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Corona-Pandemie:Gerüstet für die zweite Welle

Auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie herrschte in mobilen Teststationen wie in Haar fast durchgängig Hochbetrieb.

(Foto: Claus Schunk)

Binnen weniger Stunden kann der Landkreis die Testkapazitäten massiv hochfahren, sollten sich die Infektionszahlen erhöhen. Die Lagerbestände an Schutzkleidung reichen selbst ohne Nachschub für mehrere Monate. Sorge bereiten hingegen die Urlaubsrückkehrer.

Von Martin Mühlfenzl

Es ist ein Szenario, das sich niemand wünscht - auf das sich die Verwaltung im Landratsamt aber tagtäglich intensiv vorbereitet: In nur acht bis zwölf Stunden könnten die allermeisten der momentan stillgelegten Testzentren in den 29 Städten und Gemeinden des Landkreises wieder hochgefahren werden und in Betrieb gehen. "Im Bedarfsfall" heißt es aus dem Landratsamt, was nichts anderes als eine Umschreibung für eine zweite Welle an Neuinfektionen mit dem Coronavirus ist, für die sich die Behörde so gut wie möglich zu wappnen versucht.

Verändert hat sich das Infektionsgeschehen bereits in den vergangenen Wochen. Schleichend mussten sich die Menschen im Landkreis von der Illusion verabschieden, eine komplette Rückkehr zur Normalität sei bereits Realität. Vor etwas mehr als fünf Wochen rutschte die Zahl der aktuell Erkrankten nach Monaten wieder in den einstelligen Bereich - seit zwei, drei Wochen aber steigen die Zahlen wieder leicht an.

In der vergangenen Woche lag Zahl der Erkrankten kontinuierlich bei mehr als 20 Personen, am Freitag vermeldete das Gesundheitsamt insgesamt 24 Erkrankungen mit Covid-19. Es scheint so zu sein, dass die Sommerferien einen nicht unerheblichen Anteil daran haben - und haben werden. Das bestätigt auch Gerhard Schmid, Leiter des Gesundheitsamtes im Landratsamt, gleichwohl sich seinen Worten nach nicht pauschal beantworten lässt, ob Urlaubsrückkehrer ein besonderes Risiko darstellen.

Aber Schmid sagt: "Ich gehe davon aus, dass die Infektionen vor allem durch Reiserückkehrer in der kommenden Zeit noch weiter zunehmen werden." Dies lasse sich an der sogenannten Sieben-Tage-Inzidenz beobachten, erläutert Schmid, "die schon mal bei 0,9 lag und sich nun wieder zwischen vier und fünf bewegt."

Entscheidend ist nicht nur das Reiseziel, sondern auch das individuelle Verhalten der Urlauber

Zwei Aspekte spielten eine besondere Rolle: Das Reiseziel und die Verhaltensweise der Urlauber. Einfach ausgedrückt: "Findet der Urlaub in einem Risikogebiet statt, ist die Wahrscheinlichkeit sich zu infizieren deutlich höher als in einem Land mit geringerem Infektionsgeschehen", sagt Schmid. Auch im Urlaub sollten die Menschen daher weiter auf die sogenannten "AHA-Regeln" achten: Abstand, Hygiene, Alltagsmasken. Denn, so Schmid, manch einer halte sich nicht mehr so strikt an die Hygieneregeln.

Umso wichtiger war und ist es Landrat Christoph Göbel (CSU) und der Verwaltung im Landratsamt, auch nach der Aufhebung des Katastrophenfalls Mitte Juni alle Strukturen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie im Landkreis so weit wie möglich aufrecht zu erhalten. Die Verwaltung und das Gesundheitsamt stünden weiter in engem Kontakt mit den Hausärzten; zudem arbeite der im Katastrophenfall als Versorgungsarzt eingesetzte Oberhachinger Mediziner Oliver Abbushi weiterhin für das Landratsamt, heißt es aus der Verwaltung. "Die Zusammenarbeit hat sich in den vergangenen Monaten bewährt, sodass er auch weiterhin das Bindeglied zu den niedergelassenen Ärzten bildet und hier beratend und koordinierend tätig ist."

Denn wenn es um Testungen geht, stehen derzeit die Hausärzte besonders im Fokus - neben den wenigen momentan noch im Betrieb befindlichen Testzentren. Die Testkapazitäten, heißt es aus dem Landratsamt, seien derzeit ausreichend. Die Behörde verweist auf die momentan geltende Vorgehensweise: Will sich ein Bürger testen lassen, wendet er sich telefonisch an seinen Hausarzt oder einen anderen niedergelassenen Arzt.

Hierbei hilft die Ärzte-Suche der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (Homepage: www.kvb.de), mit der nach Ärzten in der Umgebung gefiltert werden kann. Der kontaktierte Arzt wird anschließend die Testung entweder in einer Praxis oder in einem Testzentrum organisieren. Im Hintergrund, macht das Landratsamt noch einmal deutlich, werde aber zeitgleich weiter in enger Absprache mit den Kommunen an einem "umfassenden Testkonzept" gearbeitet, falls die zweite Welle doch noch über den Landkreis München hinwegschwappen sollte.

Laufend und in Echtzeit wird zudem durch die sogenannte Rettungsleitstelle die Bettenkapazität in den Krankenhäusern überwacht. Innerhalb des Rettungszweckverbandes der Landeshauptstadt und des Landkreises sei die Ausstattung mit Krankenhausbetten sehr gut, das habe sich auch auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie gezeigt: Trotz hoher Fallzahlen und weiter steigender Erkrankungen mit Covid-19 im Landkreis sei es zu keinem Zeitpunkt notwendig gewesen, auf Notkrankenhäuser auszuweichen - obwohl entsprechende Planungen vorlagen, auf entsprechende Engpässe bei der Versorgung von Patienten hätte also immer reagiert werden können.

Besonderer Schutz für Heimbewohner

Mit Blick auf steigende Infektionszahlen trifft die Verwaltung im Landratsamt auch Maßnahmen, um Bewohner und Mitarbeiter in Alten- und Pflegeheimen zu schützen. Hierzu zählen etwa präventive Reihentests mit Vertragsärzten der Kassenärztlichen Vereinigung in allen Einrichtungen. Bereits vor Wochen wurden die Einrichtungen mit detaillierten Informationen zur Einreise-Quarantäneverordnung versorgt, um Mitarbeiter vor der Abreise in den Urlaub in Kenntnis zu setzen.

Dies habe sich in einigen Fällen bereits als hilfreich erwiesen, da auch im Landkreis bereits Mitarbeiter nach ihrem Urlaub positiv getestet worden seien und somit keinen Kontakt zur Einrichtung hatten. Auch können Alten- und Pflegeheime von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und bei steigenden Infektionszahlen etwa das Besuchsrecht einschränken. Auch für Geflüchtete, die in Einrichtungen des Landkreises und der Regierung von Oberbayern untergebracht sind, wurden Vorkehrungen getroffen, die sich bewährt haben: So gibt es zwei bestehende Ausweichunterkünfte in Haar und Unterhaching, die infizierte Schutzsuchende und Kontaktpersonen aufnehmen können.

Entspannt hat sich die Situation bei der Beschaffung von Schutzkleidung. Allerdings liegen die Preise mittlerweile deutlich höher als vor der Corona-Krise. Zur Vorbereitung auf eine zweite Welle hat der Landkreis seine Lagerbestände aufgefüllt, sodass selbst mehrere Monate ohne Nachschub überbrückt werden können.

© SZ vom 10.08.2020/wkr

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