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Corona-Kapelle:Zuständig für Geld und Seuchen

Seit dem Ausbruch der Pandemie kommen auch Besucher von weiter her zur Kapelle St. Corona bei Arget.

(Foto: Claus Schunk)

In Arget bei Sauerlach steht eine Kapelle, die der heiligen Corona geweiht ist. Am 20. Februar ist ihr Namenstag.

Von Michael Morosow, Sauerlach

In der größten Not erinnern sich die Geplagten auch heute noch ihrer Heiligen und bitten sie um Beistand. Da nun schon seit einem Jahr ein gefährliches Virus um die Welt zieht, steht derzeit eine Heilige hoch im Kurs, die wohl keinen direkten Einfluss auf Inzidenzwerte nehmen, aber den Gläubigen Trost spenden und somit segensreich wirken kann: die heilige Corona. Wer ihr ganz nahe sein will, der muss sich nach Arget begeben, durch ein kleines Waldstück wandern, und dann steht sie vor ihm, eine kleine, schmucke Kapelle, erbaut 1672, errichtet zu Ehren jener Heiligen, die als Patronin des Geldes, der Fleischer und Schatzgräber gilt und laut Heiligenlexikon auch als Schutzpatronin gegen Seuchen. "Auch gegen Zahnweh soll sie helfen", sagt Helmut Berthold, der Ortschronist im Sauerlacher Ortsteil Arget. Er pflegt seit Jahren die alte Kapelle, räumt Kerzenstumpen weg oder verwelkte Blumen neben den bunten Votivtafeln, auf denen Gläubige meist um die Heilung ihrer Liebsten bitten oder sich für deren Genesung bei der Heiligen bedanken.

Gewöhnlich erinnert man sich der Heiligen in jedem Jahr nur am 14. Mai, ihrem Patrozinium, wenn bei der Kapelle eine Messe gelesen wird. "Seit Corona ist hier mehr los", berichtet Berthold, und die Leute kämen teils von weit her, was sich am Parkplatz davor an den Autokennzeichen ablesen lasse, "bis aus Weilheim, Rosenheim, Ebersberg", sagt der Ortschronist. Die Menschen rufen die Heilige freilich nicht wegen Zahnschmerzen an, Corona soll Corona vertreiben. An diesem Samstag werden wohl wieder mehr Kerzen in der Kapelle entzündet, wird doch der Namenstag der Heiligen gefeiert, von deren Leben weniger bekannt ist als von ihrem Sterben, das grausam gewesen sein soll. Im Alter von gerade einmal 16 Jahren wurde sie der Legende nach ihres Glaubens wegen im Jahr 175 in Syrien oder Ägypten zum Tode verurteilt und daraufhin zwischen zwei Palmen festgebunden. Ihr Körper wurde in Stücke gerissen, als beide Palmen auseinander schnellten.

Nun aber liegt Arget weit weg von Afrika und Vorderasien und da drängt sich die Frage nach dem Motiv für den Kapellenbau im Sauerlacher Ortsteil auf. Die Gemeinde-Archivarin Brigitte Meyer hat dazu im Mai 2020 für das Gemeindeblatt aus der Akte der Hofmark Ebersberg-Taufkirchen zitiert: "Zugetragen hatte sich, dass ein geschnitztes 'Pildnus' (Bildnis) in einer 'hilzenen Hittl' (hölzernen Hütte) über 40 Jar gestanden, und immer wenn es von dort aus dem Wald in die Pfarrkirche getragen worden war, gelangte es 'gleich ohn menschliches Zuetun bald iderumb an iren alten Orth des Hittlein' zurück. Für dieses wundersame Rückkehr wid anstelle der einfchen Hütte 'ain Capel oder Pettherisl' Gebetshaus errichtet, die St. Korona Capelle."

1807 wird sie abgerissen, weil es der Pfarrer satt hatte, dass die Leute dem Gottesdienst fernblieben und am Gedenktag am 14. Mai die Burschen dafür umso mehr sauften und rauften. Mit den Steinen baut sich der Argeter Wirt ein Gasthaus, hat damit kein Glück und schiebt die Schuld Corona in die Schuhe. Mit den Steinen wird die Kapelle wiederaufgebaut.

© SZ vom 20.02.2021
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