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Coronavirus im Landkreis:Corona-Ausbruch in Altenheim

Landratsamt meldet seit Montag 329 Neuinfektionen

Von Sabine Wejsada, Pullach

Die Kurve der Neuinfektionen mit dem Coronavirus zeigt im Landkreis München weiter steil nach oben: So haben sich nach Angaben des Gesundheitsamtes seit Montagnachmittag weitere 329 Menschen angesteckt, aktuell sind 729 Personen infiziert (Stand: Mittwoch, 14 Uhr). Damit gibt es seit Meldung des ersten Falls Anfang Februar insgesamt 9445 bestätigte Infektionsfälle, 8562 Landkreisbürger gelten als statistisch genesen, 146 Frauen und Männer haben im Zusammenhang mit Covid-19 ihr Leben verloren. Erst am Dienstag meldete das Landratsamt, dass ein Mann Ende 60 gestorben ist. Den Inzidenzwert gab das Robert-Koch-Institut (RKI) am Mittwochmorgen mit 174,3 an. Die wichtige Kennzahl beschreibt, wie viele Menschen sich bezogen auf 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen mit dem Coronavirus angesteckt haben und ist ein Indikator für die Ausbreitung der Pandemie.

Einen großen Corona-Ausbruch gibt es im Pullacher Altenheim "Haus am Wiesenweg". Dort sind mindestens 26 Personen infiziert, betroffen sind Bewohner und Beschäftigte, wie Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grüne) am Mittwochmittag berichtete, mehr als zehn alte Menschen sind mittlerweile gestorben. Am Dienstag hatte das Landratsamt allein aus Pullach 18 Neuansteckungen gemeldet, am Mittwoch kamen noch einmal zwölf dazu. Der Anstieg der Zahlen ist laut Tausendfreund auf Infektionen in der Senioreneinrichtung zurückzuführen. Dort habe sich bereits um Weihnachten herum gezeigt, dass mehrere Bewohner infiziert gewesen seien, sodass ein Besuchsverbot erlassen wurde. "Viele Monate hatten wir großes Glück. Während etliche Einrichtungen rundherum bereits mit Corona-Fällen in ihren Häusern zu kämpfen hatten, waren unsere beiden Alten-/Pflegeheime lange verschont geblieben", schriebt die Bürgermeisterin an den Gemeinderat. "Es wird alles getan, um das Virus so schnell wie möglich wieder aus der Einrichtung zu bekommen und erkrankte Bewohnerinnen und Bewohner bestmöglich bei der Genesung zu unterstützen." Das Haus wird vom Paritätischen Wohlfahrtsverband betrieben und befinde sich aktuell quasi in "Eigenquarantäne", so Tausendfreund zur SZ.

Offenbar ist aktuell auch ein Altenheim in Oberhaching betroffen. Für die Gemeinde meldete das Landratsamt seit Montagnachmittag allein 37 dokumentierte Neuansteckungen; die meisten davon stehen nach Angaben einer Sprecherin im Zusammenhang mit einem Ausbruch in einer größeren Einrichtung. Auch in anderen Kommunen gibt es eine Vielzahl von Infektionen: 28 Neuansteckungen sind in den vergangenen zwei Tagen in Garching dazugekommen, je 26 in Unterschleißheim und in Neubiberg. 21 neue Infektionen weist die Statistik für Ottobrunn aus, 19 für Ismaning sowie jeweils 17 für Oberschleißheim und Unterhaching.

Wie sehr die Pandemie schon zu Jahresbeginn die Planungen von Kommunen für Frühling und Sommer beeinträchtigt, zeigt das Beispiel von Unterschleißheim: Dort wurden bereits die Gewerbeschau im April, das Volksfest an Pfingsten und der Jahrmarkt im Juni abgesagt. Der Volksfestplatz in Unterschleißheim dient bis auf Weiteres als Standort für ein Corona-Impfzentren. Und aus Spargründen könne der Mehraufwand für die nötigen Hygienemaßnahmen bei größeren Open-Air-Veranstaltungen nicht geleistet werden, heißt es aus dem Rathaus.

© SZ vom 07.01.2021
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