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Corona:Landrat verteidigt Maskenpflicht für Schüler

Seit voriger Woche müssen im Landkreis auch Grundschüler wieder im Unterricht Maske tragen - im Gegensatz zu Kindern in München.

(Foto: Claus Schunk)

Die seit Freitag geltende Maskenpflicht im Unterricht auch für Grundschüler stößt bei vielen Eltern auf Unverständnis. Landrat Göbel sieht sich deshalb zu einem dringenden Appell genötigt.

Von Iris Hilberth und Martin Mühlfenzl, Landkreis

Dass neben Federmäppchen, Brotzeitbox und Mathebuch auch die Maske morgens beim Packen des Schulranzens nicht vergessen werden darf, gehört für Grundschulkinder seit vielen Monaten zum Alltag. Der Mund-Nasen-Schutz im Schulhaus und auf den Pausenhof ist zur Normalität geworden wie das Händewaschen. Neu ist, dass die Erst- bis Viertklässler seit Freitag die Maske auch im Klassenzimmer tragen müssen. Denn die Infektionszahlen steigen auch im Landkreis weiter stark an, am Freitag meldete das Robert-Koch-Institut (RKI) einen Sieben-Tage-Inzidenzwert von 67,9, an diesem Samstag ist die wichtige Kennziffer bereits auf 82,7 gestiegen.

Allerdings stößt die Maskenpflicht für die Kleinen bei manchen Eltern und sogar bei einer Schulleiterin auf Unverständnis; wohl auch weil die benachbarte Landeshauptstadt und der Landkreis Ebersberg dies trotz Vorgaben der Staatsregierung anders handhaben. Landrat Christoph Göbel (CSU) haben jedenfalls zahlreiche Anrufe und Zuschriften von Kritikern der Maßnahme erreicht, gleichwohl bleibt er bei seiner Haltung: "Bei einem solchen Wert nimmt die Ausbreitungsgeschwindigkeit ohne massive Einschränkungen der Übertragbarkeit exponentiell zu." Die Pflicht, im Unterricht Maske zu tragen, hält er für das "mildeste aller Mittel".

Göbel verweist in einer Mitteilung vom Freitagnachmittag noch einmal auf die gesetzlichen Grundlagen, nach denen ein Mindestabstand von 1,50 Metern zwischen Schülern untereinander und zur Lehrkraft sowie gleichzeitig die Maskenpflicht einzuhalten seien. Dies sei in den allermeisten Schulen im Landkreis jedoch nicht möglich. "Wir wären eigentlich bereits jetzt gezwungen, den sogenannten Distanzunterricht, also Schule von Zuhause aus, zumindest für die Hälfte der Klasse anzuordnen", so der Landrat. Dies zusätzlich zur Verpflichtung für die jeweils andere Hälfte, während des Präsenzunterrichts einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

Eine Teilung der Klassen will der Landrat verhindern

Eine erneute Teilung der Klassen will der Landrat aber bewusst verhindern. "Ich bin sehr sicher, dass unseren Kindern noch viel mehr zugemutet würde, wenn wir erneut in Homeschooling gehen. Ganz zu schweigen von den Eltern, den Familien, der ganzen Gesellschaft. Auch die gesundheitlichen Schäden der Kinder schätze ich im Falle des Homeschoolings als greifbar höher ein als wegen der Maskenpflicht im Unterricht. Die Maske ist letzten Endes das mildere Mittel und die bessere Alternative", so Göbel.

Auch Ursula Löwe, Schulamtsdirektorin des Staatlichen Schulamts im Landkreis, bekräftigt: "Der Präsenzunterricht im Landkreis München sollte in jedem Fall bis zu den Herbstferien aufrechterhalten werden - auch wenn die Schülerinnen und Schüler weiterhin eine Mund-Nasen-Bedeckung auch am Platz tragen zu müssen." Eine Umstellung auf den Wechsel zwischen Präsenz- und Distanzunterricht wolle man derzeit auf keinen Fall. Die Schulamtsdirektorin weist darauf hin, dass dies für Lehrkräfte und Schüler erheblich größere Einschränkungen mit sich brächte.

