Coronavirus im Landkreis München:Impfzentrum braucht einen Booster

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Corona Testzentrum Unterschleißheim, 2021

In der Sackgasse: Die Container in Unterschleißheim, in denen monatelang geimpft wurde, werden wieder abgebaut.

(Foto: Robert Haas)

Drei der ehemals vier Standorte sind noch nicht ganz abgebaut, da muss das Landratsamt wegen der vierten Welle den Betrieb in Haar dringend hochfahren. Landrat Christoph Göbel zeigt sich "einfach überrascht".

Von Martin Mühlfenzl und Rainer Rutz

Die vierte Corona-Welle rollt und genau zur selben Zeit werden drei der ehemals vier Impfzentren im Landkreis München abgebaut. Das löst nicht nur Verwunderung aus, sondern handfeste Kritik. So sprach Planeggs Bürgermeister Hermann Nafziger (CSU) am Rande einer Gemeinderatssitzung deutliche Worte in Richtung Landratsamt: "Die Schließung des Impfzentrums in Planegg ist eine glatte Fehlentscheidung." Eine Wiedereröffnung der geschlossenen Einrichtungen wird es aber trotz steigender Fallzahlen und Booster-Impfungen nicht geben, wie Landrat Christoph Göbel (CSU) der SZ am Dienstagabend sagte.

Die bayerische Staatsregierung hat am Dienstag beschlossen, die Kapazitäten in den Impfzentren wieder hochzufahren; Grund ist, flächendeckend Auffrischungsimpfungen zu ermöglichen. Göbel wurde von dem Schwenk kalt erwischt. "Es ist wie immer, man wird einfach überrascht", sagte der Landrat am Dienstag und kündigte zunächst an, eines der drei Impfzentren reaktivieren zu wollen. Kurze Zeit später teilte er mit, die Möglichkeiten im Impfzentrum in Haar reichten aus. Dort könne die Kapazität auf 2400 Impfungen pro Tag hochgefahren werden; derzeit werden in Haar etwa 600 Menschen täglich geimpft. Gleichwohl wolle er den Aufbau eines weiteren Impfzentrums prüfen lassen.

Ein Schritt, den Göbel noch vorige Woche ausgeschlossen hatte. "Wir werden keinesfalls von uns aus auf eigene Kosten die drei geschlossenen Impfzentren wieder reaktivieren", sagte er zu entsprechenden Forderungen des geschäftsführenden Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (CDU). Jetzt sollen, wie es am Dienstag aus der Sitzung des Ministerrats hieß, wieder von Montag bis Freitag 2000 Impfungen pro 100 000 Einwohner in den Impfzentren erfolgen. Für den Landkreis wären das etwa 9800 Impfungen in der Woche.

Impfzentrum Planegg

Der Weg ist zu Ende: Von dem Impfzentrum in Planegg stehen schon gar keine Containerbauten mehr.

(Foto: Catherina Hess)

Weil die Impfungen ins Stocken geraten waren, wurden im Oktober die Impfzentren der Johanniter in Oberhaching und des Roten Kreuzes in Unterschleißheim einschließlich der Dependance in Planegg geschlossen. In Unterschleißheim wurde erst vor wenigen Tagen die ganze Einrichtung deinstalliert, in Planegg sind mittlerweile sogar schon die Containerbauten abgeholt worden - was Bürgermeister Nafziger erzürnt. "Ohne eine weitere Rücksprache mit mir oder der Verwaltung" seien die Container "quasi im Eilverfahren" abgebaut worden, so Nafziger. "Alles ist entfernt worden, es gibt nicht einmal mehr die Anschlusskabel."

Dabei habe man gehofft, dass wenigstens noch die weitere Entwicklung der Corona-Lage abgewartet wird. "Die Zahlen steigen rasant, wenigstens für die Booster-Impfungen hätten wir das Zentrum noch gebraucht", sagt Planeggs Bürgermeister. Vor allem auch, weil nicht alle Ärzte im Würmtal die wichtigen Nachimpfungen anböten. "Die Patienten erfahren nichts und müssen sich letztlich um alles selbst kümmern."

"Überhaupt kein Verständnis"

Die Impfzentren hätten hier wichtige Arbeit leisten können. Er habe daher, so Nafziger, "überhaupt kein Verständnis" für die Entscheidung des Landratsamts München, "zumal doch immer kommuniziert worden ist, dass wir die Zentren noch brauchen. Jeder hat gewusst, was auf uns zukommt". Das Planegger Zentrum sei "sehr gut angenommen worden", Tausende von Bürgern seien hier geimpft worden. Dem Freistaat und dem Landkreis bietet der Bürgermeister an, "alles wieder aufzubauen" - wenn man das wolle.

Landrat Göbel verteidigt sich: Das Ende der drei Impfzentren beruhe auf keiner Entscheidung des Landkreises. Vielmehr habe die Staatsregierung angekündigt, die anfallenden Kosten nicht mehr zu übernehmen. Für den Landkreis wäre der Weiterbetrieb nach den Worten des Landrats "viel zu teuer" gewesen. Wenn jetzt ein zweites Impfzentrum errichtet werde, müsse selbstverständlich der Freistaat die Kosten übernehmen.

In Unterschleißheim sollen ungeachtet der Entwicklung in den nächsten Tagen die Container am Volksfestplatz abgebaut werden. Sollte auch im nördlichen Landkreis ein weiteres Impfzentrum benötigt werden, könnten die Stadt und das Rote Kreuz die notwendige Infrastruktur aber wieder aufbauen, sagt der Geschäftsleiter im Rathaus Thomas Stockerl. Dies sei, wie auch das Ende der Impfzentren, aber eine politische Entscheidung. Gerhard Bieber von der Johanniter-Unfallhilfe hat bereits vor wenigen Wochen versichert, "im Bedarfsfall" könne die Organisation schnell ein neues Impfzentrum einrichten.

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