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Coronavirus im Landkreis München:Weitgehend ungefiltert

Forschungsprojekt Luftfilter Klassenzimmer Grundschule Parksiedlung, Oberschleißheim. Klasse 4c mit Lehrerin Lena Negele.

An der Grundschule in der Parksiedlung in Oberschleißheim wird derzeit ein Luftreinigungsgerät getestet.

(Foto: Florian Peljak)

Während in Unterföhring Luftreinigungsgeräte für alle Klassenzimmer und Kitas angeschafft werden, setzen die meisten anderen Gemeinden vor allem auf das Öffnen der Fenster

Von sab müh hilb stä ams

Viele Gemeinderäte beraten derzeit darüber, ob Schulen und Kitas angesichts der Coronapandemie mit Filteranlagen ausgestattet werden, die die Luft von Aerosolen befreien. Die Ergebnisse der Diskussionen fallen ganz unterschiedlich aus. Während etwa Unterföhring großzügig Luftfilter für alle Klassenzimmer und die Kitas anschafft, tun dies andere Kommunen nur für Räume, in denen die Fenster nicht komplett geöffnet werden können. Nur dafür gibt es nämlich eine Förderung. Ein Überblick über Entscheidungen der vergangenen Tage.

Unterföhring

Bereits Anfang Dezember sollen alle Räume in der Unterföhringer Grundschule an der Bahnhofstraße mit Geräten ausgestattet sein, die im bevorstehenden Corona-Winter die Luft in den Zimmern filtern und so das Risiko einer Ansteckung zu reduzieren helfen. Der Gemeinderat hat dafür 68 000 Euro freigegeben - und noch einmal knapp die gleiche Summe für den Kauf von CO₂-Messgeräten sowie Plexiglastrennscheiben. Für die Optimierung der Raumluft im neuen Gymnasium werden 23 000 Euro bereitgestellt.

In Unterföhring aber werden nicht nur die Schulen aufgerüstet, sondern auch alle zehn Kindertagesstätten am Ort. Der Entscheidung, für die insgesamt 61 Räume schnell und unbürokratisch Aerosolfilteranlagen zu kaufen, ist ein Antrag von Elternbeiräten aus fünf Kitas vorausgegangen. Unabhängig davon hätten sich Verwaltung und Gemeinderat bereits Gedanken darüber gemacht, dass man Krippen, Kindergärten und Horte nicht vergessen dürfe, wenn es um Lüfter zu kaufen, sagte Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (Parteifreie Wählerschaft) in der jüngsten Sitzung. Ein Gerät kostet mehr als 3000 Euro, für die jährliche Wartung müssen laut Bürgermeister noch einmal 638 Euro ausgegeben werden.

Alles in allem beläuft sich die Investition zur schnellen Corona-Abwehr in den Kitas auf knapp 244 000 Euro. "Geld, das gut angelegt ist", sagte Kemmelmeyer und bat den Gemeinderat um seine "zustimmende Kenntnisnahme", weil man sonst bis zur Januar-Sitzung warten müsse, um einen offiziellen Beschluss fassen zu können. Weil es aber die Geräte sofort braucht, stimmte das Gremium zu. Die Filteranlagen für die Kitas sind bereits bestellt.

Ottobrunn

Die Gemeinde Ottobrunn wird vorerst auf den flächendeckenden Einsatz von Luftreinigungsgeräten in den Schulen und Kindertageseinrichtungen verzichten. Darauf hat sich der Hauptausschuss des Gemeinderats am Dienstagabend nach intensiver Debatte verständigt. Alle Klassenzimmer und Gruppenräume sollen aber mit sogenannten CO₂-Sensoren ausgestattet werden. Raumlüfter werden in Ottobrunn zunächst nur in jenen Räumen in Schulen und Kitas installiert, in denen ein großflächiges Öffnen der Fenster zum Lüften nicht möglich ist. Dies trifft auf einige wenige Räume in der Grundschule an der Friedenstraße, der Grundschule an der Albert-Schweitzer-Straße, die Großtagespflege Tollhaus, die Villa Kunterbunt sowie den Kindergarten Regenbogen zu.

Bürgermeister Thomas Loderer (CSU) machte deutlich, dass er in den Schulen auf das Stoßlüften setze, um die Virenlast in Klassenzimmern zu senken. "Das ist immer noch die sinnvollste Maßnahme", sagte er. Dem hielt Dietrich Zeh von den Grünen entgegen, auch niedrige Temperaturen stellten ein Risiko für Kinder und Jugendliche dar. Seine Fraktion hätte gerne Luftreiniger in allen Klassen gesehen. Letztlich stimmten aber auch die Grünen dafür, die Lage neu zu bewerten, falls das Lüften den gewünschten Effekt doch nicht erziele.

