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Corona-Krise:IHK begrüßt Lockerungen

Auch wenn Biergärten und Lokale wieder öffnen dürfen, haben Wirte viele Umsätze verloren.

(Foto: Claus Schunk)

Sprecher Leicher: Wirtschaft im Landkreis kann sich nur durch Umsätze erholen.

Von Martin Mühlfenzl, Kirchheim

Anfang Juni wird die Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern die Ergebnisse ihrer traditionellen Konjunkturumfrage unter Unternehmern im Landkreis veröffentlichen. Und schon jetzt zeichnet sich ein düsteres Stimmungsbild bei den Firmenchefs ab. Die "ganze Wucht der Coronakrise für die heimische Wirtschaft" werde in der Auswertung der Erhebung abzulesen sein, kündigt der IHK-Chef für den Landkreis, der Kirchheimer Unternehmer Christoph Leicher, an.

Vor allem eine Zahl macht deutlich, wie sehr die Krise den Wirtschaftsstandort Landkreis München bereits getroffen hat: Ende April lag die Zahl der Beschäftigten in den 29 Städten und Gemeinden bei mehr als 47 000; mehr als 3600 Unternehmen hatten zu diesem Zeitpunkt Kurzarbeit bei der Bundesagentur für Arbeit beantragt. Zudem, erklärt Leicher, sei schon jetzt ein deutlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit zu beobachten. Die Zeiten der Vollbeschäftigung im Landkreis sind erst einmal vorbei. "Wie viele Entlassungen stattfinden werden, wird vor allem von der schnellen Erholung und der Sommersaison abhängen", sagt der IHK-Chef.

Die Corona-Krise habe nicht nur den Arbeitsalltag bei nahezu allen heimischen Unternehmen umfassend verändert, so Leicher, in einigen Branchen stünden gar zahlreiche "Geschäftsexistenzen in Frage". Die einschneidenden Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie hätten vor allem den stationären Einzelhandel, die Gastronomie und die Hotellerie schwer getroffen. Daher sei der Lockerungsfahrplan der Staatsregierung sehr zu begrüßen und "ein kleiner Lichtblick", die Geschäftsleute könnten endlich wieder mit Umsätzen rechnen. Dennoch hätten vor allem die Gastronomen immer noch keine Planungssicherheit, ebenso wenig die Beschäftigten in dieser Branche.

Seit Montag dürfen die bayerischen Gastwirte wieder ihre Innenräume für Gäste bis 22 Uhr unter Einhaltung aller Hygienestandards und Abstandsregeln öffnen. Dennoch geht die Ayinger Gastwirtin Angela Inselkammer, die auch Chefin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband ist, davon aus, dass etwa ein Drittel der Betriebe zunächst nicht öffnen wird, wie sie der Deutschen Presseagentur sagte. Gerade für kleinere Lokale würde sich dies nicht lohnen.

Christoph Leicher begrüßt unterdessen die von der Staatsregierung eingeführten Soforthilfen als wichtige Stütze für die Betriebe. Nun müsse aber zeitnah auch das Schnellkredit-Programm der LfA-Förderbank Bayern für Solo-Selbständige und Kleinstunternehmen umgesetzt werden, da bisher auf Bundesebene nur Betriebe mit mehr als zehn Mitarbeitern durch Kredite aus den Töpfen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bedacht würden, fordert Leicher. "Letztendlich kann ich nicht mit Geld aus Steuermitteln, sondern nur mit wieder mehr Umsätzen die Wirtschaft mit ihrer erfolgreichen Vernetzung retten", so der Kirchheimer Unternehmer. Einen flächendeckenden Entschuldungspakt für die Kommunen, wie ihn Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) ins Spiel gebracht hat, lehnt Leicher indes ab. Öffentliche Investitionen seien wichtig, aber das Entschuldungsprogramm sei mit Nachteilen für solide wirtschaftenden Kommunen verbunden.

© SZ vom 28.05.2020

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