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Gastronomie:Protest mit Tisch und Bett

Wirte-Protest: Vater Ulli und Sohn Jakob Portenlänger bei der Aktion auf dem Grünwalder Marktplatz.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Ulli Portenlänger vom Alten Wirt in Grünwald fordert mit Kollegen eine Öffnungsperspektive für Restaurants und Gaststätten.

Von Claudia Wessel, Grünwald

Ein fein gedeckter Tisch steht auf dem Marktplatz in Grünwald. Filigrane Weingläser stehen neben edlen Porzellantellern, Stoffservietten sind liebevoll gefaltet - man möchte sich an diesem sonnigen Mittag sofort dort niederlassen und im Bio-Restaurant Alter Wirt eine vegane Lauchcremesuppe mit gerösteten Mandelblättern, Kartoffelrösti an geschmortem Spitzkraut mit geräuchertem Tofu und Gemüsejus bestellen und zum Dessert einen ofenfrischen Kaiserschmarrn mit hausgemachtem Apfelmus. Sich dann zurücklehnen und genüsslich bedienen lassen.

Doch Hinsetzen ist verboten. Die Gastronomie ist noch immer im Lockdown und protestiert an diesem Montagmittag deutschlandweit mit der Aktion "Gedeckter Tisch - Gastgewerbe fordert Öffnungsperspektive". Der Termin wurde mit Absicht zwei Tage vor dem Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten der Länder am Mittwoch angesetzt. Der Inhaber des Alten Wirts am Marktplatz in Grünwald, Ulli Portenlänger, und sein Sohn Jakob stehen neben der Protest-Installation, zu der auch noch ein frisch bezogenes Bett gehört, denn im Alten Wirt kann man auch übernachten. Vater und Sohn erläutern Passanten, um was es ihnen geht. "Alles ist leer und wir wissen nicht, wie es weitergeht", sagt Ulli Portenlänger. Das sei besonders dramatisch für die Mitarbeiter, die sich in Kurzarbeit befinden. "Davon in der Region München zu leben, ist nicht einfach." Einige Mitarbeiter hätten auch bereits die Branche gewechselt. Vier Monate ohne die tägliche Praxis "am Gast", das bedeute auch, dass man das Personal, vor allem die Auszubildenden, bei einem Wiederanfang neu schulen müsse. Auch die Köche müssen sich dann wieder umstellen auf andere Gerichte, die es jetzt beim "To-go-Betrieb" nicht gibt, etwa Soufflé. "So etwas kann man nicht liefern, das wird so zubereitet, dass es direkt an den Tisch kommt", sagt Portenlänger. Daher müsse man auch die Köche teilweise wieder schulen.

Immerhin sei jetzt gerade die Novemberhilfe gekommen, berichtet der Wirt. Aber es gebe noch andere Kosten, etwa die Investition in ein neues Kassensystem, das 40 000 Euro gekostet habe und abgezahlt werde müsse. Mit all dem könnte man fertig werden, sagt Portenlänger, wenn man eine Perspektive hätte. Am liebsten natürlich ein genaues Datum, aber das müsse nicht sein. Aber eine deutliche Ansage. Man hoffe auf jeden Fall, die schöne Frühjahrssaison noch mit Gästen auf der Terrasse erleben zu dürfen. Das Hygienekonzept sei schließlich vorhanden und erfolgreich gewesen.

© SZ vom 02.03.2021
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