bedeckt München

Corona-Krise:Angekündigter Stillstand

Haar, Sommerserie, Ortsgrenzen, Stadtgrenzen

Auch die Spielplätze werden von Dienstag an gesperrt.

(Foto: Angelika Bardehle)

Die Kommunen im Landkreis München reagieren auf rasche Ausbreitung des Coronavirus.

Von Carina Seeburg und Sabine Wejsada

Das Leben im Landkreis München kommt zunehmend zum Stillstand, nachdem Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Montag wegen der Coronavirus-Krise den Katastrophenfall für den Freistaat ausgerufen hat. Schulen und Kitas sind inzwischen geschlossen, ebenso Schwimmbäder, Sportstätten, Volkshochschulen, Bibliotheken und Kultureinrichtungen, nahezu alle Veranstaltungen sind abgesagt.

Unterdessen ist die Zahl der bestätigten Coronavirus-Fälle im Landkreis München stark gestiegen. Aktuell sind 75 Menschen mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert (Stand: Montagnachmittag), wie Landratsamtssprecherin Christine Spiegel mitteilt. Damit hat sich die Zahl der nachweislich Erkrankten über das Wochenende mehr als verdoppelt.

Noch greifen nicht alle im Krisenplan angekündigten Maßnahmen: Die Sonne scheint und bei frühlingshaften Temperaturen waren die Plätze etwa in Unterföhring und Ismaning noch stark frequentiert mit Kindern und Jugendlichen, die sich die Zeit statt mit Lernen nun mit Fußballspielen vertreiben. Ganz so, als würden sie die letzten Stunden im Freien nutzen wollen. Damit soll am Dienstag Schluss sein, denn der Freistaat weitet die Beschränkungen aus: Nicht nur Kinos, Clubs, Vereinsräume, sondern auch Sportplätze und Spielplätze werden flächendeckend gesperrt.

Von Mittwoch an müssen ausgenommen von Lebensmittelgeschäften, Apotheken, Banken und Tankstellen auch alle Geschäfte schließen. Es gelten beschränkte Öffnungszeiten und neue Hygienestandards für Speiselokale. Die Kontrolle der Einhaltung von Krisenmaßnahmen ist dabei Sache der Kommunen, bei Verstößen drohen Geldstrafen. Angesichts der schnellen Ausbreitung des Coronavirus appelliere man "bei der Umsetzung aber auch an die Vernunft in der Bevölkerung", sagt Spiegel. Es gebe keine Ausgangssperre, "jeder Einzelne sollte aber seine sozialen Kontakte überdenken".

Es werden immer mehr Testzentren eingerichtet

Einige Gemeinden sind den Bestimmungen bereits zuvorgekommen. So sind das Phönix-Bad in Ottobrunn und das Hallenbad in Ismaning bereits geschlossen. Auch viele Rathäuser reagieren auf die Ausnahmesituation und bitten die Bürger, nur in dringenden Fällen persönlich ins Rathaus zu kommen. In Höhenkirchen-Siegertsbrunn, Feldkirchen, Ismaning und in Unterföhring sind die Verwaltungen für den Parteienverkehr gesperrt und nur noch telefonisch oder per E-Mail erreichbar.

An immer mehr Standorten im Landkreis werden derweil Testzentren eingerichtet. So wird auf dem alten Eon-Gelände an der Bauhofstraße in Unterföhring am Montag die Infrastruktur geschaffen, um Abstriche für Corona-Tests vorzunehmen. In Ismaning lobt der im Amt bestätigte Bürgermeister Alexander Greulich (SPD) den Ablauf: "Die Testungen laufen schnell an. BRK, Feuerwehr und Hausärzte sind seit dem Morgen im Einsatz."

Groß geschrieben wird in diesen Tagen die Solidarität. Das Haarer Rathaus ist dabei, eine Koordinationsstelle für einen Einkaufsdienst einzurichten, gleiches plant die Nachbarschaftshilfe für Vaterstetten, Zorneding und Grasbrunn und sucht dafür ehrenamtliche Helfer. "Besonders ältere Menschen sollen derzeit soziale Kontakte meiden. Es geht darum, jetzt unmittelbare Nachbarschaftshilfe zu leisten", erklärt NBH-Geschäftsführer Oliver Westphalen.

Für alle Fragen zum Coronavirus hat das Landratsamt ein Bürgertelefon eingerichtet, das werktags von 9 bis 16 Uhr unter der Telefonnummer 089/6221-1234 erreichbar ist.

© SZ vom 17.03.2020 / case, sab/hilb
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