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Coronavirus im Landkreis München:Daten-Panne behoben, Lage entspannt sich

Nach der fehlerhaften Software-Umstellung im Landratsamt hat man sämtliche Fallmeldungen überprüft und ein neues Computerprogramm installiert. Laut Landrat Göbel werden sich die Zahlen von Gesundheitsamt und Robert-Koch-Institut auf niedrigerem Niveau angleichen

Von Martin Mühlfenzl, Landkreis

Das Landratsamt hat die Datenpanne bei der Erfassung von Coronainfektionen behoben und liefert eigenen Angaben zufolge wieder korrekte Fallzahlen. Zudem weist die Behörde seit Mittwoch wieder aufgeschlüsselte Infektionszahlen bezogen auf die 29 Städte und Gemeinden sowie die betroffenen Altersgruppen auf. Nach der Bereinigung von mehr als 10 000 Datensätzen in den vergangenen zehn Tagen, die nach einer fehlerhaften Systemumstellung bei der Datenerfassung in der Behörde notwendig geworden war, zeichnet sich Berechnungen des Landratsamtes zufolge zudem ab, dass die wichtige Sieben-Tage-Inzidenz derzeit deutlich niedriger liegt, als der vom Robert-Koch-Institut (RKI) offiziell angegebene Wert.

Mit Umstellung auf das bundesweit einheitliche Meldesystem Demis des RKI hatten Anfang des Jahres die Probleme im Landratsamt begonnen; es vertrug sich nicht mit der vom Landratsamt verwendeten Software Äskulab. Die Folge waren zahlreiche Dubletten bei der Datenerfassung und stark schwankende Infektionszahlen. Mittlerweile ist die Behörde intern auf das System Survnet umgestiegen, das offenbar besser mit Demis harmoniert - dennoch mussten alle Datensätze händisch nachkontrolliert werden, um doppelt erfasste oder falsche Angaben aus der Statistik zu entfernen. Dies ist seit Mittwoch abgeschlossen.

Dennoch weichen die Zahlen des Landratsamtes, des Bayerisches Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und des RKI weiter voneinander ab. Am Dienstag hatte zudem die Meldung des LGL über mehr als 500 Neuinfektionen binnen eines Tages für den Landkreis München starke Irritationen hervorgerufen. Sowohl das LGL als auch Landrat Christoph Göbel (CSU) bestätigten, dies liege daran, dass der Landkreis an den beiden Tagen zuvor keine Fallzahlen an das Landesamt gemeldet hatte. Die hohe Zahl an erfolgten Nachmeldungen und auch Dubletten sei für den Ausreißer nach oben in der LGL-Statistik verantwortlich gewesen.

Das RKI meldete am Mittwoch für den Landkreis eine Inzidenz von 191,2 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner, das LGL sah sie bei 181,2 und das Landratsamt gab sie - anhand der bereinigten Daten - für den Zeitraum vom 13. bis 20. Januar mit einem Wert von 166,9 bei 585 Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen an.

Korrekt sei die Angabe seiner Behörde, sagt Landrat Göbel. "Wir haben die Namen und auch die Adressen der Betroffenen und wissen auch, wann sie sich infiziert haben." Zudem entspreche die nun festgestellte Inzidenz den Werten und der Entwicklung in den Nachbarlandkreisen. "Wenn wir nach oben ausreißen würden, wäre das nicht plausibel", so Göbel. Im Wert des RKI seien noch Bestände an mehrfach übermittelten Datensätzen. Dennoch stellt weiterhin die Inzidenz des RKI den maßgeblichen Wert etwa für weitere Einschränkungen und Maßnahmen dar.

Die Abweichungen zwischen den Werten des Landratsamtes, des LGL und des RKI haben noch einen weiteren Grund: die Meldekette. Seit 1. Januar meldet ein Labor, das einen positiven Befund hat, diesen dem RKI, dort werden alle Corona-Fälle für die einzelnen Landkreise und kreisfreien Städte gebündelt - als sogenannte Rohdaten. Diese unsortierte und ungeprüfte Datensammlung wird im Anschluss vom Landratsamt übernommen und komplett kontrolliert, fehlerhafte Datensätze werden entfernt. Ist dies abgeschlossen, geht der Datensatz an das LGL und von dort wieder zurück an das RKI. "So entsteht der Wert", erklärt Landrat Göbel die Informationskette vom RKI zum RKI. Mögliche Fehlerquellen seien vielfältig. Ein Beispiel: Wird etwa "Herr Maier" positiv auf Corona getestet, muss er innerhalb von fünf Tagen erneut zum Test; wird er dann aus Versehen als "Herr Meier" vom Labor erfasst, entsteht ein doppelter Datensatz, der zunächst ungeprüft beim RKI landet.

Die Zahlen können sich aber auch auf dem Weg vom Landratsamt über das LGL zum RKI noch einmal verändern. Wenn etwa ein Bürger aus dem Landkreis München während seines Besuchs bei der Großmutter in Castrop-Rauxel positiv getestet werde, tauche er bei Überprüfung der Meldeadresse zunächst beim LGL in der Statistik auf und verspätet dann beim Landratsamt, erklärt der Landrat. "Dann meistens als Altfall."

Die Werte bei der Sieben-Tage-Inzidenz von Landratsamt, LGL und RKI werden sich nach den Worten Göbels in den nächsten paar Tagen wegen der nun bereinigten Zahlen angleichen; zudem sei der Trend zu erkennen, dass die Infektionszahlen grundsätzlich eher zurückgingen, als das sie stiegen. "Wenn auch auf immer noch viel zu hohem Niveau", so Göbel. Dennoch sei er froh, dass die Datenpanne ausgestanden sei. Oberste Priorität habe die Gesundheit der Menschen und deren Vertrauen in Politik und Verwaltung.

Von Dienstag auf Mittwoch meldete das Landratsamt 96 dokumentierte Neuansteckungen (Stand: 15 Uhr), tags zuvor waren es 124. Die meisten neuen Fälle wurden aus Haar gemeldet, dort wurden 16 Neuansteckungen registriert, in Höhenkirchen waren es 14. Aktuell sind 603 Menschen infiziert. Die Gesamtzahl der Ansteckungen hat die 10 000er-Marke übersprungen und liegt bei 10 057. Seit 26. März 2020 wurden 161 Todesfälle mit einer Covid-19-Erkrankung gemeldet.

© SZ vom 21.01.2021
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