Meine Zahl:Stille Nacht in sechs Strophen

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Meine Zahl: Christoph Demmler mit den Noten des beliebten Weihnachtsliedes "Stille Nacht, heilige Nacht".

Christoph Demmler mit den Noten des beliebten Weihnachtsliedes "Stille Nacht, heilige Nacht".

(Foto: Claus Schunk)

Dekanatskantor Christoph Demmler liebt das bekannte Weihnachtslied in seiner ursprünglichen Fassung.

Von Angela Boschert, Ottobrunn

"Wenn man 'Stille Nacht - Heilige Nacht' am Heiligen Abend nach Einbruch der Dunkelheit singt, ist das einfach unvorstellbar schön", schwärmt Christoph Demmler, der Dekanatskantor der evangelischen Michaelskirchengemeinde Ottobrunn. Ihn faszinieren das "schöne Lied" und seine Geschichte. Das Volkslied ist weltweit zum Inbegriff für die Weihnachtsstimmung in deutschsprachigen Landen geworden. Doch hatte das Lied ursprünglich sechs Strophen statt der heute bekannten drei und alle zusammen drücken in ihrer Gesamtheit das aus, was der Hilfspfarrer Joseph Mohr im Jahr 1816 wohl gedacht hat. Es war das "Jahr ohne Sommer". Als solches ist 1816 wegen Schneefalls in Jahresmitte in die österreichische Geschichte eingegangen, und die Bevölkerung litt nicht nur Hunger, sie sehnte sich nach Jahren der Eroberungs- und Revolutionsfeldzüge Napoleons nach einem besinnlichen "Weihnachten ohne Krieg", meint Demmler.

Der Text sei mit verantwortlich für den großen Erfolg des Liedes, sagt er. Seine sechs Strophen erklangen zum ersten Mal am Weihnachtsabend des Jahres 1818 in der St.-Nikola-Kirche in Oberndorf bei Salzburg, wo sie Mohr und der Organist Franz Xaver Gruber sangen, weil die Orgel ausgefallen war. Von dort aus nahm "Stille Nacht" vor allem durch Volksmusikgruppen seinen Zug um die Welt. Inzwischen wurde es in mehr als 300 Sprachen übersetzt und von der Unesco als immaterielles Kulturerbe in Österreich anerkannt.

Im Zuge von Übertragungen ist es sowohl im Text als auch in der Melodie verändert worden. In der Originalfassung, die Demmler vor sich hat, hat es zudem eine etwas andere Rhythmisierung, die "den schönen Siciliano-Charakter aufgreift, mit seinem wiegenden 6/8-Takt und der zärtlich-melancholischen Emotion", so Demmler. In der vierten Strophe werde die Sehnsucht nach Frieden allerorten ausgedrückt durch die Zeile "Als Bruder umschloß Jesus huldvoll die Völker der Welt". Doch werden heute üblicherweise nur drei Strophen in der Abfolge erste, sechste und zweite Strophe gesungen. Man überlege, in der Neuauflage des Evangelischen Gesangbuchs den kompletten Originaltext abzudrucken, sagt der Kirchenmusiker und begrüßt dies: "Dann erschließt sich das Lied in seiner Ganzheit", sagt Demmler und es werde erkennbar, dass der Text auf "Jesus, der Retter ist da" hinauslaufe, und das am Ende des Liedes in der sechsten Strophe.

In der Serie "Meine Zahl" stellt die SZ bis Weihnachten jeden Tag Menschen vor, in deren Leben eine Zahl eine besondere Bedeutung hat - von 1 bis 24 wie bei einem Adventskalender.

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