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Christliche Hoffnungsymbolik:Tröstliches Licht

Kirchheim, evang Cantate-Kirche, das moderne Osterfenster hinter dem Altar

Die Ostersonne umschließt als weißer in den Putz gemalter Kreis das Osterfenster hinter dem Altar der Cantate-Kirche.

(Foto: Angelika Bardehle)

Die Osterfenster in zwei Kirchen in Neubiberg und Kirchheim thematisieren den Sieg Jesu über den Tod

Wer in der Bibel nach dem Begriff "Ostern" sucht, sucht vergeblich. Der Name des höchsten christlichen Festes, an dem die Auferstehung von Jesus und damit der Sieg des Lebens über den Tod gefeiert wird, hat keinen biblischen Ursprung. Warum wir im Deutschen das Fest "Ostern" nennen, ist selbst laut Duden nicht eindeutig geklärt.

Selbstverständlich wird auch in Kirchenräumen Ostern thematisiert, ausgesprochen selten allerdings in Kirchenfenstern. Doch finden sich in der Kirche der Universität der Bundeswehr Neubiberg ein Corpus-Christi-Fenster, das als Rückblick auf Karfreitag verstanden werden kann. Auf den Armen des Kreuzes stehen die griechischen Buchstaben Alpha und Omega - Anfang und Ende. Ein anderes Fenster zeigt ein Lamm mit Heiligenschein und Fahne. Dieses Lamm-Fenster symbolisiert den Sieg Jesu über den Tod. Die damals in Neubiberg stationierten amerikanischen Soldaten der 86. Division der Luftwaffen-Zentralstaffel stifteten die Fenster für ihre in nur sechs Monaten errichtete "Chapel". Die Essens- und Medizinstaffel hat das Corpus-Christi-Fenster, die Kommunikationsstaffel das Lamm-Fenster bezahlt, wie die Widmungen am unteren Rand der Fenster sagen.

Ein "Osterfenster" benanntes Beispiel gibt es im Chor der evangelisch-lutherischen Cantate-Kirche in Kirchheim. Scheint die Sonne am Morgen hindurch, spiegeln sich die Farben Rot, Orange und Gelb des Fensters auf dem davor stehenden Altar wider. Der Künstler Hubert Distler (1919 bis 2004) aus Grafrath im Landkreis Fürstenfeldbruck hat es für die 1985 eingeweihte Kirche geschaffen. "Das Thema des Osterfensters entwickelte der damalige Pfarrer Andreas Hildmann zusammen mit Hubert Distler. Da die Kirche geostet ist, bot sich die Ostersonne als Hoffnungssymbol an", erzählt Pfarrerin Ute Heubeck aus einem Gespräch mit Hildmann. "Während die von Distler gestalteten Motive auf dem durchgehenden Putzstreifen in der Wand der Kirche, Putzband genannt, fein und unaufdringlich sein sollten, wollte er die Farben auf dem Osterfenster krachen lassen."

Die angesprochene Ostersonne umschließt als weißer in den Putz gemalter Kreis das Osterfenster hinter dem Altar. Am Fuß des schmalen Fensters führen angedeutete Wege aus dunkelroten Farbfeldern zu einem weißen dreieckigen Bereich. Entlang seiner rechten Kante geht ein glatter Weg zur oberen Zone des dreiteiligen Fensters. Er führe "aus dem Dunkel des Grabes hinauf ins Licht", sagt die kircheneigene Beschreibung dazu. Doch ist dieser Weg nicht unverletzt durchgängig. Auch führt er aus dem Fenster hinaus. Was diese Komposition bedeuten mag, ist jedem selbst überlassen. Liegt die Erlösung doch weiter weg? Das Fenster erscheint mal zwei-, dann aber wieder dreidimensional. Die antikisierende Bleitechnik mit Opalglas, mit der es die Firma Sattler in Scheuring angefertigt hat, unterstützt diese optischen Wirkungen.

An den Künstler hat sich die Gemeinde eine lebendige Erinnerung bewahrt. So erzählt eine damalige Kirchenvorsteherin, Roswita Dinskoch-Lindig, von Distler als einem "herzlichen und zugänglichen Künstler ohne irgendwelche Allüren". Er habe sie damals liebevoll "Mädel" genannt. Dinskoch-Lindig hat bei der Einweihung der Kirche im Chor mitgesungen, als die von Pfarrer Hildmann gedichtete und von Helmut Lammel vertonte "Kirchheimer Cantate" aufgeführt wurde. Auf diese beziehen sich figürliche Darstellungen auf dem oben erwähnten Putzband.

Dieter Burneleit hat sich 1996 einige Notizen zu Distler gemacht: "Im Krieg hat er sein linkes Bein verloren und litt immer wieder an Phantomschmerzen. Zweimal ist er im Krieg dem Tod von der Schippe gesprungen. Hoffnung hat er durch Gott erhalten. Distler war ein zugleich vitaler und sensibler Mann".

Pfarrer Hildmann erinnert sich an "einen richtigen Kumpel, mit dem man durch dick und dünn gehen konnte. Nach dem Krieg wollte er mit Kunst die Welt verbessern, damit so etwas nicht wieder geschieht. Saßen wir gemütlich beieinander, konnte es geschehen, dass Distler plötzlich vor Schmerzen aufschrie. Die Kriegswunden blieben offen, was ihm einen Zugang zu einer anderen Wirklichkeit offenhielt. Großen Kirchen hat er mit Fenstern und Wandmalereien Farbe und Form gegeben und das auf kühne Weise." Fenster in den evangelischen Kirchen von Ottobrunn, Taufkirchen und Ismaning oder das Fenster der Taufkapelle der katholischen Pfarrkirche St. Peter in Heimstetten legen davon Zeugnis ab.

Nicht kühn, sondern tröstend wirkt das Osterfenster der Cantate-Kirche auf Pfarrerin Ute Heubeck, die im Juni 2018 von der Christuskirche in Neuhausen nach Kirchheim kam. Für sie drückt es "Geborgenheit bei Gott aus. Von ihm komme ich her und zu ihm kehre ich zurück. Die Auferstehung Jesu, für die die umrahmende Ostersonne steht, begründet diese Hoffnung. Das Osterfenster gewährt mir in seiner Schlichtheit Nähe, einen Schutzraum und Trost", sagt Heubeck.

© SZ vom 09.04.2020
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