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Coronavirus im Landkreis:Der Turbo lässt auf sich warten

Die Inzidenz ist momentan niedrig, doch Impfstoff weiterhin knapp

Von Iris Hilberth, Landkreis

Die Infektionszahlen sind seit Tagen niedrig, die Sieben-Tage-Inzidenz aktuell auf einen Tiefstwert von 13,1 gefallen. Das sei "stabil und sehr erfreulich", findet Landrat Christoph Göbel (CSU). Und doch mahnt er weiterhin zur Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln und erteilt Eltern, die ein Ende von Maskenpflicht und Schnelltests an Schulen fordern, eine Absage. Grund sind die Virus-Mutanten. Neben der britischen Version ist offenbar nun auch die indische Corona-Mutante im Landkreis auf dem Vormarsch. Nach einem Fall vergangene Woche sind drei weitere Personen mit dieser sogenannte Delta-Variante infiziert. Die ist wesentlich ansteckender als ihre Vorgänger und könnte schnell die aktuell niedrigen Zahlen nach oben treiben.

Auch in anderen Landkreisen scheint die indische Variante immer mehr um sich zu greifen, berichtet Göbel, der solche Informationen regelmäßig mit seinen Landratskollegen austauscht. "Die Variante wird möglicherweise zunehmen, es werden wieder mehr Fälle auftreten", befürchtet er. Aktuell sieht es noch gut aus. In den Schulen ist derzeit eine Klasse betroffen, dazu sind vier Kitas betroffen mit sieben Infizierten. Auch in den Pflegeeinrichtungen ist die Lage ruhig, es gibt aktuell nur einen Fall unter den Bewohnern und zwei Infizierte unter Mitarbeitern. In den kommenden Sommermonaten sieht Göbel die Gefahr der Ausbreitung als gering an, doch rechnet er für Herbst bereits wieder mehr Infektionen. "Wir haben keine so hohe Impfquote, dass wir dann eine Herdenimmunität haben", sagte er bei einem Online-Pressetermin am Donnerstagnachmittag. Auch der Leiter des Gesundheitsamts, Gerhard Schmid, geht davon aus, "dass wir eine Dominanz der Delta-Variante erleben", ähnlich wie mit der britischen Mutation. Er ist überzeugt: "Hätten wir es nur mit der Ursprungsform zu tun, würde es uns jetzt besser gehen."

Vor allem lässt der versprochene "Impfturbo" weiter auf sich warten. Diese Woche hat das Landratsamt gerade mal 3278 Impfdosen für seine Impfzenten erhalten. Für kommende Woche sind 6 918 Impfdosen angekündigt. Das ist nicht besonders viel Stoff, der noch dazu ausschließlich für Zweitimpfungen vorgesehen ist. Wie Göbel erläuterte, wird in ganz Bayern für die Impfzentren aktuell nur so viel ausgeliefert, wie Zweitimpfungen anstehen. Der Rest geht an die niedergelassenen Ärzte. Wann in den Impfzentren wieder Erstimpfungen angeboten werden können, steht noch nicht fest. "Es gibt keine genauen Angaben, es ist furchtbar", so der Landrat. Weiterhin soll in den Zentren ausschließlich nach Priorisierung geimpft werden.

Wer bereits zwei Mal in einem Impfzentrum seine Spritze gegen Corona erhalten hat, wird "relativ schnell" auch einen digitalen Impfnachweis erhalten, versprach Göbel. Dazu sei es wichtig, seinen Account beim Registrierungsportal Bayimco auf keinen Fall zu löschen. Denn dort wird demnächst der Nachweis als QR-Code hinterlegt, um ihn mit einer heruntergeladenen App auf dem Smartphone zu speichern. Wie dieses Prozedere nach Impfungen bei niedergelassenen Ärzten laufen soll, steht laut Landratsamt noch nicht genau fest. "An einer Lösung wird gearbeitet", sagte Ines Neupert vom Gesundheitsamt. Löschen soll man seinen Bayimco-Account jedoch weiterhin dann, wenn man dort angemeldet ist, aber in einer Arztpraxis geimpft wurde.

© SZ vom 11.06.2021
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