Das Landratsamt appelliert nun an die Lehrkräfte,den Umgang mit der Maskenpflicht "pragmatisch zu handhaben" und darauf zu achten, die Kinder nicht zu überfordern. So könnten Proben und Schulaufgaben auch mit Abstand und somit ohne Maske in der Turnhalle geschrieben werden und im Unterricht Pausen eingelegt werden, vor allem an der frischen Luft, wo die Kinder den Mund-Nasen-Schutz abnehmen könnten. Vor allem sollte den Kindern verständlich klar gemacht werden, warum sie die Maske tragen sollen.

Das ist der Schulleiterin der Grundschule Neukeferloh allerdings offenbar selbst nicht klar. In einen Elternbrief schreibt sie: "Es obliegt mir leider nicht, die Kinder davon zu befreien, auch wenn diese Maßnahme keinen Beitrag zur Reduktion der Zahl der Infizierten leisten wird." Das Gesundheitsamt im Landkreis wundert sich und macht noch einmal unmissverständlich deutlich: "Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes gilt nach übereinstimmender Fachmeinung als effektive Schutzmaßnahme zur Verhinderung der Ausbreitung von Covid-19. Insbesondere größere Tröpfchen beim Husten und Niesen werden durch das richtige Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes mit vergleichsweise guter Wirksamkeit zurückgehalten."

73 Neuinfektionen

Von Donnerstag auf Freitag meldete das Landratsamt insgesamt 73 dokumentierte Neuinfektionen mit dem Coronavirus, tags zuvor waren es 51, am Mittwoch sogar 87 neue Fälle. Dementsprechend steigt auch die wichtige Sieben-Tage-Inzidenz weiter an; Freitagmittag (Stand: 14 Uhr) lag sie mit einem Wert von 67,9 deutlich über dem Schwellenwert von 50, ab dem strengere Maßnahmen gelten. Die neuen Fallzahlen nach den Städten und Gemeinden: Ottobrunn (11), Neubiberg (7), Taufkirchen (7), Ismaning (6), Kirchheim (5), Unterhaching (5), Unterschleißheim (4), Garching (3), Haar (3), Oberhaching (3), Oberschleißheim (3), Aschheim (2), Grünwald (2), Planegg, (2), Unterföhring (2), Aying (1), Brunnthal (1), Gräfelfing (1), Höhenkirchen-Siegertsbrunn (1), Pullach (1), Putzbrunn (1), Sauerlach (1), Straßlach-Dingharting (1).

Auch Landrat Göbel sagt: "Wir müssen davon ausgehen, dass auch Kinder infiziert sind - auch wenn es oft gar nicht bemerkt wird, da Kinder überdurchschnittlich oft gar keine Symptome zeigen, obwohl sie infektiös sind." Weil Kinder über Stunden eng beieinander in geschlossenen Räumen zusammensäßen, verteile sich das Virus rasant schnell. "Die Maske ist kein Schutz, der einhundertprozentige Sicherheit bietet. Aber sie trägt mit allen anderen Maßnahmen gemeinsam dazu bei, die Virenlast des einzelnen Kindes so zu verringern, dass die Infektiosität sinkt."

73 neue Fälle am Freitag

Eine Abweichung sei nur bei begründeten Einzelfällen und unter Berücksichtigung etwaiger lokal eingrenzbarer Infektionsherde möglich. Doch das Infektionsgeschehen sei derzeit breit und diffus, quer durch den gesamten Landkreis verteilt. Ein Bild, dass sich auch am Freitag erneut bestätigte: Die 73 neuen Fälle verteilen sich auf 23 der insgesamt 29 Städte und Gemeinden des Landkreises. Alleine elf neue bestätigte Ansteckungen gab es in Ottobrunn, je sieben in Neubiberg und Taufkirchen. Den einen Hotspot gebe es nicht, sagte eine Sprecherin des Landratsamts. Pflege- und Altenheime seien derzeit nicht betroffen.

Am Freitag haben die beiden ehemaligen Kreiskliniken in Pasing und Perlach, die noch immer erste Anlaufstellen für die Bürger des Landkreises sind, entschieden, von diesem Samstag, 24. Oktober, an erneut ein Besuchsverbot zu verhängen. Nur in Ausnahmefällen, etwa bei Patienten auf der Palliativstation, bei Kindern und Jugendlichen, die jünger als 18 Jahre sind, oder bei Geburten können Besuche zugelassen werden, teilten die Krankenhäuser mit.

© SZ vom 24.10.2020/sab
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