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Coronavirus:Zahl der Neuinfektionen bleibt niedrig

Landrat Göbel kündigt den Abbau von Teststationen an, sieht weitere Lockerungen aber mit Sorge

Wenn die Zahl der Corona-Neuinfektionen im Landkreis München weiterhin auf einem konstant niedrigen Niveau bleibt, soll die Test-Infrastruktur stückweise wieder abgebaut werden. Mit dem Verteilen der Aufgaben in der Corona-Krise auf die Kommunen waren in nahezu allen Gemeinden und Städten des Landkreises Testcenter eingerichtet worden. Bis Pfingsten sollen diese bestehen bleiben, von Juni an plant das Landratsamt eine Reduzierung auf sieben. Darunter werden die vier Zentren in Oberhaching, Gräfelfing, Unterföhring und Ottobrunn sein, in denen auch Untersuchungsräume bereitgestellt wurden. "Voraussetzung sind natürlich stabile Zahlen. Wir werden uns das sehr genau ansehen", sagte Landrat Christoph Göbel (CSU) in einer Video-Pressekonferenz am Dienstag.

Derzeit kann Göbel ganz zufrieden sein mit der Statistik. Sechs neue Fälle sind seit Montag landkreisweit dazugekommen, 51 Personen gelten aktuell als infiziert. Von den insgesamt 1398, die es seit 4. Februar erwischt hat, sollten 1276 wieder genesen sein. Allerdings sind auch 71 Landkreis-Bewohner, die nachweislich mit Corona infiziert waren, gestorben.

Die Zahl, die der Landrat seit den Lockerungen im Blick haben muss, ist die 50. Mehr Neuinfektionen dürfen innerhalb von sieben Tagen pro 100 000 Einwohner nicht dazukommen. Im Landkreis München schwankt diese Zahl derzeit zwischen acht und neun. "Es ist erfreulich, dass sie nach der Lockerung nicht nach oben geschnellt ist", sagte der Landrat. Auch in den Pflegeheimen seien die Zahlen zurückgegangen. Zwei Einrichtungen seien noch betroffen, fünf Personen infiziert. Von den Asylbewerbern befänden sich noch 16 erkrankte Personen in Quarantäne.

Die nun zusätzlich beschlossenen Lockerungen von den Corona-Beschränkungen betrachtet der Landrat teils mit großer Sorge. Insbesondere die Öffnung der Gaststätten im Innenbereich sieht er sehr kritisch. "Mich erreichen viele Zuschriften von Leuten, denen nicht wirklich klar ist, was sie dürfen und was nicht", berichtete Göbel. Es sei wichtig, deutlich zu machen, dass ein normales Verhalten, wie man es gewohnt sei, in Freizeit und Gastronomie nicht erlaubt sei. "Wir können uns nicht in einer großen Gruppe zusammenfinden und einen fröhlichen Abend verbringen", so Göbel. Tische müssten reserviert werden, mehrere Tische seien nicht zulässig, stellte er klar. Dass die Umsetzung dieser Regelung in der Praxis schwierig sei, wisse er auch; er könne nur appellieren, sich nicht in Gruppen zu treffen. "Sonst rauschen die Fallzahlen nach oben", mahnte Göbel insbesondere in Hinblick auf die bevorstehenden Ferien.

Der Fall in Niedersachsen, wo sich bei der Wiedereröffnung eines Restaurants im Landkreis Leer 18 Teilnehmer der Veranstaltung mit dem Coronavirus infizierten, habe die Auswirkungen gezeigt. Göbel hält daher auch den Vorstoß von Thüringens Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Linke) zur Beendigung sämtlicher Corona-Regeln für "furchtbar gefährlich" und bezeichnet ein solches Vorgehen als ein "völlig falsches Signal". In den Ferien zu verreisen, hält der Landrat hingegen für weniger bedenklich. Ihm sei es lieber, wenn die Leute irgendwo allein zum Wandern gingen, als sich zu Hause in ihrer Freizeit mit vielen Freunden zu treffen.

© SZ vom 27.05.2020

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