Süddeutsche Zeitung

Grasbrunn:CSU in Turbulenzen

Nach dem Parteiaustritt von Ursula Schmidt hagelt es Kritik an Grasbrunns Ortsverbandschef Detlef Wildenheim.

Nach dem partei- und fraktionsinternen Zerwürfnis bei der Wahl des Zweiten Bürgermeisters und dem anschließenden Parteiaustritt ihrer bisherigen Fraktionschefin Ursula Schmidt kommt die Grasbrunner CSU nicht zur Ruhe. Während der Ortsverband am Wochenende auf seiner Homepage noch einmal nachtrat und Schmidt die persönliche Schuld an dem Zerwürfnis gab, hagelte es in sozialen Medien massive Kritik am Umgang der Christsozialen miteinander und namentlich am Grasbrunner Parteichef Detlef Wildenheim.

"Hut ab vor Frau Schmidt", schreibt ein langjähriges CSU-Mitglied auf der Seite der Online-Zeitung BDreiHundertVier.de. "Ihre Reaktion ist voll verständlich." Die langjährige Gemeinderätin, einstige Bürgermeisterkandidatin ihrer Partei und bisherige Fraktionsvorsitzende hatte am Freitag ihren Austritt aus Partei und Fraktion erklärt, nachdem sie am Dienstag im Gemeinderat bei der Wahl des Zweiten Bürgermeisters gegen den neuen starken Mann der Grasbrunner CSU verloren hatte, den Orts- und neuen Fraktionsvorsitzenden Detlef Wildenheim.

Dieser hatte in der Sitzung völlig überraschend seine eigene Kandidatur erklärt, nachdem zuvor Schmidt als auch von SPD und Freien Wählern unterstützte Konsenskandidatin gegolten hatte, ehe Wildenheim wenige Stunden vor der Sitzung zunächst den Harthauser Parteifreund Bernhard Bauer vorschlug. Wildenheim war dann im zweiten Wahlgang, nachdem es zunächst ein Stimmenpatt gegeben hatte, mit elf zu neun Stimmen zum Stellvertreter von SPD-Rathauschef Klaus Korneder gewählt worden. Schmidt gehört dem Gemeinderat jetzt als fraktionsloses Mitglied. Sie schließt aber nicht aus, sich auch einer anderen Fraktion anzuschließen.

Auch Rathausmitarbeiter bekunden Solidarität mit Schmidt

Dass ein "so langjähriges und in der ganzen Gemeinde, auch bei den anderen Parteien angesehenes CSU-Mitglied hinschmeißt, zeigt wie zerstritten die CSU seit der Machtübernahme des jetzigen Ortsvorsitzenden ist", urteilt ein anderes Parteimitglied und rechnet gleich umfassend mit Wildenheim ab: Dass dieser auch bei den CSU-Wählern nicht ankomme, zeige dessen Ergebnis bei der Kommunalwahl: "Das schlechteste Ergebnis als Bürgermeisterkandidat der CSU in den letzten 3 Wahlen". Selbst bei der Wahl zum Gemeinderat habe Wildenheim bei den CSU-Wählern nur den zweiten Platz belegt. "Dieser Ortsvorsitzende kämpft ab jetzt ums politische Überleben", so das Urteil des Parteifreunds. Sein Rat: Wildenheim solle die politische und persönliche Verantwortung übernehmen und ebenfalls zurücktreten. Auch auf der Facebookseite von "Grasbrunn Aktuell" kommt der CSU-Ortschef schlecht weg. "Unter aller Würde", "überhaupt kein Verständnis" und - ironisch gemeint - "großer Wertschätzung für ein langjähriges Parteimitglied" ist da zu lesen. Auch Rathausmitarbeiter bekunden im Netz öffentlich und namentlich ihre Solidarität mit der einstigen CSU-Politikerin.

Der so heftig angegriffene CSU-Ortsvorsitzende wehrt sich ebenfalls in den sozialen Foren. Schmidt habe sich mit ihrer von der SPD unterstützten Kandidatur gegen den "auch von ihr getragenen Beschluss" der Fraktion und des Ortsvorstands sowie den "Mitgliederwillen" gestellt, Bernhard Bauer zum Zweiten Bürgermeister zu wählen. "Verständlicherweise konnten wir den Verrat von Frau Schmidt an der eigenen Fraktion und dem Wählerwillen nicht akzeptieren und waren gezwungen einen Gegenkandidaten vorzuschlagen", so Wildenheim.

Er zollt dafür Bernhard Bauer Respekt. Mit ihrer Kandidatur auf Vorschlag der SPD habe sie den Parteifreund "aus verständlichen Gründen" zum Rückzug gezwungen. Die restliche CSU-Fraktion habe daraufhin kurz vor Sitzungsbeginn beschlossen, dass er sich zur Wahl stellen solle, so Wildenheim weiter. Der einstige CSU-Gemeinderatskandidat Ronny Kaevski bezeichnet in einem Facebook-Post den Austritt Schmidts nach deren Niederlage als "logisch und richtig". Hatte die CSU noch am Freitag lediglich ihr Bedauern über Schmidts Parteiaustritt erklärt, legte sie am Wochenende nach. Mit ihrem Austritt ziehe Schmidt die Konsequenz aus ihrem Verhalten, heißt es auf der Homepage des Ortsverbands. Die anderen Parteien schweigen bislang öffentlich zu den CSU-internen Vorgängen.

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SZ vom 18.05.2020/hilb
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