? Falls ja, wie? Was wird passieren? Werden andere einen unterstützen? All diese Fragen schießen einem durch den Kopf und erwecken verständlicherweise eine innere Angst.

"Zivilcourage für alle" hat bislang in mehr als 280 Trainings 2800 Menschen erreicht und ist vor allem in der Region München, aber auch bayern- und sogar bundesweit tätig. Die Trainings bauen auf dem zweitägigen Workshop "Kleine Schritte statt Heldentaten" auf, der an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) im Fachbereich Psychologie entwickelt worden ist und dort sowie an weiteren Institutionen seit über zehn Jahren angeboten wird.

Dafür erhielt der Verein jetzt eine der höchsten Auszeichnungen, die man in Deutschland im Ehrenamt erhalten kann. Der Deutsche Engagementpreis wird seit 2009 vom Bündnis für Gemeinnützigkeit, einem Zusammenschluss großer Dachverbände und unabhängigen Organisationen des Dritten Sektors, verliehen. "Wir sind megastolz und glücklich. Wir empfinden es als wertschätzend für unsere Arbeit", sagt Susanne Singer, die in Brunnthal wohnende Geschäftsführerin des Vereins.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB