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Datenanalyse:Verkehrszähler nutzen Handysignale

Genauere Ergebnisse als mit der analogen Bleistifttechnik erhofft sich die Gemeinde Höhenkirchen.

(Foto: Claus Schunk)

Anhand der Netzdaten will Höhenkirchen-Siegertsbrunn ermitteln lassen, welcher Standort für eine Realschule besser ist

Jeder Autofahrer hat sie schon einmal gesehen: Die meist älteren Damen und Herren, die auf Klappstühlen am Straßenrand sitzen und aufmerksam jedes Auto registrieren, das vorbeifährt. Das ist Verkehrszählung nach alter Schule. Markus Schubert von der Intraplan Consult GmbH in München denkt derweil schon in ganz anderen Sphären. Er wertet mit seiner deutschlandweit tätigen Beratungsfirma Handydaten aus und ermittelt auf diese Weise, wie sich Verkehrsströme entwickeln. Seinen jüngsten Auftrag hat er in Höhenkirchen-Siegertsbrunn an Land gezogen. Dort soll Schubert herausfinden, welcher der beiden derzeit diskutierten Realschulstandorte verkehrstechnisch am wenigsten schlimm wäre.

Denn der Verkehr ist das Reizthema schlechthin in der Gemeinde. Sogar die Chance, eine Realschule an den Ort zu bekommen, hätten die Gemeinderäte quer durch die Fraktionen fast gekippt, weil sie befürchten, dass auf den Straßen alles zusammenbricht, wenn auch noch Elterntaxis zur Realschule morgens die Straßen belasten. Kurz vor den Ferien bekannte sich der Gemeinderat aber doch per Beschluss zur Realschule. Als Standorte sind derzeit Flächen nahe dem Gymnasium am Bahnhof und nahe der Erich-Kästner-Schule an der Brunnthaler Straße im Gespräch.

Unumstritten war es nicht, dem Büro Intraplan den Auftrag zu erteilen. Schließlich lassen sich mit Handydaten, die laut Schubert anonymisiert und auf völlig legale Weise herangezogen werden, Verkehrsströme nicht im Detail nachvollziehen. Zwar hat praktisch jeder heutzutage ein Handy in der Tasche, ob er zu Fuß unterwegs ist, auf dem Fahrrad fährt, mit dem Auto oder mit der S-Bahn. Doch an Hand der Daten lässt sich eben nur schwer erkennen, was für ein Fahrzeug genutzt wird. Bewegungsprofile entstehen durch den Wechsel des Handynutzers von einer durch Mobilfunk-Sendemasten aufgebauten Funkzelle zur anderen. "Bei der räumlichen Feinheit haben wir Grenzen", sagte Schubert. Doch hält er die Methode für besser als die Zählung per Hand.

So lassen sich nach seinen Worten vor allem großräumige Bewegungen besser darstellen. Auch lässt sich bei genauem Hinschauen mehr erkennen, als man denkt. Die Handysignale bewegen sich unterschiedlich schnell. Und springen auf einen Schlag 20 Handyverbindungen über in eine andere Funkzelle, dann handelt es sich um einen Bus oder eine Bahn, wobei auch anhand der Trasse leicht erkennbar ist, ob es sich um Bahnreisende handelt. Zudem lassen sich Schubert zufolge die Ergebnisse durch Modellrechnungen und Schätzungen ergänzen. Bürgermeisterin Ursula Mayer (CSU) warb jedenfalls dafür, sich eine Expertise von Intraplan erstellen zu lassen. "Das ist was Modernes", sagte sie. Der Gemeinderat brauche für die Standortentscheidung Daten. "Der Verkehr ist das, was alle bewegt."

Die Gemeinderäte mahnten noch an, zusätzlich zur Ist-Analyse und zur Schätzung der Entwicklung Daten zum erwarteten Zuzug infolge geplanter Baugebiete aufzunehmen. Der Gemeinderat beschloss einstimmig, den Auftrag zu vergeben. Der Schulzweckverband weiterführende Schulen im Südosten wird einen Teil der Kosten übernehmen. Ein Ergebnis soll vor Weihnachten vorliegen.