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Coronavirus im Landkreis München:Nervenkrieg um Impfstoffe

Begehrter Stoff: Im Landkreis treffen immer noch viel zu wenige Dosen mit Corona-Vakzin ein.

(Foto: Claus Schunk)

Mehr als 11 000 Landkreisbürger wurden immunisiert. Aber: "Wir wissen nicht, wann welcher Impfstoff eintrifft und wie viel davon", sagt Landrat Göbel. Inzwischen bestehen 19 Verdachtsfälle auf Corona-Mutanten.

Von Martin Mühlfenzl, Landkreis

Die britische Variante des Coronavirus mit der Bezeichnung B 1.1.7 breitet sich im Landkreis aus. Mittlerweile seien zwölf Infizierte als "dringende Verdachtsfälle" mit der Mutante einzustufen, teilte Landrat Christoph Göbel (CSU) am Freitag in seiner wöchentlichen Video-Pressekonferenz mit. Insgesamt gebe es sogar bei 19 nachgewiesenen Ansteckungen den Verdacht auf eine Mutation. Die Dunkelziffer dürfte aber auch im Landkreis München höher liegen, da nicht alle Ansteckungen mit dem Coronavirus in den Laboren auf mögliche Mutanten hin sequenziert werden. Es handle sich mit Blick auf die Mutationen um eine "sehr dynamische Entwicklung", warnte Göbel.

Als "beruhigend" bezeichnete der Landrat hingegen die Lage in den Altenheimen, die sich deutlich entspannt. Stand Freitag waren nur noch 15 Bewohner und zehn Mitarbeiter in sieben Alten- und Pflegeeinrichtungen infiziert. Um die Menschen in den Einrichtungen auch weiterhin schützen zu können, werden von Montag an zehn weitere Soldaten der Bundeswehr bei Testungen in den Heimen helfen und die schon zwölf im Dienst befindlichen Kameraden unterstützen.

Freiwillige sollen für Tests angefragt werden

Auch sollen über die Bundesagentur für Arbeit Freiwillige angefragt werden, die helfen könnten bei Testungen in Heimen, die dies personell nicht mehr stemmen. Grundsätzlich, so Göbel, sei die Infektionslage im Landkreis "einigermaßen stabil", allerdings immer noch auf zu hohem Niveau. "Es ist bemerkenswert. Der Wert hat sich um die 50 eingependelt, aber er geht einfach nicht runter", sagt der Landrat bezogen auf die Sieben-Tage-Inzidenz. Am Freitag stieg sie wieder über die 50er-Marke und lag bei 52,2, am Samstag lag sie bei 51,1.

Trotz noch immer zu geringer Mengen an Impfstoff schreitet die Impfkampagne im Landkreis voran. Insgesamt wurden bisher 11 293 Landkreisbürger geimpft, 6921 von ihnen haben bereits den vollständigen Schutz mit dem zweiten Pikser erhalten. In allen 42 Alten- und Pflegeheimen des Landkreises waren die Impfteams bisher aktiv, in den Einrichtungen haben mittlerweile 4553 Bewohner und Mitarbeiter ein Vakzin erhalten.

Für kommende Woche sind mehrere Chargen mit neuen Seren angekündigt, 3360 Dosen des Impfstoffs von Biontech/Pfizer sollen im Landkreis eintreffen sowie 1500 Dosen des britisch-schwedischen Herstellers Astra Zeneca. Auf die angekündigten 700 Dosen des US-Unternehmens Moderna will sich Göbel indes nicht verlassen; schon einmal habe eine Charge des Herstellers nicht wie versprochen den Landkreis erreicht.

Gegen den Impfstoff von Astrazeneca gibt es Vorbehalte

"Das Problem ist: Wir wissen nicht, wann welcher Impfstoff eintrifft und wie viel davon", sagte Göbel. Daher sei es nicht möglich, Prognosen über den Fortschritt zu erstellen. "Aber wir haben Signale bekommen, dass ab Ende März sehr viel mehr Impfstoff eintreffen wird - einige tausend Dosen pro Tag." Dann müssten die Kapazitäten in den vier Impfzentren sowie der mobilen Impfteams deutlich hochgefahren werden.

Bisher könnten - bei voller Auslastung und ausreichend Vakzinen - in jedem Zentrum 350 Menschen am Tag geimpft werden. Zudem hat Göbel alle Kommunen angeschrieben, um vor Ort einmal im Monat einen Impftag anbieten zu können. Unterföhring wirbt bereits für das Angebot, um Menschen zu unterstützen, die nicht mobil genug sind, um selbst in ein Impfzentrum zu gelangen.

Dass es gerade gegen den Impfstoff des britischen Herstellers Astra Zeneca Vorbehalte gibt, weil dieser nicht an über 65-Jährige verimpft werden darf, wisse er, sagte Göbel. Einen Impfstoff aussuchen dürfe man sich aber nicht. "Man kann die Impfung mit einem bestimmten Serum aber ablehnen. Wann man dann einen zweiten Termin bekommt, weiß ich nicht." Göbel appellierte in diesem Zusammenhang an Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU), jedem Impfwilligen vorab mitzuteilen, welches Vakzin für ihn vorgesehen ist. Ansonsten würden, wenn ein Serum abgelehnt wird, in den Impfzentren Kapazitäten gebunden - personelle und zeitliche. Beim Impfen aber gehe es auch um die Geschwindigkeit.

© SZ vom 13.02.2021
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