Unterhaching

Um eine Maskenpflicht für Grundschüler während des Unterrichts aufzuheben, hat die Gemeinde Unterhaching verschiedene Maßnahmen durchkalkuliert, von Trennscheiben bis zu mobilen Filteranlagen. Als es nach dem Schulgipfel Anfang November aber hieß, die Masken bleiben auf, hat die Verwaltung wieder Abstand von solchen Investitionen genommen. So wird an Unterhachings Schule weiterhin gelüftet, wie es das Umweltbundesamt empfiehlt. Denn dies ist sowohl in der Jahnschule als auch in der Grund- und Mittelschule am Sportpark gut möglich. Auch in den gemeindlichen Kindergärten lassen sich die Fenster so öffnen, dass ausreichend frische Luft hinein und verbrauchte hinausströmen kann. Gefördert werden Lüftungsgeräte nur dort, wo das eben nicht funktioniert. Berechnet hat die Verwaltung eine Anschaffung für alle gemeindlichen Schulen und Kitas dennoch und kommt auf einen Gesamtbetrag von 672 754,71 Euro. Würde man in allen Klassenzimmern, nämlich 31 in der Jahnschule, drei in der Mittagsbetreuung und 62 in der Schule am Sportpark Trennscheiben zwischen den Kindern einbauen, käme man auf 612 480 Euro. Was Unterhaching nun aber tatsächlich bestellt hat, sind Messgeräte für das Kohlendioxid, sogenannte CO₂-Ampeln. Die nämlich zeigen an, wann es Zeit wird, die Fenster mal wieder zu öffnen. 75 Stück hat die Gemeinde geordert, für die Jahnschule und die Kitas. Die neue Schule am Sportpark hat eine CO₂-gesteuerte Lüftungsanlage.

Taufkirchen

Die Gemeinde Taufkirchen wird die Mittelschule und die zwei Grundschulen im Ort nicht einheitlich mit mobilen Luftfilteranlagen ausstatten. Das hat der Bauausschuss des Gemeinderats einstimmig beschlossen. Damit orientiere man sich an den Empfehlungen des Umweltbundesamts, betonte Bürgermeister Ullrich Sander (parteifrei). Demnach sei die "allererste Pflicht" das regelmäßige Lüften der Klassenzimmer. Lediglich für Räume, in denen dies nicht möglich sei, sollen Luftreinigungsgeräte angeschafft werden. In einer ersten Gesamtschau habe man keine solchen Räume entdeckt, sagte Sander. "Derzeit wird das noch im Einzelnen Raum für Raum untersucht."

Sollte sich dabei ein Bedarf an Luftfilteranlagen ergeben, so würden diese "definitiv nicht 2020 kommen", sagte Sander mit Blick auf die große Nachfrage. "Die Lieferzeiten sind da ein bisschen länger." Wobei der Einsatz solcher Geräte durchaus umstritten ist. "Wenn ich mir anschaue, was das Umweltbundesamt sagt, dann macht es gar keinen Sinn, solche Geräte anzuschaffen, wenn gelüftet werden kann", sagte Sander. Anders bewertet der Rathauschef dagegen den Einsatz von CO₂-Messgeräten. Von ihnen habe er 135 Stück für die drei Schulen in Taufkirchen bestellt sowie 13 weitere für den Einsatz in öffentlichen Räumen. Die Kosten liegen bei fast 25 000 Euro, wobei ein Zuschuss von gut 6000 Euro in Aussicht steht. Laut Sander sollen die Geräte noch vor den Weihnachtsferien geliefert werden.

Kirchheim

Auch in den Klassenzimmern der Kirchheimer Grundschulen sollen künftig CO₂-Messgeräte dabei helfen, den richtigen Zeitpunkt zum Lüften zu erkennen. Bereits in der vergangenen Sitzung des Gemeinderats war über die Anschaffung der Geräte diskutiert worden, nun hat der Bauausschuss dem Kauf zugestimmt. Mit einem Ampelsystem zeigen die Messer an, wie hoch der CO₂-Gehalt in der Luft ist - spätestens, wenn ein rotes Licht leuchtet, sollte gelüftet werden. Bei dem Gerätemodell, für das sich der Kirchheimer Bauausschuss entschieden hat, sind die Grenzwerte voreingestellt. Mit einem kommenden Update, so die Verwaltung, könne man sie jedoch manuell ändern. Der Kauf der Geräte für die 30 Klassenzimmer wird mit etwa 3555 Euro gefördert, knapp 1995 Euro muss die Gemeinde selbst zahlen.

Der geringe Preis überzeugte Franz Graf (CSU), der jedoch den Nutzen der Geräte skeptisch beurteilte. Seiner Ansicht nach spielt bei der Übertragung des Virus das Verhalten der Kinder vor und nach dem Unterricht eine größere Rolle als die Luft im Klassenzimmer. Gerd Kleiber (Volt) widersprach dieser Aussage: "Es gibt schon eine Korrelation zwischen der Viruslast und dem CO₂-Gehalt in der Luft." Die Messgeräte könnten eine Unterstützung sein, "mehr aber auch nicht." Den voreingestellten Grenzwert der Ampel hielt Stephan Keck (SPD) für zu hoch, das rote Licht müsse bereits früher leuchten. Die Angabe, das Update könne dieses Problem lösen, hielt er für zu vage: "Ich weiß ja nicht, wann dieses Update kommt." Keck stimmte schließlich als einziges Ausschussmitglied gegen den Kauf.

© SZ vom 20.11.2020
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