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Corona-Krise:"Bei uns haben die Menschen Ruhe"

Bei Emmeran Haller (links) und Familie ist dieser Tage Kreativität und Einsatz gefordert.

(Foto: Claus Schunk)

Hotelier Emmeran Haller aus Aschheim bietet Home-Office an

Ein paar Zimmer sind im Hotel Schäfflerwirt in Aschheim noch belegt - mit dem Business-Menschen, der zu einem dringenden Meeting muss, dem Vertriebler auf der Durchreise. Ansonsten steht das Hotel leer. Deshalb dachte sich Wirt Emmeran Haller, 36, ein neues Geschäftskonzept aus. Er vermietet seine 46 Zimmer nun auch als Büro an Menschen, die aus dem Home-Office flüchten möchten. Nächste Woche kommen die ersten Gäste.

SZ: Warum sollten die Menschen Geld bezahlen, um in einem Hotelzimmer arbeiten zu dürfen?

Emmeran Haller: Zu Hause sitzt zur Zeit auch oft der Partner, möglicherweise huschen noch Kinder und die Katze um den Laptop herum. Viele können sich da nicht so gut auf ihre Arbeit konzentrieren. Bei uns haben die Menschen ihre Ruhe und bekommen Kaffee und kalte Getränke.

Wie funktioniert das mit den Hygiene-Vorschriften und Abstandsregeln?

Wir sehen die Gäste gar nicht. Sie melden sich online an, wir hinterlegen den Schlüssel am Eingang und in einem Brief steht alles, was sie sonst noch wissen müssen. Für uns ist das total ungewohnt. Normalerweise kennen wir unsere Gäste und wissen genau, wer ein härteres und wer ein weicheres Kissen mag.

Wer sind die Menschen, die nächste Woche zu Ihnen zum Arbeiten kommen?

Wir haben um die acht Buchungen, die meisten arbeiten in der IT-Branche, es sind ungefähr gleich viele Männer wie Frauen. Vergangene Woche fingen wir an, damit auf Facebook-Werbung zu machen und alle fanden die Idee gut. Jetzt bin ich gespannt, wie viele Buchungen noch reinkommen.

Wie viel von Ihrem Geschäft hoffen Sie, damit auszugleichen?

Die meisten buchen vier Stunden und die kosten 29 Euro. Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein, ein Versuch, um den Betrieb irgendwie am Laufen zu halten. Wir haben unsere 30 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt und zur Zeit stehen meine Mutter, meine Schwester, meine Frau und ich wieder selbst in der Küche. Da ist also auch die ganze Familie geballt in einem Raum. Noch macht das Spaß, aber mal sehen, was wir in ein paar Wochen sagen.

Wie sehr fürchten Sie gerade um Ihre Existenz?

Uns gibt es seit mehr als 120 Jahren - wir werden das schaffen. Wir bieten zur Zeit To-go-Essen an und das funktioniert gut. Heute Abend haben wir 200 Vorbestellungen für Spare-Ribs, alles ist ausverkauft. Ich habe das Gefühl, dass viele uns jetzt unterstützen möchten.

Was würde sonst helfen?

Am meisten würde bringen, wenn die Regierung den Mehrwertsteuersatz in der Gastronomie von 19 auf sieben Prozent senken würde. Nach der Krise müssen viele Wirte Kredite zurückzahlen. Doch woher sollen sie das Geld nehmen? In der Gastronomie sind die Gewinnmargen eng. Mit einem anderen Mehrwertsteuersatz hätten Wirte einen Puffer.

© SZ vom 28.03.2020

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