Corona-Pandemie:Brandbrief an den Kultusminister

Lesezeit: 2 min

Neubiberger Eltern fordern ein Konzept und verlässliche Technik fürs E-Learning

Von Daniela Bode, Neubiberg

In vielen Familien ist es derzeit eine große Herausforderung, neben der Arbeit zuhause auch das Home-Schooling für die Kinder gut hinzubekommen. Neubiberger Eltern protestierten nun bei Kultusminister Michael Piazolo wegen der unzureichenden, uneinheitlichen Bedingungen. Gitta Svoboda hat als Elternbeiratsvorsitzende der Realschule Neubiberg auch im Namen von Eltern mit Kindern an anderen Schulen einen offenen Brief an den Politiker geschrieben. Ein zentrales Anliegen ist, dass umgehend in die IT- und Lerninfrastruktur der Schulen investiert wird. Die Eltern fordern, "dass spätestens nach den Sommerferien alle Schulen mit adäquaten IT-Systemen ausgestattet sind und ein einheitliches Konzept für modernes und zukunftsorientiertes ,Lernen zuhause' steht", heißt es in dem Brief. Geschehe das nicht, fürchten sie, blieben Kinder auf der Strecke, die nicht energisch vom Elternhaus unterstützt würden - und damit das gesamte Bildungssystem.

Svoboda verweist auf die bisherigen Erfahrungen an den Schulen. Selbst dort, wo IT-Strukturen für ein gutes E-Learning vorhanden seien, sogar an digitalen Schulen, müsse häufig nachjustiert werden. Programme wie Mebis stürzten ab, einzelne Schüler könnten sich nicht einloggen. Die Eltern fordern daher, das Programm Microsoft Teams als Standardplattform zu nutzen. Dies brauche aber Zeit, unter anderem wegen der Einverständniserklärungen der Eltern, die einzuholen wären. Es brauche auch Zeit, alle Schüler mit der nötigen Hardware auszustatten. Für die Anschaffung entsprechender PCs, Laptops und anderer Geräte habe das Kultusministerium bereits 2019 insgesamt 778 Millionen Euro zur Verfügung gestellt und 2020 auf Schulen, Gemeinden und Sachaufwandsträger verteilt. Die Eltern kritisieren, dass die Sachaufwandsträger die Geräte aber über eine europaweite Ausschreibung beschaffen müssten, was Zeit raubt. Sie fordern vom Ministerium daher, ein schnelleres Verfahren zu ermöglichen. Konkret schlagen sie vor, eine Rahmenvereinbarung mit Lieferanten zu schließen. Diese hätte nach Ansicht der Eltern unter anderem den Vorteil, dass die Sachaufwandsträger beziehungsweise die Schulen das für sie geeignete System bestellen könnten, sie müssten dies aber nicht tun.

Dass die Verlässlichkeit des Systems besonders wichtig ist, hat den Eltern auch Manuela Pietraß, Professorin für Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt Medienbildung an der Bundeswehruniversität, bestätigt. Es müsse nicht das anspruchsvollste System sein, "es braucht eines, das stabil läuft", wird sie in dem Brief an Piazolo zitiert. Um zu zeigen, dass es Wege gebe, das Home-Schooling gut zu gestalten, verweist Svoboda auf andere Länder. Ihre Enkelin besucht die zweite Klasse einer britschen Private School mit Sitz in Shanghai. Sie und viele Klassenkameraden befinden sich wegen der Corona-Krise aber momentan in ihren Heimatländern wie Deutschland und Brasilien. Laut Svoboda findet der Unterricht für alle Kinder über die Plattform Zoom statt. "Die Schüler sehen sich, jeder hat die gleiche Plattform", sagt sie. Der Lehrer könne sofort verbal oder schriftlich korrigieren. Hausaufgaben würden im integrierten Kalender der Plattform hinterlegt. Es gebe also Systeme, bei denen sich die Lehrkraft um jedes Kind einzeln kümmern könne.

Wie sich derzeit abzeichnet, werden Kinder in Bayern auch weiterhin teilweise in der Schule und teilweise daheim digital unterrichtet werden. "Dies mit den jetzigen Gegebenheiten erneut zu machen, ist Eltern, Schülern und Lehrern nicht zuzumuten", schreibt Svoboda. Das Kultusministerium hat in den vergangenen Monaten von mehreren Seiten Kritik wegen der angeblich unbefriedigenden Organisation des Fernunterrichts geerntet.

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