Coronavirus im Landkreis München:Jugendliche lassen sich verstärkt impfen

Sonderimpfaktion beim Freizeitpark Vechta

Wie hier in Vechta lassen sich auch im Landkreis München inzwischen mehr Jugendliche impfen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Insgesamt wurden im Landkreis bisher mehr als 414 000 Vakzine verabreicht. Gleichzeitig steigt die Zahl der Neuinfektionen stetig an: Die Sieben-Tage-Inzidenz erreicht erstmals seit dem 25. Juni die Marke von 30.

Von Martin Mühlfenzl

Es ist eine beeindruckende Zahl. Mehr als 414 000 Impfungen gegen das Coronavirus sind im Landkreis München mit seinen etwa 360 000 Einwohnern bisher verabreicht worden - in den Impfzentren, durch mobile Teams in Alten- und Pflegeheimen, in Arztpraxen und von Betriebsärzten. Nur wie viel Prozent der Menschen im bevölkerungsreichsten Landkreis des Freistaats sind mittlerweile tatsächlich immunisiert? Diese Frage lasse sich mittlerweile nicht mehr konkret beantworten, heißt es aus dem Landratsamt; nicht einmal eine Schätzung sei möglich.

Anfang Juli hat das Landratsamt letztmals Impfquoten bezogen auf die Bevölkerung veröffentlicht. Damals gab die Behörde an, es seien etwas mehr als 37 Prozent der über Zwölfjährigen im Landkreis vollständig immunisiert. Seither aber fehlen valide Daten zur Durchimpfung - und dies hat laut Landratsamt einen einfachen Grund: Es werde zwar statistisch erfasst, wie viele Impfungen in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt wie München verabreicht werden, nicht aber, wo die Geimpften wohnen. Die Postleitzahl gehöre laut Robert-Koch-Institut (RKI) nicht zu den "aggregierten Daten", die von den niedergelassenen Ärzten übermittelt würden, teilt Landratsamtssprecherin Christina Walzner mit. "Ebenso lassen die uns direkt durch die Impfzentren übermittelten Daten keine korrekte Aussage mehr über die Impfquote des Landkreises zu", so Walzner. Auch eine "kleinräumige Impfquote" könne daher nicht mehr ermittelt werden.

Schon aufgrund der engen Verflechtungen ist anzunehmen, dass sich viele Menschen aus dem Landkreis in der Landeshauptstadt haben impfen lassen, da sie dort auch ihren Hausarzt oder Facharzt haben - und auch umgekehrt.

Als Referenzgröße kann daher nur die Länder-Statistik des RKI herangezogen werden: In Bayern lag die Quote der Erstimpfungen am Montag bei etwas mehr als 60 Prozent, den vollständigen Schutz haben im Freistaat nahezu 57 Prozent.

Die Zahl der Impfungen im Landkreis ist am Montag indes nach oben gerauscht. Dies liegt aber nicht daran, dass am Wochenende die Impfbereitschaft der Menschen stark angestiegen wäre, vielmehr ruft das Landratsamt seit Wochenbeginn die aktuellen Daten des RKI ab, und greift nicht mehr nur auf die Angaben der Impfzentren und der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) zurück. Im Datenbestand des RKI sind - anders als in dem der Impfzentren und der KV - die durch Privat- und Betriebsärzte verabreichten Impfungen enthalten. Dies hatte zur Folge, dass die Gesamtzahl der im Landkreis verabreichten Immunisierungen sich am Montag um mehrere Tausend auf 412 338 erhöhte. Am Dienstag stieg diese Zahl um mehr als 1600 auf 414 010 Impfungen.

Corona-Lage im Landkreis

Quelle: Landratsamt München

AktuellVgl. Mo. Infizierte gesamt15 638+ 22 Infizierte ges. mit Mutanten2794 +/- 23 Infizierte aktuell173+/- 10Tote gesamt294+ 0 Menschen mit 1. Impfung 212 072+ 309 davon haben 2. Impfung 201 938+ 1363 Impfungen insgesamt414 010+ 1672 Schulen in Quarantäne0+/- 0 Sieben-Tage-Inzidenz30,0 27,1

Im August haben sich bisher etwas mehr als 1000 Kinder und Jugendliche im Alter von zwölf bis 17 Jahren impfen lassen. Die Impfquote in dieser Altersgruppe steige immer weiter an und dies sei auch in den Impfzentren zu beobachten, heißt es aus dem Landratsamt. Auch mit den niederschwelligen Angeboten wie in Freibädern, auf Wochenmärkten, bei Tafeln oder als Drive-in seien bisher sehr gute Erfahrungen bei der Aufrechterhaltung der Impfbereitschaft gemacht worden, teilt Sprecherin Walzner mit.

Weniger positiv stellt sich die Entwicklung aktuell bei den Infektionszahlen dar: Am Dienstag erreichte die Sieben-Tage-Inzidenz erstmals seit dem 25. Juni wieder die Marke von 30, sie lag exakt bei 30,0. Noch vor einer Woche hatte der Richtwert, der die Zahl der Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner in der vergangenen Woche angibt, nur bei 18,3 gelegen. Von Freitag bis Montag wurden 64 Infektionen mit dem Virus bei Landkreisbewohnern nachgewiesen, von Montag auf Dienstag waren es noch einmal 22 dokumentierte Neuansteckungen. Rapide steigt auch die Zahl der aktuell Infizierten, die seit 21. Juli kontinuierlich im dreistelligen Bereich liegt. Am Dienstag betrug sie 173.

"Die Inzidenz steigt auch im Landkreis München seit einigen Wochen leicht, aber stetig an", sagt Ulrike Gernhold, stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamtes. "Wir beobachten vor allem einen Anstieg der Neuinfektionen in den jüngeren Altersgruppen bis circa 40 Jahre." Unter den Infizierten befänden sich Reiserückkehrer, Kinder und Jugendliche, aber auch vereinzelt ältere Menschen, sagt Gernhold. Daher sollten alle, die sich bislang noch nicht für eine Impfung entschieden haben, eines der Impf- oder Beratungsangebote annehmen, appelliert Gernhold.

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