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Corona-Epidemie:Weitere Schulen und Kitas geschlossen

Die Erich-Kästner-Schule in Höhenkirchen-Siegertsbrunn ist seit Dienstag ebenfalls geschlossen.

(Foto: Claus Schunk)

Die FOS in Unterschleißheim, Grundschulen in Höhenkirchen, Hohenbrunn und Deisenhofen sowie mehrere Kindergärten und Krippen in Hohenbrunn reagieren auf Infektionen mit dem Virus.

Von Lars Brunckhorst, Stefan Galler und Iris Hilberth

Das Coronavirus beeinträchtigt in immer mehr Orten im Landkreis das Leben. Nach Unterhaching, Oberhaching und Grasbrunn wurden am Dienstag in Aschheim, Höhenkirchen, Hohenbrunn, Deisenhofen und Unterschleißheim Schulen und Kitas geschlossen. Betroffen sind die FOS/BOS in Unterschleißheim, die Erich-Kästner-Schule in Höhenkirchen, die Grundschulen in Deisenhofen und Oberhaching sowie alle Kitas am Ort, die Keltengrundschule Aschheim, die Kinderwelt Hohenbrunn, das Haus des Kindes in Riemerling sowie Kindergarten und Krippe in Hohenbrunn. Die Schließungen gelten zum Teil bis zum 27. März. Weiter geschlossen bleiben das Lise-Meitner-Gymnasium in Unterhaching, das Gymnasium Oberhaching, die Grundschule Neukeferloh und ein Kindergarten in Gräfelfing.

Vom Landratsamt gab es bis zum Nachmittag keine weiteren Erklärungen zu den weiteren Schließungen. Das Gesundheitsamt meldete bis zum frühen Abend drei neue Fälle. Damit sind - Stand Dienstagabend - nachweislich 20 Menschen im Landkreis am Coronavirus erkrankt. Seit Montag sind wegen Infektionsfällen vorsorglich die Schulen in Grasbrunn, Oberhaching und Unterhaching geschlossen, außerdem zwei Arztpraxen. Die Stadt Unterschleißheim und das Kleine Theater in Haar sagten am Abend alle Veranstaltungen bis einschließlich 19.

April ab. In den betroffenen Orten sind die Folgen des Virus mehr oder weniger spürbar. Etwa in Grasbrunn: Der Dienstag ist auf einmal ein gefühlter Sonntag oder zumindest Samstag. Am Morgen sind in Grasbrunn nicht nur so gut wie keine Schulkinder auf der Straße, sondern auch deutlich weniger Autos. Nachdem die Grundschule in Neukeferloh am Montag wegen der Infektion eines Sporttrainers mit dem Sars-CoV-2-Erreger für den Rest der Woche geschlossen wurde und auch das Gymnasium und die Mittelschule im Nachbarort Vaterstetten, die von vielen Kindern aus der Gemeinde besucht werden, stehen Familien plötzlich vor einer Art kurzfristiger Ferien. Die Folge: Eltern müssen, sofern es möglich ist, ihre Arbeit ins Homeoffice verlegen. Da die Gemeinde am Montag auch die beiden Horte und die Mittagsbetreuung bis auf Weiteres geschlossen hat und für alle Geschwisterkinder in den Kindergärten ein Besuchsverbot verhängt hat, müssen Familien Betreuungen improvisieren: mit Nachbarn oder Großeltern. Ein Leben in Zeiten von Corona.

Während in Unterhaching nur das Lise-Meitner-Gymnasium von der Schließung betroffen ist, läuft in der Grundschule an der Jahnstraße und der Grund- und Mittelschule am Sportpark der Unterricht ganz normal weiter, auch die Kindergärten haben geöffnet. Geschwister von Schülern des Gymnasiums müssen nicht zu Hause bleiben, "soweit diese nicht von der Allgemeinverfügung betroffen sind", wie die Gemeinde mitteilt. Das heißt: Waren sie nicht selbst in Südtirol oder anderen Risikogebieten oder zählen zu "Kontaktpersonen der Kategorie 1", gilt für sie nach wie vor die Schulpflicht.

Die Schüler sollen zu Hause übers Internet lernen

Auch die Schüler des Gymnasiums können sich jetzt nicht eine Woche lang gemütlich zurücklehnen und über Extra-Ferien freuen. Die Schule hat noch am Montagabend, als die Schließung feststand, für alle Zugänge zum Internetportal "Mebis" des Kultusministerium eingerichtet, einer Lernplattform, auf der Lehrer Aufgaben und Material bereitstellen und Schüler ihre Antworten hochladen können und in der jetzigen Situation auch müssen. Die Unterhachinger Gymnasiasten befinden sich also seit Dienstag im Homeoffice.

Unterdessen werden weitere Veranstaltungen in der Gemeinde abgesagt. Die Musikschule muss diese Woche all ihre Kurse und Unterrichtsstunden streichen, die in den Räumen des Gymnasiums stattfinden, denn Ersatzräume stehen nicht zur Verfügung. Der TSV hat sein für Samstag geplantes Vereinsturnfest ersatzlos gestrichen. Eine Verschiebung komme nicht in Frage, teilt Abteilungsleiter Oskar Paulicks mit, da die Halle für das gesamte Jahr nahezu ausgebucht sei. Diese Problematik ergibt sich derzeit bei vielen Organisatoren, die ihre Veranstaltungen absagen müssen.

Am Werner-Heisenberg-Gymnasium in Garching gilt wie an allen Schulen: Kinder und Jugendliche, die in einem Coronavirus-Risikogebiet waren, dürfen 14 Tage nach ihrer Rückkehr die Schule nicht besuchen. Dies gilt unabhängig davon, ob sie Krankheitssymptome wie Fieber, Husten oder Schnupfen zeigen oder nicht. Wer also etwa erst am Sonntag, 1. März, aus den Faschingsferien zurückgekehrt ist, darf sein Kind erst am Montag, 16. März, wieder in die Schule lassen. Diese Anordnung gilt auch für Kindertageseinrichtungen.

Unterdessen wird in Grasbrunn kontrovers diskutiert: Kam die Schulschließung zu spät oder ist sie übertrieben? Bereits am Sonntag hatte sich die Nachricht verbreitet, dass ein Jugendtrainer des TSV positiv auf das Coronavirus Sars-CoV-2 getestet wurde. Doch erst am Montagmittag, nachdem der Unterricht für die Grundschüler zu Ende war, reagierten die Behörden. Der Trainer, so hieß es, habe "im Rahmen nichtschulischer Sportveranstaltungen" Kontakt mit Schülern gehabt.

Inzwischen heißt es dagegen vom Verein, die Information sei nicht richtig. Der Fußballtrainer sei überhaupt nicht in der Turnhalle der Schule gewesen und schon gar nicht seit seiner Rückkehr aus dem Urlaub in Südtirol mit Kindern. Die Kontaktpersonen seien informiert und müssten vorerst dem Trainings- und Spielbetrieb fernbleiben. Ansonsten fänden - Stand jetzt - alle Spiele und das Training statt.

Die Gemeinde begründet die vorsorgliche Schulschließung mit der Empfehlung des Gesundheitsamts, auf diese Weise eine mögliche Infektionskette zu unterbrechen. Als Vorsorgemaßnahme werden laut Gemeinde zudem bereits seit zwei Wochen täglich alle Kontaktflächen in der Grundschule und in den Kindertageseinrichtungen speziell gereinigt. Man gehe einen "vernünftigen, vorsichtigen Mittelweg, ohne hyperaktiv zu werden", erklärte Bürgermeister Klaus Korneder (SPD) am Dienstag die Entscheidung, nicht auch die Kindertagesstätten komplett zu schließen. Vorsorglich abgesagt wurde von der Gemeinde dagegen die für Dienstag vorgesehene Schulung von Wahlhelfern.

Die Podiumsdiskussion mit den Bürgermeisterkandidaten an diesem Mittwoch im Bürgerhaus Neukeferloh findet dafür statt. Veranstalter, Moderator und die vier Bürgermeisterkandidaten hätten sich "gemeinschaftlich für die Durchführung der Veranstaltung entschlossen", heißt es in einer Pressemitteilung von Initiator Oliver Bertram. Man wolle den Bürgern selber überlassen, "ob sie die Podiumsdiskussion besuchen wollen oder nicht". Vorsichtsmaßnahmen würden aber ergriffen: So werden die Stühle für das Publikum mit einem Meter Abstand aufgestellt und bleiben die Toilettentüren offen. "Es wird empfohlen, auf Umarmungen und insbesondere Händeschütteln zu verzichten", so Bertram. Besucher mögen außerdem Verständnis dafür haben, dass die Kandidaten auf Begrüßungen per Handschlag "aus gegebenem Anlass verzichten". Wer erkältet sei, dem empfehle man, zu Hause zu bleiben.

Auch in der Fußballabteilung des TSV Hohenbrunn ist mittlerweile der erste Infektionsfall bestätigt. Der Verein gibt auf seiner Internetseite bekannt, dass deshalb "sämtliche Angebote des TSV", also auch die Trainingsstunden aller anderer Abteilungen, ausfallen. Und zwar zumindest so lange, bis die Testergebnisse aller Personen feststehen, die zu dem Infizierten Kontakt hatten. Wie die Schwimmabteilung des Vereins, die Riemerlinger Haie, mitteilen, bleibt auch das Ozon-Hallenbad bis auf weiteres geschlossen.

Woanders geht der Sportbetrieb unverändert weiter. Etwa bei den Handballern des TSV Ismaning. Abteilungssprecher Alexander Novakovic teilte via Facebook mit, dass die Trainingseinheiten wie bisher weiterlaufen und die Feierlichkeiten zum 90. Geburtstag der Abteilung am 18. April wie geplant stattfinden sollen.

© SZ vom 11.03.2020
Oberhaching, Gymnasium wegen Corona geschlossen, Foto: Angelika Bardehle

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