Debatte um zweite Stammstrecke:Nacharbeit für S-Bahn-Planer

Fahrzeugstörung, Stromausfall und ein Rowdy legten den S-Bahn-Verkehr am Mittwoch lahm. Eine zweite Stammstrecke könnte diese Probleme wohl lösen. Doch da gibt es noch Streitpunkte.

Marco Völklein

Am Mittwoch standen schon wieder tausende S-Bahn-Fahrgäste in der Kälte. Wegen einer Fahrzeugstörung am Stachus war die Stammstrecke am frühen Morgen für etwa eine Dreiviertelstunde gesperrt. Gegen 12 Uhr fiel am S-Bahnhalt Hauptbahnhof zudem der Strom aus, gegen 13 Uhr schlug ein Rowdy einen Feuermelder ein - erneut war die Stammstrecke für 20 Minuten dicht. Der Stadtrat stritt derweil über den Bau der zweiten Stammstrecke, die solche Probleme lösen soll. Dabei sprachen die Stadtvertreter vier Kernstreitpunkte an.

S-Bahn

Bei der zweiten Stammstrecke fehlt den Planern noch der Durchblick.

(Foto: dpa)

Planungsfehler

Wie berichtet ist den Stadtwerken aufgefallen, dass die Anschlüsse des östlichen Tunnelabschnitts und die des westlich daran anknüpfenden Teils nicht zusammenpassen. Zudem gibt es Probleme am Hauptbahnhof: Während der sechseinhalbjährigen Bauzeit müssten die Zu- und Abgänge verengt werden - wegen des hohen Fahrgastaufkommens seien sie somit als "nicht verkehrssicher anzusehen".

"Diese offenen Fragen sind frappierend", kritisierte Josef Schmid (CSU). Bahn-Planer Albert Scheller entgegnete, die Fragen würden mit den Stadtwerken im laufenden Planfeststellungsverfahren geklärt. Stadt und Bahn hätten zudem eine "Task Force" gebildet, so Scheller.

Regionalzüge

Regionalzüge

Die Planungen der Bahn sehen vor, dass mit dem neuen Tunnel nur drei S-Bahnen mehr pro Stunde die Münchner Innenstadt queren. Das ist der Stadt zu wenig. Vor allem die Grünen drängen darauf, dass auch Regionalzüge durch den Tunnel fahren.

Doch bislang sind die Planer aus Sicht vieler Stadträte (unter anderem auch der CSU) dieser Forderung nicht nachgekommen. Die Grünen drohten bereits: "Wir unterstützen nicht jeden Tunnel!"

Frank Kutzner vom bayerischen Verkehrsministerium versicherte, durch den neuen Tunnel würden auch Doppelstockwagen "ohne Beulen und Schrammen fahren können".

Allerdings setzen die Planer eh auf eine neue Art von Zügen, um die Region anzubinden - die es derzeit allerdings noch nicht gibt. Tunnelskeptiker wie die Stadtrats-FDP glauben: Diese Züge wird es nie geben.

Sendlinger Spange

Sendlinger Spange

Um bei Störungen S-Bahnen von Pasing kommend ableiten zu können, will die Stadt die Schienenverbindung von Pasing über Laim nach Sendling für solche Entlastungsfahrten ertüchtigen.

Dafür gibt es laut Ministeriumsvertreter Patrick Kunkel eine separate Planung.

Die Stadt will, dass auch Laim an die Trasse angebunden wird; der Freistaat sieht das anders. "Da gibt es offenbar unterschiedliche Auffassungen", sagte Kunkel.

Finanzierung

Finanzierung

Noch im Dezember will das Verkehrsministerium eine Bau- und Finanzierungsvereinbarung für den zwei Milliarden Euro teuren Tunnel unterzeichnen, "die Gespräche gehen gut voran", so Kunkel.

Kritiker monieren: Dann wird kein Geld mehr für andere Maßnahmen da sein - etwa für den Ausbau der S8-Ost oder der Strecke Pasing-Eichenau.

Dabei sei dies wichtiger, da die Mehrzahl der Störfälle im S-Bahn-Außenbereich anfielen. "Das mag schon sein", sagte SPD-Stadtrat Ingo Mittermaier: "Aber bei einer Störung auf der Stammstrecke sind viel mehr Menschen betroffen als bei einer Störung in Freising." Daher müsse man dort ansetzen.

© SZ vom 25.11.2010/zinn/tob
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