Leben retten„Der einzige Fehler ist, den Defi nicht anzuwenden“

Lesezeit: 3 Min.

Im Gautinger Pfarrzentrum St. Benedikt befindet sich inzwischen ebenfalls ein Defibrillator, den hier der Arzt Max Großkopf vorführt.
Im Gautinger Pfarrzentrum St. Benedikt befindet sich inzwischen ebenfalls ein Defibrillator, den hier der Arzt Max Großkopf vorführt.
Franz Xaver Fuchs
  • Der Förderverein des Rettungsdienstes Gauting hat drei weitere Defibrillatoren beim Gautinger Sportclub, bei der Pfarrkirche St. Benedikt und bei der Tafel installiert.
  • Laien-Defibrillatoren sind einfach zu bedienen, da das Gerät Schritt-für-Schritt-Anweisungen gibt und nur dann einen Schock auslöst, wenn es medizinisch notwendig ist.
  • Bei einem Herzstillstand entscheiden maximal fünf oder sechs Minuten über die Überlebenschancen ohne bleibende Hirnschäden, weshalb sofortige Hilfe entscheidend ist.
Von der Redaktion überprüft

Diese Zusammenfassung wurde mit der Unterstützung einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt. Lesen Sie mehr über unseren Umgang mit KI.

Fanden Sie diese Zusammenfassung hilfreich?
Mehr Feedback geben

Warum auch medizinische Laien einen Defibrillator problemlos einsetzen können und im Ernstfall jede Minute zählt, erklärt der frühere Notarzt Max Großkopf vom Förderverein des Rettungsdienstes Gauting.

Interview von Annette Jäger, Gauting

SZ bei Google bevorzugen

Bei einem plötzlichen Herzstillstand entscheiden wenige Minuten über die Überlebenschancen des Betroffenen. Wer als Helfer dann beherzt zum Defibrillator, kurz Defi, greift, kann Leben retten. Der Förderverein des Rettungsdienstes Gauting hat in Gauting drei weitere Geräte installiert. Sie befinden sich beim Gautinger Sportclub, bei der Pfarrkirche St. Benedikt im Pfarrsaal und bei der Tafel, Am Würmufer 1. Wann Ersthelfer einen Laien-Defi einsetzen sollten, wie das funktioniert und warum Kinder und Jugendliche besonders gute Lebensretter sein können, erzählt Max Großkopf im Interview. Der pensionierte Gautinger Arzt war 40 Jahre lang Notarzt und engagiert sich beim Förderverein.

SZ: Herr Großkopf, in welchen Fällen kann ein Defi Leben retten?

Max Großkopf: Der Klassiker ist der Herzinfarkt, bei dem jemand bewusstlos zusammenbricht. Bei einem Herzinfarkt gibt es das lebensgefährliche Kammerflimmern, das der Defi über Elektroden, die auf den Oberkörper geklebt werden, feststellen kann. Das Gerät löst dann einen Stromschock aus, so dass das Herz wieder in einen geregelten Takt kommt.

Woher weiß ich als Helferin oder Helfer, ob der Bewusstlose nun ausgerechnet einen Herzinfarkt hat?

Das können und müssen Sie als Helfer nicht wissen – das stellt das Gerät fest. Das Gerät löst keinen Schock aus, wenn es nicht notwendig ist. Man kann als Helfer also nichts falsch machen. Der einzige Fehler ist, den Defi nicht anzuwenden und möglicherweise kostbare Minuten zu verlieren, in denen eine Rettung möglich wäre.

Wie funktioniert so ein Defi genau?

Ein Defi hat etwa die Größe eines Schuhkartons. Man wird als Helfer Schritt für Schritt angeleitet, das Gerät spricht mit einem. Helfer müssen den Defi nur einschalten, den Brustkorb der bewusstlosen Person frei machen und die Elektroden auf den Oberkörper kleben. Will das Gerät einen Schock auslösen, kündigt der Defi das an, dann entfernt man sich von der Person. Manche Geräte lösen einen Schock von selbst aus, andere fordern dazu auf, eine Taste zu drücken. Das Gerät wird einen auch auffordern, eine Herzdruckmassage zu machen, bis die Rettungskräfte eintreffen: Hände übereinander mittig auf den Brustkorb setzen und mit ausgestreckten Armen senkrecht circa 100-mal pro Minute etwa sechs Zentimeter tief in den Brustkorb drücken.

Das klingt nach vielen Handgriffen im Notfall. Schafft man das alleine?  

Im Idealfall sind tatsächlich mehrere Personen zur Stelle und können helfen. Deshalb sind die Defis auch vorzugsweise an Orten installiert, wo viele Menschen zusammenkommen. Hier ist einerseits die Wahrscheinlichkeit größer, dass jemand einen Herzstillstand erleidet, andererseits sind gleich viele Helfer vor Ort.

Wie geht man im Notfall Schritt für Schritt vor?

Bricht jemand zusammen und man kriegt das mit, sollten drei Handgriffe nahezu gleichzeitig passieren: Man fühlt mit dem Finger am Hals, ob noch Puls und Atmung da sind und spricht die Person an. Ist da keine Reaktion, sofort einen Notruf absetzen und mit der Herzdruckmassage beginnen, während ein anderer den Defi holt, der hoffentlich in der Nähe ist. Bei einem Herzinfarkt ist anfangs meist noch ein wenig Herztätigkeit vorhanden, bevor es komplett still steht. In dieser Zeit – wir sprechen von maximal fünf oder sechs Minuten – hat man Chancen, über eine Hilfekette Leben zu retten, so dass die Person wahrscheinlich keine bleibenden Hirnschäden zurückbehält. Passanten sollte man übrigens direkt ansprechen und zur Hilfe auffordern. Es gibt genug Menschen, die sich die Augen zu halten und vorbeigehen.

Muss man die Anwendung eines Defis üben?

Nein, da gibt es nichts zu üben, das ist so simpel und das Gerät gibt Anweisungen. Die Herzdruckmassage kann man allerdings schon üben. Bei Erste-Hilfe-Kursen gibt es Puppen, an denen man das ausprobieren kann. Die Bereitschaft des Rettungsdienstes geht zum Beispiel auch in die Gautinger Schulen und zeigt Schülerinnen und Schülern, wie Reanimation mitsamt einem Defi funktioniert. Schüler sind gute Lebensretter. Die Erfahrung zeigt, dass sie weniger Scheu haben, anzupacken und laut um Hilfe zu rufen. Sie könnten sogar einen Erwachsenen anleiten bei einer Reanimation.

Wie oft kam in Gauting denn schon ein Laien-Defi zum Einsatz?

Dazu gibt es keine Statistik, aber ein Fall ist bekannt: Eine Person ist direkt vor dem Rathaus zusammengebrochen und der Defi im Rathaus konnte eingesetzt werden. Diese Person wurde erfolgreich reanimiert. Das war ein Defi-Einsatz aus dem Bilderbuch.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Solarium
:„Es kommen Leute, die einfach nicht in die echte Sonne wollen“

Im Sonnenstudio von Johann Kreuz in Unterschleißheim ist auch im Hochsommer Betrieb. Ein Gespräch über Kunden-Typen, „Tussi-Toaster“ und den Wandel in der Branche.

SZ PlusInterview von Barbara Mooser

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: