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Cartoonist:Herr der Federn

Peter Gaymann lässt sich in Schäftlarn Besuchern über die Schulter schauen

Den Marienhof im Schäftlarner Ortsteil Neufahrn hat Peter Gaymann nicht erworben, um sich aufs Altenteil zurückzuziehen. Das wird bei der Lesung des deutschlandweit bekannten Cartoonisten im Rahmen des Literarischen Herbstes schnell klar. Als die Kulturveranstalterin Elisabeth Carr bei Gaymann anklopfte, stand die Türe bereits offen. "In Köln gibt es eine ganz ähnliche Veranstaltungsreihe", erzählt Gaymann, "die heißt ,Literatur oder Musik in den Häusern der Stadt'. Meine Frau Viktoria und ich, wir sind dort gerne hingegangen", hatten aber selber nicht ausreichend Platz, um Gastgeber zu sein. Und so war die Teilnahme an der Starnberger Reihe "Literarischer Herbst" beschlossene Sache.

Peter Gaymanns Bilder erzählen Geschichten. Seit vielen Jahren zeichnet er die Serie "Paar Probleme" für die Frauenzeitschrift Brigitte. Berühmt geworden ist er aber mit Hühnern. Forciert habe er das nicht. "Ich habe auch Giraffen, Katzen und Schnecken gemalt", erzählt der Autodidakt launig von seinen Anfängen als Zeichner der "Tierischen Blätter" für die Freiburger Badische Zeitung.

Der 68-Jährige ist kein Witzereißer, doch er hat etwas Sprühendes an sich. Dass er nun endlich mehr als eine Handvoll Gäste einladen kann, ist ein großer Vorzug seines neuen Domizils. Beinahe auf den Tag genau vor einem Jahr ist der gebürtige Freiburger zusammen mit Frau Viktoria von Köln in das neue Haus nach Bayern gezogen.

Der Marienhof war das erste Gasthaus am Ort. Erstmals erwähnt wurde die Hofstelle bereits 1313. Das heutige Gebäude stammt aus dem Jahr 1787. Und dass die Datierung exakt ist, bestätigen die Jahresringe der Dachbalken, unter denen Gaymann sein bayerisches Atelier eingerichtet hat. Seine Frau Viktoria hat ein bautechnisches Gutachten machen lassen. Die Dämmung musste von außen auf das Dach aufgebracht werden, damit die bestens erhaltenen alten Balken sichtbar bleiben.

Zur Lesung "Bei Peter Gaymann zu Hause" sind gut 50 Gäste gekommen, darunter auch die neue Nachbarin in Neufahrn. Auf der Staffelei im Wohnzimmer legt ein Huhn gerade ein Ei, darüber steht "Ohne Lesen könnte ich nicht mehr legen".

Wie Gaymanns Humor funktioniert, ist augenscheinlich, aber wie kommt er darauf? Woher kommt der Impuls? Das hinterfragt der Zeichner immer wieder selbst und liest an diesem Abend Auszüge von Otto Reutter, Tomi Ungerer und Sempé. Das Publikum lernt ihn auch von einer nachdenklichen Seite kennen. Dann dürfen endlich alle hinauf, "in den Olymp", wie der Künstler selber sagt, und nach Herzenslust im Atelier unter dem Dach in Gaymanns Büchern, Bildern und Postkarten stöbern.