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Pandemie:Corona-Todesfall in Pflegeheim

Hygienevorkehrungen in Altenheim in München wegen Corona-Virus, 2020

Bewohner von Alten- und Pflegeheimen sind besonders gefährdet, an einer schweren Form von Covid-19 zu erkranken.

(Foto: Florian Peljak)

In Ismaning stirbt eine Bewohnerin an der Infektionskrankheit. Neun weitere Bewohner und acht Mitarbeiter sind infiziert. Unterdessen gehen die Bestände an Schutzkleidung in Senioreneinrichtungen zu Ende.

Im Landkreis München gibt es den ersten Todesfall infolge einer Infektion mit dem Coronavirus. In der Nacht auf Donnerstag ist in einem Ismaninger Pflegeheim eine "hoch betagte Bewohnerin" gestorben, wie Landrat Christoph Göbel (CSU) in einer Pressekonferenz am Mittag mitteilte. Nähere Angaben zu der Verstorbenen machte der Landrat nicht, er sprach zugleich den Angehörigen sein Beileid aus. "Das ist erschreckend und macht uns alle tief betroffen", sagte der Landrat.

Die Situation in dem Pflegeheim sei nicht unproblematisch, machten Göbel und Gerhard Schmid, der Leiter des Gesundheitsamtes im Landkreis München, deutlich. Insgesamt hätten sich neun weitere Bewohner der gerontopsychiatrischen Abteilung sowie acht Mitarbeiter des medizinischen und pflegenden Personals mit dem Coronavirus infiziert. Alle Bewohner, Mitarbeiter und Kontaktpersonen der Kategorie 1 würden nun getestet, sagte Schmid. Drei Mitarbeiter seiner Behörde seien im Heim, um das zu organisieren, insgesamt gehe es um etwa 200 Testungen.

Infektion in einem weiteren Pflegeheim im Landkreis

In einem weiteren Pflegeheim in einer anderen Kommune im Landkreis, die nicht genau benannt wurde, habe es ebenfalls eine Infektion gegeben, sagte Göbel. Drei weitere Bewohner der Einrichtung würden derzeit als Verdachtsfälle behandelt. Dort sei die Lage "unter Kontrolle". Die Situation in der Einrichtung in Ismaning sei allerdings schwerer zu meistern, da es sich um eine geschlossene Abteilung handelt, sagte Schmid. Es sei daher nicht möglich, die erkrankten Bewohner aus dem Heim heraus und in Isolation zu bringen, machte der Leiter des Gesundheitsamtes deutlich. Momentan seien die Mitarbeiter aber noch in der Lage, den Betrieb und die Betreuung der Bewohner aufrecht zu erhalten, da nach geltendem Recht auch Kontaktpersonen der Kategorie 1 weiter arbeiten dürfen, sofern sie keinerlei Symptome einer Erkrankung zeigen.

Die Gemeinde Ismaning und das Landratsamt arbeiten Göbel zufolge eng zusammen und stehen auch in ständigem Kontakt mit dem Landesgesundheitsamt sowie dem bayerischen Gesundheitsministerium. Der Landrat lobt in diesem Zusammenhang ausdrücklich die Arbeit der Gemeinde und ihres Bürgermeisters Alexander Greulich (SPD). "Ismaning hat sehr früh auch mit einem dezentralen Testzentrum auf die Krise reagiert und es wird auch jetzt alles Menschenmögliche getan, um die Menschen zu schützen."

Lieferung von Schutzkleidung hat sich verzögert

Allerdings wird die Arbeit des medizinischen und pflegenden Personals im gesamten Landkreis dadurch erschwert, dass den Ärzten und Pflegern die Schutzkleidung ausgeht. "Schutzbekleidung fehlt an allen Ecken und Enden, die Bestände sind jetzt nahezu aufgebraucht", so Göbel. "Und die staatlichen Bestände sind noch nicht eingetroffen. Wir stehen vor einem richtig großen Problem." Eigentlich hätten Anfang dieser Woche weitere Chargen an Schutzkleidung - darunter 800 000 Schutzmasken - aus Bestellungen des Bundes und des Freistaats im Landkreis eintreffen sollen; diese Lieferungen hätten sich aber verzögert. "Warum kann ich nicht sagen. Auch wir als Landkreis haben Schutzkleidung vor langer Zeit bestellt. Die Bestände reichen nicht aus", mahnte der Landrat. Das Pflegepersonal brauche weitere Schutzmaterialien um den Dienst aufrecht erhalten zu können.

Das Landratsamt erreichen derzeit laut Göbel "stündlich Angebote" etwa aus Italien oder China für medizinische Ausrüstung und Tests, allerdings stellten sich die allermeisten als unseriös heraus. "Oder das Material ist viel zu geringer Standard." Hoffnungen hege er hinsichtlich möglicher Kapazitäten im asiatischen Raum. Dort nicht mehr benötigte Schutzkleidung könnte für den europäischen Markt verfügbar werden. Göbel macht aber auch klar: "Es muss schnell gehen."

Es gibt Verhandlungen mit Hotelbesitzern

Unterdessen versucht das Landratsamt in Zusammenarbeit mit der Stadt München weitere Kapazitäten in Kliniken zu sichern, etwa auch in Privatkliniken in Gräfelfing und Planegg sowie in Zusammenarbeit mit dem Isar-Amper-Klinikum in Haar. Darüber hinaus gebe es bereits Verhandlungen mit Hotelbesitzern, deren Häuser derzeit nicht belegt seien, um dort ältere Heimbewohner in Einzelzimmern unterzubringen.

"Das Vordringen der Infektion in Pflegeeinrichtungen bereitet mir persönlich die größten Sorgen, schließlich haben wir es hier mit der höchsten Risikogruppe zu tun", sagt Göbel. Bürgermeister Greulich sprach den Angehörigen ebenfalls seine Anteilnahme aus. Seine Gemeinde tue alles, zusammen mit der Freiwilligen Feuerwehr und den Hausärzten, um durch umfangreiche Testungen die Pandemie-Kurve zum Abflachen zu bringen.

© SZ vom 27.03.2020/hilb
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