Süddeutsche Zeitung

Chemielager:Agenda stellt Fragen zur Gefahrenlage

Der Chemiekonzern United Initiator plant in Pullach, sein Lager auszubauen und bestimmte Stoffe dort zu konzentrieren. Besorgte Bürger wollen jedoch vor einer Genehmigung wissen, welche Folgen das hätte.

Von Michael Morosow, Pullach

"Big Wings" lautet der Arbeitstitel weitreichender Ausbaupläne des Pullacher Chemiekonzerns United Initiator, und wenn es nach dem Unternehmen geht, dann wird der Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung am Dienstag, 15. September, dieses Vorhaben durch einen entsprechenden Beschluss beflügeln. Nach Meinung des Pullacher Agendateams käme eine Entscheidung zu diesem Zeitpunkt aber zu früh. Zuvor müsste geklärt werden, ob sich durch die Erweiterung die Gefahrenlage im Falle eines nicht auszuschließenden Störfalls erhöhen würde. Bis dahin solle eine Genehmigung durch den Gemeinderat zurückgestellt werden.

"Big Wings" wirft Fragen auf, heißt es entsprechend in einer von Agenda-Sprecher Bert Eisl sowie dem Sprecher des Arbeitskreises Energie und Klimaschutz, Peter Kloeber, gemeinsam verfassten Presseerklärung. Nachdem United Initiators unter anderem die Lager- und Verpackungsmöglichkeiten ausbauen und das produzierte Gefahrengut verschiedener Standorte auf ihrer Fläche in Pullach konzentrieren wolle, seien sie von besorgten Bürgern angesprochen worden. Diese befürchteten, dass von den organischen Peroxiden und anderen Gefahrstoffen dadurch eine noch höhere Brand- und Explosionsgefahr ausgehe, verbunden mit der möglichen Emission ätzender oder giftiger Stoffe.

Viele Pullacher hätten tatsächlich schon einige solcher Störfälle erlebt und seien angesichts der geplanten Erweiterung verständlicherweise verunsichert. Nach Ansicht von United Initiators, so heißt es weiter in der Presseerklärung, ist aufgrund der relativ geringen Mengen und der Eigenschaften der gehandhabten Stoffe eine Gefährdung der Nachbarschaft selbst bei einem Störfall äußerst unwahrscheinlich. "Wir wollen wissen, ob diese Einschätzung auch nach der geplanten Erweiterung der Anlagen noch zutrifft", schreiben Eisl und Kloeber.

Aus diesem Grund habe man Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grüne) zum Umfang und zu den Auswirkungen der Planung eine Reihe von Fragen gestellt. So etwa wollen die Agendavertreter unter anderem wissen, ob und in welchem Umfang sich die Menge an Gefahrstoffen in Produktion, Lagerung oder Verpackung ändern, in welchem Umfang sich der Transport der Gefahrstoffe auf Straße und Schiene erhöhen und ob eine Anpassung der Alarm- und Gefahrenabwehrpläne erfolgen werde. Außerdem wollen sie erfahren, wie bezüglich der geplanten Waldrodungspläne eine Kompensation des Wegfalls aussehen werde. "Wir meinen, dass vor einer Genehmigung durch die Gemeinde eine umfassende Information der Pullacher Bürger über die sich möglicherweise verschärfende Gefahrensituation erfolgen muss. Es sollte auch eine Gefährdungsbeurteilung von unabhängiger Seite eingeholt werden, die dann zusätzlich zum Bebauungsplan öffentlich zur Einsichtnahme ausgelegt werde", heißt es abschließend in der Stellungnahme der Agenda.

Im Rathaus werden die Sorgen der Anwohner ernst genommen. Man werde sich vor der Gemeinderatssitzung sowohl mit dem Agendateam als auch ein weiteres Mal mit Vertretern von United Initiators zusammensetzen, sagte Andreas Most (CSU), der bis Wochenbeginn die urlaubende Bürgermeisterin vertreten hat. So werde der Genehmigungsprozess noch einmal von allen Seiten beleuchtet. Den Ausgang dieser Gespräche müssen man vor einer Entscheidung abwarten.

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SZ vom 09.09.2020/hilb
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